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"Blutige Straße": Neuer "Polizeiruf 110" gibt Rätsel auf

Eine Frau in rot liegt tot in einer Blutlache auf dem Asphalt einer Straße mit Plattenbauten. Kurz vorher brachte sie das Blut nicht nur eines Mannes in Wallung. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln, zumindest das ist Realität im wahren Leben.

Wilde Sexpartys, ein schmieriger Journalist, Liebesszenen mit dem neuen Staatsanwalt und ein Ermittler im Rollstuhl: In der neuen Folge der Krimireihe "Polizeiruf 110" aus Halle, die die ARD am Sonntag (ARD 20.15 Uhr) ausstrahlt, gibt es allerlei Verwicklungen, Klischees und einen Hauch Erotik zugleich. Eine auffällig rot gekleidete blonde Frau steigt aus dem Bus und wird eiskalt überfahren. Ihr Ehemann - der über die Schönheit sagt: "Sie machte was sie wollte, sie war mir gleichgültig" - stirbt wenig später auch. Die Fragen nach dem "Warum?" und "War es "Mord?" gilt es auch bei diesem Film des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) anhand akribischer Polizeiarbeit zu klären. Starb die Frau etwa aus Eifersucht oder weil sie zu viel von Affären und Machenschaften um Millionengeschäfte ihres Chefs wusste ?

Das langjährige Ermittler-Duo der Hauptkommissare Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz) und Herbert Schneider (Wolfgang Winkler) arbeitet gemeinsam mit der jungen Kollegin, Oberkommissarin Nora Lindner (Isabell Gerschke), an dem kniffligen Fall. Die Umstände sind jedoch anders als sonst. Schmücke agiert nach einer Schussverletzung vom Krankenhaus aus im Rollstuhl. Der neue schnöselige Staatsanwalt Ole Mahler (Grimmepreisträger Mišel Matičević/"Im Angesicht des Verbrechens") verdreht der blonden Ermittlerin den Kopf, bringt sie in Gewissenskonflikte - und landet mit ihr im Bett seiner durchgestylten Altbauwohnung. Das Liebespaar im Film kennt sich im wahren Leben von früheren Dreharbeiten. Das sei für sie beruhigend gewesen, sagt die Schauspielerin, da es in dem Krimi "intimer wird".

In dem Streifen gerät der Staatsanwalt selbst ins Zwielicht, denn sein Vater (Gunter Schoß) ist ein einflussreicher Mann in Politik und Wirtschaft. Während die Geschichte für den Zuschauer stellenweise etwas zäh erzählt wird, sorgt als Ausgleich Henry Hübchen in der Rolle des unentwegt rauchenden Enthüllungsjournalisten Walter Klaue für Heiterkeit - und etwas Übertreibung zugleich. Der Reporter mit der Fotokamera lebt in einem schmuddeligen Wohnwagen, trinkt Milch aus einem Rotweinglas und schlurft völlig unerotisch nur mit Hemdchen und grauen Socken bekleidet im Krankenhaus, nachdem er bei einer Gasexplosion nur kurz dem Tod entkommen ist, zu Schmücke ins Zimmer.

Gemeinsam tüfteln sie vom Krankenbett aus an der Klärung des Falls, im wahren Leben ist das wohl eher unwahrscheinlich. Wie sich das Puzzle am Ende zusammensetzt und Licht in die anfängliche Dunkelheit der Ermittlungen gebracht wird, das erfährt der Zuschauer, wie immer im Film, schon nach 90 Minuten. Regie führte Dror Zahavi ("Die Luftbrücke", "Der geheimnisvolle Schatz von Troja", "Mein Leben - Marcel Reich-Ranicki").

Petra Buch, DPA / DPA