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TV-Tipp 17.11.: "Gosford Park": Hercule Poirot in Downton Abbey

Regie-Großmeister Robert Altman führt die Zuschauer auf einen englischen Landsitz in den 30er Jahren: Oben sitzt die dekadente Adelsgesellschaft, unten hausen die Diensboten. Dann geschieht ein Mord.

"Gosford Park"
23.40 Uhr, MDR
KRIMI Seit ein paar Jahren erfreut sich die britische Serie "Downton Abbey" auch hierzulande großer Beliebtheit. Es ist eine Zeitreise in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts, als die britische Klassengesellschaft noch fest zementiert war, die Menschen Stil und Geschmack hatten und man noch wusste, was Anstand und Sitte ist. Zumindest wirkt es im romantisch-verklärten Rückblick so.

"Gosford Park" ist da ganz ähnlich: Der Film des 2006 verstorbenen Regie-Großmeisters Robert Altman spielt im Jahr 1932 auf einem englischen Landsitz. Wie die Serie spielt auch dieser Film auf zwei Ebenen: In den oberen Geschossen residieren die Adeligen, die auf Einladung von Sir William McCordle (Michael Gambon) und seiner jungen Frau Lady Silvia (Kristin Scott Thomas) gekommen sind, die unteren Geschosse bewohnt das Dienstpersonal, beaufsichtigt von der Resoluten Mrs Wilson (Helen Mirren).

Der Film zeichnet ein saftig-opulentes Sittengemälde beider Schichten, in der jeder schmutzige Geheimnisse, Affären, Geldnöte oder andere Probleme hat. Die Dialoge sind so rasant und spritzig, dass sie allein den 137 Minuten langen Film tragen würden, eine Handlung bräuchte man eigentlich gar nicht. Doch dann geschieht ein Mord - und plötzlich verwandelt sich die unterhaltsame Gesellschaftssatire in einen Krimi. Denn von Außen dringt Inspektor Thompson in diese hermetische Runde, der - durchaus beabsichtigt - Züge von Agatha Christies Meisterdetektiv Hercule Poirot trägt. Stephen Fry verkörpert diesen tapsigen Ermittler mit jedem Gramm seines Körpers - es ist eine wahre Wonne, ihm beim Spiel zuzuschauen. Auch in den weiteren Rollen sind nur Profis am Werk: Ryan Phillippe, Kelly Macdonald, Clive Owen und Emily Watson, um nur einige wenige zu nennen. Robert Altman macht hier seinem Ruf als Meister des Ensemble-Films alle Ehre, der wie kein Zweiter eine Riege von Topstars zu orchestrieren weiß.

Dass Altmans Film so an "Downton Abbey" erinnert, ist kein Zufall: Das Oscar-gekrönte Drehbuch verfasste kein Geringerer als Julian Fellowes, der Erfinder der Serie. Und noch eine Personalie dürfte die Serien-Fans aufhorchen lassen: Die exzentrische Gräfin von Trentham, die heimliche Hauptperson des Films, wird gespielt von der wunderbaren Maggie Smith.

Ein TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Kulturredakteur