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Kühn kuckt - die TV-Kolumne: Gülcan und die Plappertanten

Auf Gülcan rumhacken - das ist seit ihrer Hochzeit der neue Volkssport. Wie ungerecht! Steht sie doch in einer Reihe mit den großen Frauengestalten des deutschen Entertainments: Heidi Kabel und Inge Meysel. Eine Genealogie von stern-Redakteur Alexander Kühn.

Total angesagt zurzeit: auf Gülcan rumhacken. Und das nur, weil sie über Wochen hinweg auf ProSieben den schönsten Tag zumindest ihres Lebens vorbereitete - die Hochzeit mit dem Millionen-Erben Sebastian Kamps. Die Trauung in Travemünde mit Trara und Hubschrauberflug und eingekauften Gästen wurde von der Allgemeinheit als ziemliche Peinlichkeit empfunden. Gülcan, was immer sie tat, plapperte, plapperte, plapperte. Und jeder Mann war froh, so eine nicht zuhause sitzen zu haben.

Blaupause der Nervfrauen war Grethe Weiser

Selbstverständlich ist Gülcan eine Kunstfigur. Gülcan Karahanci spielt Gülcan Knalltüte, Gülcan Quälgeist, Gülcan Nervensäge. Die nachgeborenen Fernsehhistoriker werden sie richtig einzuordnen wissen. Sie werden sie in eine Reihe stellen mit den großen Frauengestalten des deutschen Entertainments. Mit jenen, die in ihren Rollen, manchmal auch im Leben, nie den Mund halten konnten; die nie wussten, wann es gut ist.

Die Blaupause der Nervfrauen war Grethe Weiser, der ging das Mundwerk ratta-tatta-tatta-tam. Berliner Schnauze. Der Erfolg kam, klar, mit dem Tonfilm, "Meine Freundin Barbara", "Die göttliche Jette", "Die Kaiserin von China". Warmherzig, schlagfertig, unverwüstlich, so schwatze die Weiser sich durch die 30er, 40er und 50er. War freches Dienstmädchen, durchgeknallte Tante, zänkische Schwiegermutter.

Als sie 1970 starb, hatte sie bereits eine würdige Nachfolgerin gefunden, nicht im Film, sondern im Fernsehen: Gisela Schlüter, die es auf 482 Silben pro Minute brachte und das in einer äußerst unangenehmen Quäktonlage. Lady Schnatterly war ihr Ehrentitel, "Schnattern gehört zum Handwerk" heißt ein Buch von ihr, ein anderes "Lassen Sie mich auch mal zu Wort kommen". Sie quasselte und quasselte. Von 1963 bis 1982 in ihrer, heute würde man sagen: Comedy-Show, "Zwischenmahlzeit". Ansonsten in allen Shows von ARD und ZDF, sie quatschte Peter Alexander nieder und Vico Torriani und Paul Kuhn.

Gülcan entwickelt die Figur der Hausfrau konsequent weiter

Auch Heidi Kabel snakte und snakte in ihren Rollen, im Unterschied zur Schlüter aber arbeitete sie dabei. Mit Kopftuch und Kittelschürze schrubbte sie sich jahrzehntelang über die Bühne des Hamburger Ohnsorg-Theaters. Sie gab den Putzteufel, den Drachen, die abgearbeitete Hausfrau, die tüttelige Alte - mit Witz und Menschenkenntnis. Legende: ihre klatschsüchtige Nachbarin in "Tratsch im Treppenhaus". Als die Kabel 85 wurde, fuhr man sie in einer Kutsche durch Hamburg, und das Volk jubelte ihr zu wie einer Königin.

Inge Meysel spielte die Luxusversion einer Reinigungskraft: Ada Harris, die Londoner Putzfrau, die nach Moskau reist und nach Monte Carlo und deren größter Wunsch ein Kleid von Dior ist. Und sie war bei aller Kratzbürstigkeit die Mutter schlechthin, zu einer Zeit, als kein Mensch je von Marie-Luise Marjan gehört hatte. Mit ihrer wundgeschrienen Stimme, prinzipientreu und engagiert: als Portiersfrau im gern wiederholten Stück von Curth Flatow "Das Fenster zum Flur" und von 1965 an in der Reihe "Die Unverbesserlichen". Gülcan entwickelte die Figur der Hausfrau konsequent weiter. Reduzierte in ihrer Hochzeits-Soap den Hausputz aufs Tischwischen nach dem Frühstück. Holte den Klempner, wenn ein Wasserrohr gebrochen war. Kümmerte sich um ihren Schatz, als der im Krankenhaus lag. Und wenn Sebastian und seine Zeugungskraft mitspielen, wird sie uns ProSieben sicherlich weitere Soaps schenken: "Gülcans Traumschwangerschaft" und "Gülcans Traumniederkunft".

Gülcans Ghandische Gelassenheit

Nun mag der kritische Leser fragen: Wie aber steht es um Gülcans gemeinnütziges Engagement? Was die Kabel gern tat und was die Meysel zur Meisterschaft trieb, war das Sich-Einmischen. Heidi Kabel nahm Stellung zu gesellschaftlichen Fragen, in einem Interview mit der "Quick" wandte sie sich beispielsweise energisch dagegen, dass Sexualität eine Sache der Jungen sein sollte. Und Inge Meysel, die verklagte 1978 gemeinsam mit Alice Schwarzer, Margarete Mitscherlich und Luise Rinser den Stern wegen der "Darstellung der Frau als bloßes Sexualobjekt". Und wie sie in Talkshows drauflosbiesterte! Packte ihre Sterbepille aus, bekannte sich zur Frauenliebe. Gesicht zeigen! Gebiss zeigen!

Und Gülcan? Hat auf ihrer Internetseite die Rubrik "Charity-Engagement" eingerichtet, die davon kündet, dass sie 11.000 Euro gespendet hat für die Aktion "Brot gegen Not" und darüber hinaus die Bewegungs-Kampagne der Gesundheitsministerin unterstützt. Und beim großen Live-Earth-Konzert neulich in Hamburg, als es um die Rettung des Planeten ging, stand sie auch auf der Bühne. Noch bevor sie richtig losmoderierte, im Namen des Umweltschutzes, pfiff das Publikum sie nieder, aber wie. Böse Menschen sagen: Gülcan habe das in ihrer Beschränktheit als Zustimmung missgedeutet und deshalb umso fröhlicher weitergeredet. Wir sagen: Sie hat den Anfeindungen bewusst standgehalten, in Ghandischer Gelassenheit. Weil sie sich ihrer Bedeutung für die Gesellschaft bewusst ist. Zu ihrem 85. Geburtstag werden wir sie in einer Kutsche durch Deutschland fahren.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(