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"Germany's next Topmodel" Heidis Hüpfburg - einfach zum Heulen


Hopsen für die Haute Couture und viel heulen: Heidi Klum mischte ihre Reisegruppe noch einmal richtig auf, bevor es nach Kapstadt geht. Ein Möchtegern-Model wusste nicht mehr, wo es war, ein Juror wusste nicht mehr, was er sprach - und zwei Kandidatinnen sind ohnehin viel zu schade für den Tussen-Zirkus.
Von Mark Stöhr

Manchmal ist alles ein bisschen viel für so ein frisch frisiertes Köpfchen. Erst mopsen sie einem das Handy, weil das gut für die Konzentration sein soll. Wie aber soll man sich konzentrieren, wenn man nicht mit seiner besten Freundin "gruscheln" kann? Dann schicken sie einen zu einem Fototermin, bei dem sich der Boden bewegt. Lena ist fertig mit der Welt. Kinn hoch, cool gucken, nicht smilen, doch smilen, cooler gucken, Kinn runter. Da klebt einem schon einmal der Pony an den Schläfen fest. "Wie nennt sich die Platte, die sich dreht?", fragt die 17-Jährige. "Drehplatte?" Knapp daneben. Vielleicht Schallplatte oder Festplatte oder Kalbsplatte? Auch nicht. Sie heißt: Gepäckband. Darauf werden die Koffer transportiert - für die Reise ins Jetset-Leben oder zurück zur Jet-Tankstelle hinterm Tresen.

Klum-Karawane macht Flughafen unsicher

In der dritten Folge von "Germany's Next Topmodel" wurde die Klum-Karawane noch einmal kräftig ausgemistet. 26 Paar Pumps sind zu viel für den Flieger nach Kapstadt, also wurden 18 draus gemacht. Mit allen Mitteln. Der Parcours ließ auch dieses Mal keine Peinlichkeit aus. Erst die Modegeschäfte im Münchener Flughafen leer hamstern, sich um die besten Stücke streiten, losheulen, wenig anhaben, sich bei Minusgraden auf dem Laufsteg eine Lungenentzündung holen und ahnungslose Fluggäste verschrecken. Danach beim Shooting in der Gepäckabfertigung noch weniger anhaben, einen übergewichtigen Starfotografen anschmachten, wie eine Debile auf dem Laufband rumhüpfen, sich dabei alle Haxen brechen und wieder losheulen. Und das alles, um sich am Ende von Klum und Konsorten die Ohren langziehen zu lassen. Wer im Angesicht dieser Show noch von einer Karriere als Topmodel träumt, kann nicht ganz dicht sein.

Doch viele Zuseherinnen wollen genau das. Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass 76 Prozent der Neun- bis 19-Jährigen von dem TV-Spektakel Notiz nehmen. Über die Hälfte der noch ganz Jungen kann sich vorstellen, später einmal selbst ins Modelgeschäft einzusteigen. Welche Konsequenzen das für das Selbstbild hat, wie groß der Druck ist, komplett überzogene Schönheitsideale zu erfüllen, will man sich gar nicht ausmalen. Die Aufpäppelungs-Kliniken und Waxing-Studios können sich schon einmal zusätzliches Personal suchen.

Eltern, schützt eure Töchter!

Jury-Vize Kristian Schuller, der eloquente Schmierlappen mit dem Einstecktuch, sieht das naturgemäß positiv. Für ihn ist die neue Generation der Laufsteg-Aspirantinnen geradezu ein Geschenk. In einem langen Plädoyer feierte er sie als Protoypen, die das Modelsein schon von Kindesbeinen an verinnerlicht hätten - dank einer gezielten Medienerziehung. "Die Mädchen heutzutage vermitteln die Attitude", sagte er im kaputten Modesprech, "dass sie es gar nicht wollen, dass sie überhaupt nicht interessiert sind und das, was sie hier machen, eh schon jeden Tag tun. Sie sind unglaublich lässig, ganz selbstverständlich. Das macht sie so sexy, so begehrenswert." Abgewichster und abgeschmackter geht es kaum. Man möchte ausrufen: Eltern, schützt eure Töchter vor solchen Typen!

Vor allem zwei Kandidatinnen würde man intelligentere Mentoren und eine seriösere Umgebung wünschen: Hanna und Miriam. Die eine, Hanna, 18, bildhübsch und hochsensibel, wirkt wie eine einsame Mohnblume auf einem Feld von Genkartoffeln und hat einen Weinkrampf nach dem nächsten. Die andere, Miriam, 22, gelernte Stuntfrau, sehr tough, aber nicht weniger nett, fühlt sich in der Tussi-Parade ohnehin fehl am Platz. Das gibt sie auch unumwunden zu. Sie halte nicht viel von dem ganzen "Weiberkram", Stylen und Schminken und Smilen. "Ich fahre lieber Motorrad, als dass ich Frauenzeitschriften lese." Heidi Klums Miene wurde eisig. Miriam war auch die einzige, die auf dem Gepäckband nicht wie ein vergessener Koffer aussah. Sie konnte gar nicht genug davon bekommen: "Geht das vielleicht noch ein bisschen schneller?"


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