"Club der Ex-Frauen" Das trashige Ende einer großen Liebe


Wenn Frauen verlassen werden, gehen sie in der Regel zum Frisör. Oder sie kaufen sich neue Schuhe. Nicht die Kandidatinnen der neuen RTL2-Dokusoap "Der Club der Ex-Frauen". Hier lassen sich enttäuschte Normalo-Frauen von noch enttäuschteren Promi-Frauen nach der Trennung wieder aufbauen.
Von Katharina Miklis

Wer nach "Gülcans Traumhochzeit" dachte, es könne im abendlichen TV-Programm nicht mehr trashiger werden, wird jetzt eines Besseren belehrt. Dank des Privatsenders RTL2 ist der Montagabend seit gestern wieder fürs Fremdschämen reserviert - sechs Wochen lang.

Sich von Claudia Effenberg (41) in Beziehungsdingen beraten zu lassen, ist wahrscheinlich genauso wirkungsvoll wie eine Reiner-Calmund-Diät oder eine Stilberatung von Jeanette Biedermann. Es kann nur in die Hose gehen.

Rache - nicht süß sondern peinlich

Trotzdem gehört die Mal-wieder-Ex von Stefan Effenberg zum "Club der Ex-Frauen", der verlassenen und verzweifelten Frauen pseudopsychologisch zur Seite steht. Die anderen beiden Club-Mitglieder stehen Effenberg in punkto öffentlich ausgetragener Scheidungsschlacht in nichts nach: Maja Prinzessin von Hohenzollern (35), die von ihrem Ferfried Prinz von Hohenzollern - dem RTL2-Publikum besser bekannt als "Foffie" - für Busenmacherwitwe Tatjana Gsell verlassen wurde und Giulia Siegel (32), die irgendwie auch keiner so richtig haben will.

Die Idee der Sendung kommt natürlich aus den USA. Der amerikanische "Ex-Wives-Club" mit Donald Trumps Ex-Gattin Marla Maples ist das Vorbild. Das Prinzip der deutschen Adaption: Die verlassene Protagonistin soll sich erstmal kräftig ausheulen, dann wird sie ordentlich aufgestylt und zum Schluss kann sie dann auch noch ihren ganzen Frust rauslassen und böse Sachen machen. Die drei Hobbypsychologinnen lassen dabei kein Klischee aus. Wer jetzt an zerkratzte Autotüren, verbrannte Anzüge oder Nacktfotos vom Ex im Internet denkt, liegt völlig falsch. Die Kandidatin der ersten Sendung, die 35-jährige Andrea, soll Fotos zerreißen und ihren Ehering einschmelzen lassen. Ui, wie gemein...

Am Schluss wird das Bett, in dem sie ihren Ex-Mann mit der Neuen erwischte, in die Luft gesprengt. Na, dem hat sie's gezeigt! Immerhin Claudia Effenberg vergeht das Lachen bei all dem vorgeführten Herzschmerz nicht. "Meiner hat's auch im Ehebett mit einer Anderen gemacht", kichert sie. Wer sich für derartige Details aus den Scheidungsschlachten der B-Promis interessiert, wird bestens bedient. Um die Sendung wenigstens ein bisschen aufzupeppen, wird Andrea erst einmal einer Typveränderung unterzogen. So etwas sehen die Leute schließlich immer gern. Soll angeblich gut für's Selbstbewusstsein sein. Zu Beginn der Sendung noch das hässliche, traurige Entlein, strahlt die Verlassene zum Schluss in neuem Glanz. Hübsch, aber immer noch todtraurig. Daran können auch die peinlichen Scheidungsladys nichts ändern, die sie immer mal wieder kräftig drücken. Aber warum sollten sie auch bei Andrea hinbiegen können, was sie bei sich selbst nicht auf die Reihe bekommen haben?

Die Verlassene leidet - zum Glück schaut kaum einer zu

Zum Schluss wird mit einem Gläschen Sekt auf Andreas neues Leben angestoßen. Während ihr Ex weiterhin schwanzgesteuert durchs Leben geht und seinen Spaß daran hat, versuchen die peinlichen Rache-Engel von RTL2 den Eindruck zu erwecken, dass die ganze Geschichte zum Glück ein Happy End hat. Andrea lächelt gequält in die Kamera und den Kloß in ihrem Hals kann man selbst unter dem ganzen neuen Make-up förmlich pulsieren sehen.

Was bleibt, ist eine immernoch zutiefst verletzte Frau, denen jetzt auch noch eine Menge Leute dabei zugeschaut haben, wie Salz in ihre Wunden gestreut wurde. Immerhin: So viele Zuschauer waren es gar nicht. Nur knapp über eine Million schalteten ein, um das trashige Ende einer Ehe zu sehen. Ein schwacher Trost.


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