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TV-Kritik

"Maischberger" über Diskriminierung: Bushido will keine "Rapperin" sein - und hat sogar eine Feministin auf seiner Seite

Sprache kann diskriminieren und Bad Boy Bushido soll einen Skandal liefern – macht er aber nicht. Stattdessen wird er von einer Feministin umgarnt, Peter Hahne besteht auf sein "Zigeunerschnitzel" und Sandra Maischberger stellt klar, wie sie auf keinen Fall genannt werden will.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Sandra maischberger - bushido - peter hahne

Diskutierten am Mittwochabend im Ersten (v.l.n.r.): Rapper Bushido, Schauspielerin Annabelle Mandeng , Gastgeberin Sandra Maischberger, Journalistin Teresa Bücker, Moderator Peter Hahne und Kabarettist Florian Schroeder 

Los, holen wir doch den "Bad Boy" in unsere Sendung, damit er uns in die Schlagzeilen bringt. Der kalkulierte Skandal - nicht gerade originell, was Sandra Maischbergers Redaktion sich da in ihren sensationsgierigen Hirnen ausgedacht hat. Und, Moment mal, beginnt damit nicht schon eine Diskriminierung? Bushido wird eingeladen, um in ein Stereotyp gepresst zu werden, es folgen Vorurteile, und hoffentlich verhält er sich dann - pardon - "arschlochmäßig" genug, damit sich alle in dem, was sie über ihn denken, bestätigt fühlen. Die beste Rache Bushidos war, seinen Talkshowauftritt eklatfrei durchzuziehen. Das, was gegen ihn vorgebracht wurde, war nichts Neues unter Sonne und Scheinwerfer. Und dass er so redet wie er redet, so redet er halt. Was seine Rap-Texte angeht, gab es ohnehin ein - überraschend - einstimmiges Urteil der anderen Talkgäste: kann er machen, ist Kunst. Sogar Feministin Teresa Bücker winkte - die Gäste staunten - den Rapper durch ihre sonst so rigide Sprachkontrolle. Bushido bekräftigte zusätzlich: "Alles komplett in Reimform, also passt's."

"Man wird ja wohl noch sagen dürfen! - Wie diskriminierend ist Sprache?" – so das Thema der Sendung. Bushido darf also mit Verweis auf die Kunstfreiheit über "Fotzen" rappen, Talkgast Peter Hahne will sich von der "Sprachpolizei" sein "Zigeunerschnitzel" nicht verbieten lassen, das sei doch "was Schönes", weil wohlschmeckend, und Frauenrechtlerin Marlies Krämer besteht darauf, in Formularen als "Kundin" angesprochen zu werden – und nicht als Kunde. Bushido hingegen will auf gar keinen Fall "Rapperin" genannt werden, Hahne wundert sich, dass von "Mörderinnen" nie die Rede sei, Bücker begehrt alsbald auf gegen das "Zigeunerschnitzel", das wiederum würde der Kabarettist Florian Schroeder nicht so hoch hängen wollen und verweist darauf, dass in der Sprache "alles, was mit Neger zu tun hat" problematischer sei. Maischberger spricht später diskret vom N-Wort, gleichwohl das Wort "Negerküsse" auf einer Hintergrundleinwand lange eingeblendet wird – zwar durchgestrichen, aber gut lesbar.

Bushido verweigert bei "Maischberger" einen Eklat

Wohin aber wollen Maischberger? Diskussionswütig und ohne irgendwohin zu steuern wirft sie alles in einen Talk-Topf: Political Correctness, gendergerechte Sprache, Grenzbereiche deutscher Alltagssprache, frauenverachtende Rap-Zeilen. Inklusive der Diskussion um den Antisemitismus in den Texten der "Battle-Rapper" Kollegah und Farid Bang. Dazu Bushido: "Man hätte ihnen auf keinen Fall eine Bühne bieten dürfen." Verdächtig seien ihm die Ausrichter des "Echo" sowieso, denn die hätten früher schon hinter den Kulissen "komische Sachen" gemacht. Bei "Neger" und "Auschwitz" sei ohnehin eine Grenze erreicht, weil kränkend und verletzend. "Darüber sollte man nachdenken", meint er fast schon im Pastorenton. Er, der dem Vorwurf des Antisemitismus und der Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit oft genug ausgesetzt war und ist. Nun aber ein Verfechter ethischer Standards: "Man muss nicht Kunst für alles benutzen, um auch dem letzten auf die Schnauze zu hauen dürfen." Die Kunstfreiheit, so Bushido, dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Statt Amen zu sagen, erinnert ihn Maischberger zwischendurch daran, eine - vielmehr seine - Frau geschlagen zu haben.

Ohne es selbst zu bemerken in all der babylonischen Gedankenverwirrung, will die Moderatorin plötzlich über Arzneimittel sprechen, vielmehr über deren wirkstoffgleiche und meist billigere Kopie, dem Generikum. Sie meint's aber nicht so, sondern hat eben mal ein Fremdwort falsch abgeleitet, um bei Frau Krämer mitzusprechen, die zugeschaltet ist und völlig verliebt in ihre eigenen Mantras wie "Ich werde nur noch das generische Femininum sprechen" und "Ich bin im generischen Maskulinum nicht drin, da komme da nicht vor". Ihre Schlussfolgerung: Frauen als "Mehrheit der Bevölkerung" - 52 Prozent - würden totgeschwiegen. "Mit der sprachlichen Ausgrenzung beginnt die patriarchale Ausbeutung von Frauen." Bushidos Analyse über Krämer: "Die Dame hat einfach Langeweile." Krämer kontert: "Ich kenne diese dummen Argumente." Ein Schlagabtausch, aber kein Eklat.

"Rap ist nicht für Frauenfeindlichkeit verantwortlich"

Vielleicht können ja andere "liefern". Schauspielerin Annabelle Mandeng spricht viel, sagt auch Kluges, aber mit ihr wird das sonst nichts. Hahne, immerhin, kann von dem "Zigeunerschnitzel" einfach nicht lassen. "Rassistisch", urteilt Feministin Bücker harsch. Hahne verwehrt sich dagegen, als Rassist bezeichnet zu werden. Bücker nennt ihn "trotziges Kind". Die vehemente Befürworterin, in Kinderbüchern Begriffe wie "Negerkönig" in "Südseekönig" umzubenennen, schlägt nur bei Bushido Kätzchenschnurren an: "Rap ist nicht für Frauenfeindlichkeit verantwortlich." Maischberger aber besteht darauf: "Ich möchte nicht Fotze genannt werden."