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TV-Kritik

Das Sommerhaus der Stars: Auftakt im Promi-Horrorhaus: Panik, Paranoia, Pimperlust und Penislängen

Wie schnell sich die Sache mit dem Zusammenziehen erledigen kann – einer wie Willy Herren macht im "Sommerhaus der Stars" eine Kunstform daraus. Wichtigster Ort in dem Promi-Quartier dürfte das WC werden, in vielerlei Hinsicht.

Von Ingo Scheel

RTL-Show: Diese acht Paare zoffen sich im "Sommerhaus der Stars"

Das Sommerhaus der Stars öffnet endlich wieder seine angerosteten Tore und feiert den Einzug der Blablabladiatoren. Die Sendung ist noch keine drei Minuten alt, da sehen die Wendlers und die Fröhlichs, das Boyce-Duo und Mike und Elena und Johannes – genau, der Johannes – Yeliz, Steffi, Roland und die anderen aus wie eine durchschnittliche Facebook-Chronik in diesen Tagen: Haare, so durcheinander wie bei Boris Johnson und Gesichtsfurchen wie in der FaceApp ganz rechts.

Während andernorts, etwa beim Dschungelcamp oder der Bachelorette, Begrüßungshäppchen und Sekt gereicht werden, die Behausung jenseits der Mietpreisbremse liegt, herrscht in Portugal Laubenpieper-Atmosphäre, nur ohne Charme: Die Sofas durchgesessen, in den Farbtönen "Erbrochenes" oder "floral", das Gartengestühl aus dem Ein-Euro-Laden und die Toiletten – einem wie Willi Herren entgeht in der Keramik-Abteilung nichts – wurden eben erst benutzt, oder um es originaltonal zu sagen: "Da hat doch schon einer reingeschissen!" Ohne Nachbürsten, versteht sich.

Hygienevakuum im "Sommerhaus der Stars"

Apropos Nachbürsten, auch Herrens Willi sieht aus, als hätte er mal ein wenig Extrapflege nötig. Von der Verve einstiger Dschungeltage und Schinkenstraßen-Großtaten scheint zu Beginn nicht viel mehr übrig, stattdessen hat eine asthmatische Plautzenschluffigkeit seinen mächtigen Körper ergriffen. Kaum Kampfeswille, müder Blick, vielleicht ist es die Liebe, die den einstigen Reality-Löwen zum Kätzchen hat schrumpfen lassen. Jasmin heißt sie, hat "Metal Chicks" hinten auf der Jeansweste stehen und ist von einer Cora-Schumacher-Haftigkeit beseelt, der man sich nur schwer entziehen kann: Kettenraucher-Lache, Fingernägel für drei, Teint und Tuffi prima koloriert. Dass den beiden das Hygienevakuum rund um den Tiefspüler an die Nieren geht, scheint nachvollziehbar, ist dies für die beiden doch ein Örtchen von historischer Bedeutung: Willi hatte einst genau dort, auf einer Toilette, um die Hand seiner Jasmin angehalten

Otto Normalantragsteller mag da die Nase rümpfen, auch für zwei wie Steffi und Roland jedoch ein ganz normaler Vorgang. Die "Goodbye, Deutschland"-Adepten hatten sich einst im "Pupasch" kennengelernt, auch das ein atmosphärischer Kick-Off in die gemeinsame Zukunft. Damit müssten die Vier doch eigentlich eine Menge Gesprächsstoff haben, so könnte man meinen, stattdessen kommt es am Ende der Auftakt-Doppelstunde just zwischen Team "Pupasch" und Team "Toilette" zu einer Auseinandersetzung mit Showdown-Potential. Vielleicht aber auch nicht ganz überraschend, wie schnell dann doch die Sicherungen durchbrennen, war das Programm zum Einzug doch schon nur etwas für Hartgesottene.

Michael Wendler, onkelhafter Teerkopf mitsamt Zivildienstleistender etwa, auch der mit einem Hang zum Griff ins Klo: Am Morgen noch hatte das Paar auf Vorrat gestöpselt, lange würde das bei einem virilen Schlagerbock wie ihm jedoch nicht vorhalten, das konstatierten die beiden selbst. Sollten die Hormone nicht mehr zu bändigen sein, dann würde man, so die romantische Absprache, gemeinsam das Klo aufsuchen. Bleibt zu hoffen, dass dann Herrens Willi nicht gerade am Machen ist. Am Abend schon werden die WC-Pläne jedoch verworfen, stattdessen soll im unteren Etagenbett gekuschelt werden. Sie, die Laura, anlehnungsbedürftig, er aber, der Wendler, zu aufgedreht, möchte lieber zurück in die Küche, sich "unterhalten". Ideen hat der Mann, das muss man ihm lassen. Tränen, Trost, Taschentuch. Am Ende geht Laura sich sogar noch nächtlich erbrechen, woraufhin flugs das erste Schwangerschaftsgerücht die Runde macht. Es dürfte nicht das letzte gewesen sein.

