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"Germany's next Topmodel": Wenn der Walk nach home geht

Machen Castings doof? Auf jeden Fall bleibt neben "Germany's next Topmodel" keine Zeit zum Lernen. Eine Kandidatin wurde jetzt zurück in die Schule geschickt. Aber das erste Casting auf Englisch zeigt: Eigentlich wären mehrere von Heidis Mädchen dort besser aufgehoben als auf dem Laufsteg.

Von Katharina Miklis

Koks, Knast, Hartz-IV - die Zutaten fürs Quotenrezept. Zumindest bei "Deutschland sucht den Superstar". Bei der RTL-Castingshow zählen Skandale und Schicksale schon lange mehr als eine gute Stimme. Bei ProSieben geht es nicht so hart zur Sache. Noch nicht. Aber da die Quote von Heidi Klums Modelsuche "Germany's next Topmodel" stetig sinkt, wird man sich wohl auch bei ProSieben gefreut haben, wenigstens ein Skandälchen aufweisen zu können: eine Schulschwänzerin.

Aline hätte es weit bringen können. Zumindest war Heidi Klum ganz begeistert von der 16-Jährigen. Trotz Zahnspange. Wenig begeistert war die Schulleitung von Alines Gymnasium in Köln. Statt auf dem Laufsteg wollten sie die Minderjährige wieder auf der Schulbank sehen, wo sie wegen der Sendung einige Male unentschuldigt gefehlt hatte. Während es für 17 Modelaspirantinnen in der vierten Folge der Castingshow also nach Kapstadt ging, blieb Aline in Köln.

Und tschüss

Wie wichtig Schulbildung auch für ein Topmodel sein kann, erfahren die übrigen Mädchen bei ihrem ersten Casting in Afrika. Der südafrikanische Designer Malick und Modeunternehmer Axel Bree wollen sich für eine Modenschau an Heidis Model-Fundus bedienen. Das Casting findet jedoch auf Englisch statt, was für einige der Teenager so aussichtslos scheint wie eine Konversation auf Suaheli. Heidis Tipp aus dem Off: "Englisch ist eine Weltsprache. Ohne Englisch geht gar nichts." Für Kandidatin Lena ist die Sprache in der Schule eigentlich kein Problem. "Nur richtiges Englisch ist nicht so leicht." Das Casting fällt für sie kurz aus. Designer: "Do you understand me?" Lena: "Nicht so." Und tschüss.

Am Ende dürfen trotz Fremdsprachenschwäche vier der jungen Damen in Herrn Brees Show laufen. Juror Q ist völlig aus dem Häuschen: "Wie cool ist das denn? Wie ein Ritterschlag von der Queen Elizabeth!" In welcher Welt dieser Mann lebt, erschließt sich auch in der vierten Folge der ProSieben-Show nicht.

Die Tränen werden abgepudert

Wenn's mit dem Sprechen nicht klappt, dann vielleicht mit dem Posing. Erstes Shooting in Afrika. Die Mädels müssen Muckies zeigen. Sie sollen am Strand in Turnringen hängen oder auf Schaukeln balancieren. Fotograf und Juror Kristian Schuller spricht gerne von dem "Entwicklungspotenzial", das er bei seinen Mädchen sucht. Heute will er zudem, dass die "Mädchen ästhetisch, poetisch und wie ein kleiner Traum aussehen". Missverständnisse scheint es auch auf Deutsch zu geben. Viele Posen der Mädels sehen aus wie ein kleiner Albtraum.

Immerhin: Das Entwicklungspotenzial von Hannas Tränendrüsen steigt von Folge zu Folge. Auch beim kräftezehrenden Shooting an den Turnringen verflüssigt sich der Schmerz auf den hübschen Wangen der 16-Jährigen. Fotograf Schuller ist genervt: "Der Schmerz wird vergehen, das Foto bleibt." Die Tränen werden abgepudert. Weiter geht's.

Das Rausschmeißen übernimmt die Chefin

Vier "Topmodels", die diese Schmerzen schon hinter sich haben und offenbar genügend Entwicklungspotenzial gezeigt haben, sind die Gewinnerinnen der bisherigen Staffeln von "GNTM". Lena, Barbara, Jenny und Sara kommen auch in Kapstadt vorbei, um den neuen Kandidatinnen ein paar Tipps zu geben. Der wichtigste lautet: habt Spaß. Das ist so abgedroschen wie die ganze Sendung. Viel mehr haben sich die Möchtegern- und die "Topmodels" nicht zu sagen.

Von Kapstadt geht's weiter nach New York und stimmt, da war ja was: Nach eineinhalb Stunden ermüdender Modelsuche auf ProSieben stößt tatsächlich auch noch Heidi Klum zu den Kandidatinnen. Immerhin: Das Rausschmeißen übernimmt die Chefin noch persönlich. Nächstes Mal geht's auf die New Yorker Fashion Week, da kann Heidi keinen unkontrollierbaren Hühnerhaufen gebrauchen. Ein paar Mädels müssen nach Hause flattern. Mehr "Elan und Schmackes" fordert sie von ihren Mädchen. Wäre schön, wenn sie diesen Anspruch auch an ihre eigene Show hätte.

Lena, die schon beim Casting auf Englisch so versagt hat, darf noch einmal zeigen, was sie kann. Was sie beim Catwalktraining gelernt hat, will Heidi auf Englisch wissen. Lena beweist, dass sie zwar bei Bruce Darnell genau zugehört hat, nicht aber im Englischunterricht: "We must den eigenen Walk finden". Vielleicht ist Lena wie Zahnspangenträgerin Aline auf der Schulbank besser aufgehoben als auf den Laufstegen dieser Welt. Ihr Walk geht nach home.