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"House of Cards III" in Deutsch: Komasaufen im Weißen Haus

Kaum im Oval Office angekommen, wandelt sich der schlimmste Intrigant des Kapitols zum besorgten Landesvater. Aber Putin, Wodka und ein Hurrikan heizen den US-Präsidenten ein.

Es wird eisig an Bord der Airforce One.

Es wird eisig an Bord der Airforce One.

Nun hat er es geschafft: In Staffel 3 der Kultserie "House of Cards" ist Frank Underwood endlich US-Präsident. Gewählt wurde er natürlich nicht - eine Intrige sägte seinen Freund, den Amtsinhaber, ab und hievte Stellvertreter Underwood ins Amt.

Wie das Weiße Haus Menschen verändert, so verändert es auch Serien. Bisher war Underwood immer der unterschätzte Underdog, ein Wadenbeißer, der vor allem den Dolchstoß in den Rücken seiner Freunde beherrschte und auch vor Mord nicht zurückschreckte. Nun ist er ganz oben, und Staffel III wird präsidialer und - zugeben - auch pastoraler. Underwood entdeckt auf einmal Ziele und Verantwortung, wo er vorher nur am eigenen Vorankommen interessiert war. Das geht so weit, dass er staunend vor den meditativen Werken buddhistischer Mönche verharrt.

Neue Freunde, alte Feinde

Spannend bleibt es dennoch, weil die Macher der Staffel den Salto zum staatstragenden Ton ganz gut hinbekommen und weil sich interessante neue Konstellationen anbahnen. Der Tonwechsel führt dazu, nicht immer die gleichen Muster der vorhergehenden Staffel wiederholen zu müssen. Mit seinem Biografen Thomas "Tom" Yates verbindet Underwood erstmals so etwas wie eine Freundschaft. Ein gefährlicher Luxus auf der Höhe der Macht. Dafür zeigen sich Risse in der bisher so unverbrüchlichen Ehe mit Claire, die sich zur eisernen Lady an Underwoods Seite mausert. Und vielleicht am Wichtigsten: Der Präsident lässt seinen allwissenden Majordomus Doug Stamper fallen. Nicht ahnend, auf welche Abwege er den obsessiven Gefährten damit bringt. Denn ganz darf das Böse aus der Serie nicht verschwinden, nur weil der Präsident zum Gutmenschen mutiert.

Putin als Party-Beast

Die Serie hält sich in der Weltpolitik nicht mit allzu engen Realitätsbezügen auf. Im Konflikt mit Russland tauchen - wie zu erwarten - Schwulenrechte und Pussy Riot auf. Der baumlange Lars Mikkelsen spielt den in Wirklichkeit eher kurz geratenen Putin als Lebemann, Wodkatrinker und Frauenheld. Der asketische Putin wird mit einem guten Schuss Boris Jelzin aufgepeppt.

Heute, am Freitag dem 13. März zeigt Sky die neuen Folgen immer freitags um 21.00 Uhr auf Sky Atlantic HD und auf Abruf über Sky Go und Sky Anytime. Erstmals kann man neben dem englischen Original auch die deutsche Fassung hören.

Gernot Kramper