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"Menschen bei Maischberger": Zwischen Selbstdarstellung und sanfter Verblödung

Sandra Maischberger versucht, mit Uwe Ochsenknecht, Jürgen Fliege, Hella von Sinnen und Co. den tiefen Sinn von Astrologie oder Kartenlegen zu ergründen. Heraus kommen vor allem banalste Erkenntnisse.

Von Jan Zier

Hat Sie auch noch nie interessiert, welchen Aszendenten der Schauspieler Uwe Ochsenknecht hat? Dann sind sie hier völlig falsch. Abschalten, bitte! Doch das Sommerloch macht eben auch vor Talkshows nicht halt, schon gar nicht vor "Menschen bei Maischberger“ im Ersten. "Horoskope, Handlesen, Tarotkarten“ also ist ihr Thema, “Unsinn, der hilft?“ Ja. Und nein. Wie sollte es auch anders sein.

Immerhin erfahren wir bei der Gelegenheit, dass Sandra Maischberger Jungfrau ist, also ohnedies "eher kritisch“ gestimmt. Und Entertainerin Hella von Sinnen, die immer alle fragt, was für ein Sternzeichen sie denn sind, Wassermann. Sie ist, wie wir aus ihrem eigens erstellten Horoskop erfahren, hochintelligent, klug, scharfsinnig, aber auch pingelig und romantisch. Das hätten wir uns nie gedacht! "Sie sitzt alles aus“, sagt Mauretania Gregor weiter, die Astrologin, die früher Lehrerin für verhaltensgestörte Jugendliche war. Hella von Sinnen ist also ein bisschen wie Helmut Kohl - weil: "superstarker Saturn im Steinbock“, sagt Gregor weiter. Und sie ist - tatatata! - "eine absolute Selbstdarstellerin“.

Knieprobleme und große Veränderungen bei Ochsenknecht

Dieser Charakterzug immerhin macht die Sendung auch für jene etwas unterhaltsam, die dem Thema völlig gleichgültig gegenüberstehen. Man kann das Ganze ja immer noch als Kabarett ansehen! Ergänzt wird das um die Live-Show einer Kartenlegerin namens Sylvie Kollin, die sagt: "Man kann alles aus den Karten lesen“. Die annimmt, dass das Leben vom Schicksal vorgegeben ist. Und Uwe Ochsenknecht eine schöpferische Pause bis 2013, Knieprobleme in naher Zukunft und viele gelöste Probleme bis Weihnachten vorhersagt. Und "große Veränderungen“, weil: der Mann ist jetzt 56, also im Alter durch sieben teilbar, da wird alles anders, wie alle sieben Jahre – ein "Naturgesetz“, sagt die Kartenlegerin. "Man muss das Leben selber leben“, antwortet Ochsenknecht. Immerhin.

"Man kann durch so etwas über sich selbst klarer werden“, sagt Michael Schmidt-Salomon, gläubiger Atheist und Philosoph, eingeladen, um Sätze zu sagen wie: "Religion und Esoterik kann man kaum voneinander unterscheiden“. Und so seien Astrologie, Kartenlegen eben doch Unsinn, der helfen könne. Er spricht dennoch von "sanfter Verblödung“. Warnt vor rechter Esoterik. Und nennt Hella von Sinnens Faible für Sternzeichen eher eine "Marotte“.

"Man versucht, Ordnungen herauszukristallisieren"

Astrologie ist ein "Denkmodell“, sagt Gregor. "Der Einfluss der Planeten auf den Menschen ist minimal“, sagt Ulrich Walther, der Ex-Astronaut und Physiker mit einer Neigung zum Eklärbären, bevor er ein langes Referat über die Orphiker hält. Wer das war? Eine religiöse Strömung der griechischen Antike, bei der er den Ursprung aller Astrologie vermutet. "Religion gibt Halt“, sagt Walther, der den Menschen von Natur aus für "abergläubisch“ hält, aber eingesteht, aller Wissenschaftlichkeit zum Trotz, dass er "mehr über die Dinge nachgedacht“ hat, als er selbst aus dem All kam. "Man versucht, Ordnungen herauszukristallisieren“, sagt Pfarrer in Rente Jürgen Fliege, der gerne zwischen allen gegensätzlichen Welten vermitteln will, auch an diesem Abend. Und ob einer gewissen Nähe zu manch einer Esoterik von der "eigenen Familie“, wie er seine Kirche nennt, "ausgestoßen“ wurde.

"Gibt es Einflussspähren, die uns helfen, uns besser zu verstehen?“ fragt Fliege, ganz allumfassend. Wer kann dazu schon nein sagen. Religion wirkt, hilft und tröstet, sagt er dann noch, ganz am Ende. Und Esoterik eben auch.

Ach ja, und Uwe Ochsenknecht ist übrigens Skorpion im Aszendent.

Jan Zier