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Tag 1 "Promi Big Brother": Nichts passiert, aber davon besonders viel

"Promi Big Brother": Emmy Russ
"Promi Big Brother": Emmy Russ' Srategie ist durchschaubar
© SAT.1
Bikinistoff-Allergie und Mobbing-Beichte: Die achte Staffel von Promi-BB läuft erstmals drei Wochen – und die Bewohner folgen klassischen Mustern. Was alle allerdings besonders gut können: die Ereignislosigkeit zu zelebrieren.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Es gibt viele Gründe, Kinder zu kriegen. Bisher vernachlässigt ist ihre Funktion bei "Promi Big Brother". Denn die Kinder der Bewohner sind die heimlichen Sittenwächter im Hintergrund. "Mama, lauf nicht nackt durchs Bild", habe sie ihr Sohn ermahnt, erzählte Ex-Tennis-Profi Claudia Kohde-Kilsch. Szene-DJ Senay Gueler, nach eigenen Angaben "Vollblut-Papa", schlägt sich ohnehin schon so durchs Leben, "dass sich meine Kinder nicht für mich schämen." Am rotz-schamlosen Verhalten einer Emmy Russ, zuletzt zu sehen bei "Beauty & The Nerd", ist hingegen sehr schnell festzustellen: diese Frau, die jüngste unter allen Teilnehmern, hat keine Kinder.

"Promi Big Brother": Emmy Russ ist die plastikbrüstige Blondine

Von Anfang an geht die plastikbrüstige Blondine mit maximaler Affinität für Vokabeln aus den Themenbereichen Orgasmus und Exkremente ins Rennen. Das klingt nur deshalb so umständlich akademisch, weil die Autorin dieses Textes keine Lust hat, bei dem sofort durchschaubaren Spiel des TV-Sternchens mitzuspielen, das da lautet: Wenn ich nur oft genug die Igitt-Bäh-Schublade ziehe oder die Oh là là-obszöne, dann erziele ich übergebührende Aufmerksamkeit.

Über ihr Lebensziel macht die Bikinistoff-Allergikerin sowieso keinen Hehl: "Am liebsten soll die ganze Stadt mich erkennen, mir hinterherrennen, Fotos von mir machen. Das ist das, was ich will." Ihr erstes Bemühen, sich, wie sie sagte, "sexy duschend" zu präsentieren, scheiterte allerdings. Das Wasser sei ihr "zu kalt".

Drei statt zwei Wochen

In der achten Staffel von Promi-BB ist neu, dass sie ganze drei Wochen dauern wird – statt wie üblich zwei. Ansonsten bleibt alles beim Alten: famegeile Menschen wollen 100.000 Euro abgreifen. In Zeiten von Corona dürfte man dafür allerdings mehr Verständnis haben als sonst, berichten doch vielerorts Künstler aus Film, Theater und Fernsehen, sie hätten keinerlei Soforthilfen vom Staat bekommen. Apropos Corona: die Bewohner können "alte Normalität" leben, also ohne Mund-Nasen-Schutz und ohne Mindestabstand, da sie vor dem Einzug in Quarantäne gehen mussten. "Wir dürfen uns umarmen, wir sind alle gesund", versicherten sie sich irgendwann erleichtert. Übrigens kam es bereits in der Quarantäne-Zeit zum ersten Ausstieg. Schauspielerin Saskia Beecks sah sich mit dem Format überfordert, Katzenberger-Schwester und Dschungelkönigin Jenny Frankhauser ist nun als deren Ersatz eingesprungen.

Jenny Frankhauser statt Saskia Beecks

16 Menschen, die "Promi" genannt werden, leben also nun unter medialer Beobachtung zusammen, in einer WG, die aufgeteilt ist in die Bereiche "Märchenwald" und "Märchenschloss", das dort ein bescheidenes Leben verlangt und da ein luxuriöses Dasein ermöglicht. Und damit ein simples, übersichtliches Weltbild anbietet. Möglichst mit Happy End. "Gewinnen soll der, der ein gutes Herz hat", verkündeteElene Lucia Ameur. Aber wer, wenn doch alle "was Besonders" sind – denn das bläute die Darstellerin der Realitysoap "Berlin – Tag und Nacht" allen ein, auch denen, die es nicht hören wollten. Auch für ihre Mobbing-Beichte brauchte sie keinen großen Anlauf, wohl auch deshalb, weil inzwischen die Reality-Show in ihrer kathartischen Funktion längst anerkannt ist. Ein öffentlicher Beichtstuhl. Ihren einstigen Widersachern rief Elene von dort aus zu: "Mich habt ihr damals zerstört, aber ich sitze hier, und mir geht’s verdammt nochmal gut."

Mag dem einen auch dieser Psycho-Striptease seltsam aufstoßen, so mag dieser offene Umgang mit einem leider sehr aktuellen Thema – in Deutschland sind bis zu einer Million Schüler von Mobbing betroffen – doch der Aufklärungsarbeit dienen. In einer der nächsten Folgen, und er machte deutlich, es kaum erwarten zu können, wird Sportreporter Werner Hansch auspacken – über seine Spielsucht. Mit 81 Jahren ist er der älteste Teilnehmer aller Zeiten.

Der Bikini ist das begehrteste Textil

Schaut man sich bei den Bewohnerinnen um, ist der Bikini das begehrteste Textil. Nur Kathy Kelly von der "Kelly Family" und Jasmin Tawil, ehemalige GZSZ-Darstellerin, wählen lieber die wallenden, die langen Gewänder. Während Kathy sich etwaigen Unmut noch von der Seele singen kann, flüchtet Jasmin ins exzessive Meditieren. Ihre Selbstdiagnose: Heimweh. Noch nie sei sie von ihrem Sohn getrennt gewesen. Dazu kommt: noch nie sei sie mit so viel "lauten Charakteren" zusammengeschmissen worden. Ungläubig, als sei sie nicht freiwillig hier, sondern sei herbeigehext worden, murmelt sie: "Es wird über Geschlechtsteile gesprochen." Warum sie eigentlich bei Promi-BB mitmache, weiß auch Simone Mecky-Ballack nicht so recht. Vielleicht lag's an "dieser ganzen Quarantäne oder so". Ohne dass sie es so sagt, ist jetzt schon klar: Sie will beweisen, dass sie mehr ist als eine Ex-Spielerfrau.

DragQueen Katy Bähm, "The Biggest Loser"-Coach Ramin Abtin, Ballermann-Sänger Ikke Hüftgold, die Schweizer Bachelorette Adela Smajic, Social-Media-Star Udo Bönstrup, QVC-Moderator Sascha Heyna und Mischa Mayer, "Love Island"- Teilnehmer machen die WG komplett. Auch sie müssen sich noch, wie alle anderen, erstmal warmlaufen. Denn was bisher geschehen ist, ist kein großer Erzählstoff, schon gar nicht für ein Märchen. Irgendwie ist's auch nicht anders als beim Corona-Lockdown: man zelebriert die Ereignislosigkeit.


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