HOME

Stern Logo Germany's Next Topmodel

"Germany's Next Topmodel": Heidi und die Russin mit dem Chichi-Ding

Ring frei für den berühmtesten Laufsteg im deutschen TV: Heidi Klum sucht zum fünften Mal die Schönste im Land. Die Juroren sind neu, die Kriterien alt: Dünn sollen die Auserwählten sein und nicht ganz doof. Die neue Zicke ist eine Russin mit "Chichi-Ding".

Von Mark Stöhr

Die Möchtegern-Models sind zurück - jetzt extra dünn und extra groß. Fast 2000 Bewerberinnen kreischten sich beim offenen Casting in Köln die Kehlen wund. "Heidi! Heidi!" Die Bergisch Gladbacherin ist ihre Lichtgestalt. Sie soll sie im internationalen Jetset unterbringen. In Mailand, Paris und New York. Oder in einer Burger-Werbung. Oder bei einem Billig-Label. Oder wenigstens an der Seite eines Jungproduzenten.

Die vier bisherigen Topmodels-Gewinnerinnen haben es vorgemacht. Die Show führte sie ins Entertainment und in den Boulevard. Für die Haute Couture waren ihre Stöckelschuhe zu niedrig. Das soll diesmal anders werden, wird kolportiert. Maximal Kleidergröße 32 statt Speckröllchen, 180 Zentimeter Minimum statt Lieschen-Müller-Normalmaß. Ein Wettbewerb der Hungerhaken mit den erprobten Soap-Einsprengseln, damit auch jemand zusieht.

Superniedlicher Modeberater und selbstverliebter Starfotograf

Dafür hat Heidi Klum ihre Jury ausgetauscht. Der onkelhafte Rolf Scheider wurde ebenso in die Fernsehrente geschickt wie Peyman Amin, der philosophierende Fitnesscoach. Beim Start der fünften "GNTM"-Staffel gestern Abend präsentierte die Jurypräsidentin ihre neuen Kollegen. Den 27-Jährigen Deutsch-Marokkaner Qualid "Q" Ladraa zur Linken, "supersüß und superniedlich" (Klum), und Kristian Schuller zur Rechten. Der ist das genaue Gegenteil.

Ladraa war bis vor kurzem Marketing-Chef von "Ed Hardy"-Macher Christian Audigier und kennt in Hollywood und Umgebung scheinbar Hinz und Kunz. Er ist der künftige Knuddelbär für die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen, könnte aber auch Madonna gefallen. Schuller hatte schon in der letzten Staffel einige denkwürdige Auftritte als kreuzdämlich daherparlierender Starfotograf und wird eher die Rolle des Fieslings einnehmen. Er verwechselt ein Fotoshooting gerne mit einer Weinprobe. Gestern sagte er zu einer Kandidatin: "Bei dir ist das Schlanke kombiniert mit dem Drahtigen. Das darf nicht im Power-Posing enden." Schullers größtes Berufsrisiko in der Show ist, dass er sich für intelligent hält. Heidi Klum, die bloß schlau ist, sieht ihre Hoheit rasch bedroht. Schuller muss ab und zu etwas Banales sagen, sonst ist er seinen Job bald wieder los.

Menschenzoo mit Essgestörten

Das frisch zusammen gewürfelte Trio veranstaltete im Kölner Palladium eine Art Viehauktion, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie die Züchter saßen die Drei an der Stirnseite eines Laufstegs und drückten jedes Mal auf einen Buzzer, wenn eine Dame mit angeblichem Potential vorbeistöckelte. Essgestörte zumeist, die sich in der U-Bahn ducken müssen. Manchmal drückten sie auch, wenn die Bewerberin die Kriterien genau nicht erfüllte - nach dem vermaledeiten Prinzip Menschenzoo also, das die Konkurrenz von RTL gesellschaftsfähig gemacht hat. Eine Österreicherin wurde gestoppt, die sich fast nackt präsentierte und behauptete, sie habe einen Miss-Bikini-Contest gewonnen. Eine glatte Lüge, wie sich herausstellte. Eine etwas Moppeligere, ganz und gar Verschüchterte gestand, dass sie nur ihrer Freundin zuliebe angetreten sei, weil die sich allein nicht getraut habe. Eine andere sagte: "Heidi ist im Naturell einfach Bombe." Es half ihr nicht, weiter zu kommen.

"Wir haben keine festen Vorstellungen, sondern schauen, wer zum Casting kommt", behauptete die Klum und wurde nicht einmal rot dabei. "Man kann nicht sagen: Dieses Jahr suchen wir eine Blondine mit braunen Augen oder eine Dunkelhaarige mit Locken und blauen Augen." Die Dürren mit Po, Busen und Schmolllippe sind auf jeden Fall im Vorteil. Wer nicht den Idealmaßen entspricht, muss eine ausgewachsene Profilneurose und ein hohes Maß an Zickigkeit mitbringen, um den Episoden den nötigen Zunder zu geben.

Anna ist so eine, eine gebürtige Russin, die "Miss Russia 2009" war und ihre Schärpe stolz übers Parkett trug. Sie ist die verhasste Diva unter den 64 Auserwählten, die das Massencasting überstanden, bis zum Haaransatz zugekleistert und äußerst siegesgewiss. Sie hat kein Model-Potential, taugt aber als Soapdarstellerin. Schuller gab gestern schon einmal eine Kostprobe davon ab, wie die Jury mit der 24-Jährigen in den kommenden Folgen zu verfahren gedenkt: "Du hast dieses überzogene Chichi-Ding und siehst aus wie 40." Anna bekam Make-up-Verbot und fühlte sich scheußlich.

Als ihre Gegenspielerin wurde Miriam inszeniert. Sie ist die Natürliche, unprätentiös im Auftreten und ohne Beautycase unterwegs. Schuller bescheinigte ihr die "Geschmeidigkeit einer Raubkatze". Miriam arbeitete bisher als Stunt-Modell - und wird das auch weiterhin tun, wenn sie spätestens in der Mitte der Staffel ihren Hut nehmen muss. Ihre Beine sind lang, aber längst nicht lang genug.