Willi, der funkende Zeremonienmeister der Verdammnis

Auch sonst in der prekären Behausung eine illustre Runde: Wo Mike und Elena herstammen, rutscht fast durch, zu nuschelig ist seine Aussprache. Mit viel Fantasie soll es wohl "Love Island" heißen. Könnte passen, genau so stellt man sich das Völkchen dort vor, nur eben nackt, aber das kommt sicher noch. Etwas klarer in der An- und Aussprache sind da schon Jessika Cardinahl und ein gewisser Quentin. Sie ist mal in frühen Otto-Filmen durchs Bild gehüpft, er glänzt als Kreuzung aus Bernhard Brink und Tommi Piper und wird von Liebesinsel-Mike zwischendurch "Queen-Tim" genannt. Die beiden sind eigentlich von Haus aus sympathische Reality-Laien, jedoch ist vor allem Quentin so schnell auf Betriebstemperatur, spricht vom "Bumsen, Bumsen, Bumsen" und dem klein wirkenden Penis (Grund: Der Sack ist so groß), als hätte er die letzten drei Dekaden nicht als Architekt in USA, sondern auf Ecstasy im Big-Brother-Karton verbracht.

Johannes und Yeliz dagegen sind alte Schlachtrösser, zwei Lichtgestalten aus Bachelor und Bitch-Roulette, längst assimilierte Reality-Hasen, dazu Benjamin Boyce, Ex-Boyband-Barde, und seine Co-Darstellerin Kate, Tattoo-Fan aus Kölle, seit elf Monaten ein Paar und nicht nur bei der Quiz-Challenge auf einer Metallplatte in luftiger Höhe einander so verfluchend, dass der gemeinsame Jahrestag wohl besser mit Bleistift in den Kalender eingetragen werden sollte. Fehlen noch DSDS-Menowin und Partnerin Senay, trotz Bohlen-Segen und Knasterfahrung von fast beseelter Normalität, so breitgesässig-gemütlich installiert, als würden sie hier tatsächlich Urlaub machen. 

Am Ende der Einzugssause, nachdem bei bereits erwähnter Challenge Fragen nach Penislängen, Seitensprüngen und Frauen-IQ zumeist unbeantwortet geblieben sind, wird dem Intrigen-Affen noch via "Abschussliste" ein wenig Zucker gegeben, den wiederum Willi, wie eingangs erwähnt, überaus willfährig zu sich nimmt. Wie ein Circle-Pit beim Metalfestival, umtost es Roland und Steffi da, angefeuert von Willy, dem zerebral jetzt auf höchster Frequenz funkenden Zeremonienmeister der Verdammnis. Das Vergehen von Roland und Steffi, am Ende selbst vier Mal nominiert: Sie hatten Willi und Jasmin, die Turteltauben aus der Toilette, doch tatsächlich auf die Abschussliste gesetzt. 

Aus dem Stand ist Willi in Schlaganfall-Nähe, improvisiert wie vom Fieber geschüttelt eine Art Ballermann-Rap, in dem sich nichts auf niemand reimt, mit der Faust Löcher in die Luft stoßend, so augenscheinlich irre an sich selbst geworden, dass Roland, eben noch die Basecap mit der Aufschrift "Schnitzel" gutmütig durchs Bild tragend, nur noch mit Tränen in den Augen an der Schorle nippen kann. Währenddessen rappt MC Herren – "Ganz aggressives Potenzial. Ganz aggressiv. Ganz böse" – sich fast in Trance und Rolands Liebste, die Steffi, ins schnappatmende Tränental: "Dass das so ein Horrorhaus wird. Wenn ich das vorher gewusst hätte …" – oder um es mit Laura zu sagen: Ich muss brechen, Baby.

Folge 1 der neuen "Sommerhaus der Stars"-Staffel können Sie hier bei TV-Now nachsehen.

wue