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"Gülcans Traumhochzeit": Perfekt inszenierte Geschmacklosigkeit

Gestern Abend gaben sich Mediengulli Gülcan Karahanci und der Millionärsbubi Sebastian Kamps live auf ProSieben das Jawort. Was vor zwei Jahren als Liebesgeschichte begann, endete in einer peinlichen Inszenierung ohne Sinn und Stil.

Eine Kritik von Katharina Miklis

Die Voraussetzungen für eine märchenhafte Traumhochzeit waren gegeben. Blutrot versinkt die Sonne am Horizont von Travemünde. Das Strandhotel an der Ostsee bietet eine traumhafte Kulisse, wie sie nicht romantischer hätte sein können. Doch dann geht sie los, die große Show. Der Sonnenuntergang, das Meer, die laue Sommerbrise... All das hat keine Chance gegen das, was jetzt kommt. Es ist die perfekt inszenierte Erbärmlichkeit.

Auftritt eines Proleten

Ein prolliges Knattern schreckt die Möwen am Ostseestrand auf. Als erstes fährt der Bräutigam vor - der "Traumprinz", wie Gülcan ihren Zukünftigen mädchenhaft nennt. Für diesen Anlass hat sich Bäcker-Erbe Sebastian Kamps einen Lamborghini ausgesucht - immerhin zu Autos hat Kamps junior eine eigene Meinung. Er steigt aus, zupft sich nervös den schicken Anzug zurecht. Die Haare hat sich der millionenschwere Schmierlappen gründlich nach hinten gegelt - der perfekte Proleten-Auftritt. Unsicher steuert er den Moderator Steven Gätjen an. Und tatsächlich: Er zeigt Gefühle! Bei Sebastian Kamps fällt das allerdings etwas anders aus, als bei anderen Menschen. "Mir geht der Arsch echt auf Grundeis", sind die ersten Worte, die man von dem künftigen Ehemann hört. Zu einer Sendezeit, in der vor allem Teenies vor der Glotze hängen, gesteht er ungeniert, dass er schon einen gekippt hat, bevor er in die Luxus-Karre gestiegen ist. Er macht sich halt nicht viele Gedanken. So kennt man ihn - dumm wie Brot.

Wer jetzt ein paar rührende Worte erwartet, die wenigstens in der letzten Folge von "Gülcans Traumhochzeit" einen Ansatz von Romantik oder gar Intelligenz erkennen lassen könnten, wird enttäuscht. Keine Schwärmereien für die Braut. Lediglich abwertende Worte für den Schlitten: "Viel zu eng und unbequem", motzt er und lässt sich von seinem Trauzeugen in den Saal führen.

Transvestit in Reizwäsche

Aus der Ferne hört man bereits die Hufen der Pferde klackern, die Gülcan in einer Prinzessinnenkutsche zur Location ziehen. Bis man einen Blick auf die Braut erhaschen kann, vergehen allerdings einige Werbepausen, die das letzte Fünkchen Romantik zerstören. Und dann kommt sie. Die Fans, die sich vor dem Hotel versammelt haben, kreischen. Überhaupt erinnert die ganze Szenerie eher an einen Teenie-Musik-Event wie "The Dome". Am roten Teppich drängen sich die Schaulustigen, wie es auch beim Einzug in das Big-Brother-Haus der Fall ist. Dass in dem Fünfsternehaus, dem "Columbia Hotel Casino", nicht der Bravo-Otto sondern eine Eheschließung stattfindet, lässt sich bislang nur vermuten. Und dann steigt Gülcan aus der Kutsche. Es ist, als würde die Welt für einen Moment den Atem anhalten: dieses Kleid!

Was hat man nicht gerätselt und gemutmaßt in den letzten Wochen. Was man jetzt zu sehen bekommt, übertrifft alle Befürchtungen und zeigen einmal mehr, dass Gülcan weder Stil noch Geschmack hat. 8000 Euro hat sie in dieses "Kleid" gesteckt, an dem 60 Stunden herumgeschneidert wurde. 2000 Swarovski-Kristalle wurden verarbeitet. Letztendlich lässt sich dieser Fummel aber nur als "BH mit Rock" bezeichnen. Dieses Outfit hätte sie in der Wäscheabteilung von C&A billiger bekommen können. Und "billig" ist genau das richtige Stichwort. Lediglich die lange Schleppe lässt vermuten, dass die Braut auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit ist. Das Transvestiten-Make-up nimmt der zierlichen "Moderatorin" das letzte bisschen Natürlichkeit.

Die Zeremonie ist ein einziger Albtraum

Immerhin Papa Karahanci zeigt sich gerührt und verdrückt die eine oder andere Träne. Grund für seinen Gefühlsausbruch ist wahrscheinlich die erschreckende Erkenntnis, dass seine jüngste Tochter gleich in Unterwäsche vor den Traualtar tritt. "Mann Papi, du bist ja richtig sexy", lobt Gülcan. Papa Karahanci lächelt gequält.

Die Zeremonie ist ein Desaster: Gülcan und der Millionärsbubi hibbeln vor dem Altar herum wie Grundschüler in den letzten Unterrichtsminuten vor den Sommerferien. Selbst hier kann die 24-Jährige nicht die Klappe halten und brabbelt vor sich hin. Dass der Bräutigam seine Hände nicht wie sonst in den Hosentaschen lässt, ist ihm hoch anzurechnen. Der Standesbeamte faselt irgendwas von Liebe und zitiert Roger Cicero. Keiner hört hin. Dann tritt der Trauzeuge an den Altar und hält eine völlig unangemessene Rede. Es geht darum, dass der zukünftige Ehemann viel Bier und vor allem seine Ruhe braucht. Wie romantisch!

Für Lacher sorgt Gülcan, als der Standesbeamte sie mit "Frau Kamps" anspricht. "Ach ja!!!", schreit sie schrill und fasst sich an den Kopf, als würde ihr zum ersten Mal bewusst, dass sie ja nun eine Kamps ist. Der Bräutigam will einfach nur weg und macht den Eindruck, als hätte er heute Abend noch was Wichtiges vor. Vielleicht muss er noch den Wagen pünktlich zurückbringen ...

Scooter spielen den "Hochzeitswalzer"

Nach der Trauung geht es hinaus auf die Terrasse, wo der Höhepunkt wartet. Keine geringere als die Techno-Band Scooter bringt dem frisch vermählten Brautpaar ein Hochzeitsständchen. Spätestens jetzt stehen den Gästen die Tränen in den Augen. Wie kann man eine Hochzeit derart lächerlich machen?

Später wird dann noch die Hochzeitstorte angeschnitten. Gülcan hält die Hand obenauf - es war nicht anders zu erwarten. Den Ehemann stört es nicht. Er merkt es noch nicht einmal.

Unter den Gästen tummeln sich Lucy von den No Angels, Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi oder auch Kai Ebel. Freundin Collien Fernandes hat kurzfristig abgesagt. Auch Vater Kamps bekommt man nicht zu Gesicht. Aber der hatte ja schon vorab gesagt, was er von dieser Medieninszenierung hält. Laut "Bild am Sonntag" findet er sie "unerträglich und peinlich".

Es fehlt einfach an allem, was eine romantische Hochzeit braucht. Vor allem an Stil und Wärme. Gülcans letzten Worte nach dem zweistündigen TV-Desaster: "Sebastian und ich werden jetzt den Rest unseres Lebens ein schönes Bild abgeben". Wie Recht sie hat. Ein schönes Bild - nicht mehr und nicht weniger.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo