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"Germany's next Topmodel" mit Heidi Klum: Nahkampf mit dem Schnuckihasi

Muskel-Alarm in der Model-Villa: Die Kandidatinnen bekamen es mit einem männlichen Partner zu tun. Eine dachte an ihren Freund und musste heulen. Eine andere dachte nur an das eine - und musste gehen.

Von Mark Stöhr

Hanna ahnte schon, was ihr blühte: "Ich zerspringe innerlich, wenn ich daran denke, wie ich mich zum Affen mache." Genau so kam es. Ein Kleider-Discounter hatte zum Casting für einen Fernsehspot geladen. Die Aufgabe: den "Mops" anflirten. So wird Jury-Vize Kristian Schuller inzwischen von erfahrenen "GNTM"-Guckerinnen genannt. Hanna versuchte es erst schüchtern, mit einem leichten Augenaufschlag. Schuller schnupperte. Sie ließ ihre Hüften kreisen. Schuller schnüffelte. Sie drückte ihre Brust heraus. Schuller hechelte. Schließlich warf sie sich in eine Porno-Pose und Schuller hob das Bein: "Du hast einen guten Ansatz", sagte er. Und Hanna hatte den Job. Willkommen im Business.

Den Kandidatinnen blieb auch in der sechsten Folge nichts erspart. Ein Designer ("Q": "Michael Kors ist absolute Champions League!") kaufte sich mit einem Shopping-Gutschein frei, damit ihm keines der Girls seine Show bei der New York Fashion Week versaute. Luisa bekam einen Riesen-Rüffel, weil sie bei einem Casting ihr Modelbuch vergessen hatte, und war schwer zerknirscht ("Das ist, wie wenn man den Klempner bestellt, und er hat kein Werkzeug dabei"). Und das Wetter in New York war so schlecht für die Frisur, dass nur ein sofortiger Umzug nach Los Angeles infrage kam. Doch dort nahm das Unheil erst richtig seinen Lauf.

"Hanna muss immer erst mal heulen"

Heidi Klum hatte erst kürzlich wieder einmal mit einem US-Magazin über ihr Sexleben mit Seal geplaudert, das wohl recht wild und ausschweifend sein soll. An diesen Erfahrungen wollte sie nun auch ihre "Mädchen" teilhaben lassen und hatte gleich den passenden Lehrsatz parat: "Erst intim miteinander sein und dann ein bisschen sportlich werden." Als Versuchsperson präsentierte sie einen durchtrainierten Beau, wie ihn sich Lieschen Müller ins Poesiealbum malt. An ihm sollten die Klum-Schülerinnen beim "Male Model Shooting" üben. Um es vorwegzunehmen: Der Mann war nicht zu beneiden.

Neele spielte Pferdchen, sie als Reiterin, er als Tier. Laura hing an seinem Körper wie ein Koala-Baby an seiner Mutter. Miriam machte aus dem Fototermin wieder eine Artistinnen-Nummer und schnürte dem "Schnuckihasi" mit ihren Beinen fast die Luft ab. Kurz: Es war ein schauriges Gezerre und Geziehe, wie man es fast nur vom Wrestling kennt.

Nur Hanna machte: nichts. Sie dachte an ihren Freund zuhause, der vor Eifersucht in die Fernbedienung beißt. "Ich kann das nicht", sagte sie, und ließ die Tränen laufen. Bekanntermaßen nicht zum ersten Mal. Ihre Erotiklehrerin Klum erstellte zunächst eine messerscharfe psychologische Expertise ("Drama ist ihr Ding, Hanna muss immer erst mal heulen") und holte dann den pädagogischen Hammer raus: "Als Model darf man keine Berührungsängste haben. Man kreiert für fünfzehn Minuten eine Scheinwelt." Allein, es half nichts. Hannas Sein war stärker als der Schein. Eigentlich eine gute Nachricht.

Luisa verliert die Nerven

Denn die Kandidatinnen wurden auch gestern wieder in einen Existenz-Simulator geschickt, von dem sie sich nach dem Ende der Show nur schwer erholen werden. Darin wird ihnen eine Als-ob-Welt vorgegaukelt, wo man eben mal mit dem Flieger vom Big Apple nach Beverly Hills jettet, sich in einer Edel-Boutique für 2000 Dollar mit neuen Anziehsachen und Accessoires eindeckt oder mit dem "Supermodel" Tyson Beckford Hand in Hand über den Catwalk schlendert. Da verliert man schon einmal die Nerven. Wie Luisa, die Kinderpflegerin aus Lünen.

Die nahm das Offenheits-Credo ihrer Chefin wörtlich und verwandelte das "Male Model Shooting" in einen veritablen Sexdreh. Völlig von Sinnen verkrallte sie sich in ihren Partner und riss ihm sein knappes Höschen beinahe in Fetzen. Die Show hatte Luisa ihre Kategorien verdreht von dem, was geht, und dem, was zu weit geht. Die Jury zog die Reißleine und schickte die 18-Jährige nach Hause.

Dort kann sie sich nun vor dem Fernseher ihre Ex-Kolleginnen im Simulator ansehen. Wie Hannas Freund. Auf den warten schwere Zeiten. Der "Mops" hat seit gestern die Fährte aufgenommen.