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Reality-Show Homophobe Beleidigungen bei "Promis unter Palmen": Sender kassiert Shitstorm

Promis unter Palmen
Die diesjährigen Kandidaten von "Promis unter Palmen"
© SAT.1
Es scheint, als habe Sat.1 nichts gelernt aus der ersten Staffel von "Promis unter Palmen". Denn die zweite startete Montagabend mit noch schlimmeren Inhalten. 

Viel Wirbel gab es im vergangenen Jahr um die Reality-Show "Promis unter Palmen". In der ersten Staffel wurde Society-Lady Claudia Obert so sehr gemobbt, dass viele Zuschauer:innen eine Grenze überschritten sahen. Der Sender Sat.1 entschuldigte sich, nachdem sich vermehrt über besagte Folgen beschwert wurde. 

"Promis unter Palmen": Homophobe Beleidigungen

Gelernt hat Sat.1 daraus augenscheinlich nicht. Am Montagabend startete die zweite Staffel der Show. Deren Konzept ist einfach: Eine Gruppe abgeschlagener C-Promis zieht gemeinsam in eine Villa am Strand, muss sich in Spielen beweisen und darf nach jeder Folge einen Teilnehmer eliminieren. 100.000 Euro Preisgeld gibt es am Ende für den Gewinner. Doch all das wurde nebensächlich. Am ersten Abend nach dem Einzug offenbarte Marcus Prinz von Anhalt sein Gesicht und pöbelte homophob, transphob und misogyn. Später erklärte er es damit, betrunken gewesen zu sein und nur "seine Meinung" gesagt zu haben.

Die Beleidigungen gegen Dragqueen Katy Bähm schockierten nicht nur Bähm selber, sondern auch unzählige Fans bei Twitter. "Homophobie ist keine Meinung", twitterte eine Nutzerin. "Dass er sich so verhält, ist nicht überraschend. Enttäuschend, dass ihr solche Leute einladet", kommentierte Podcaster Anredo in Richtung des Senders. Der äußerte sich noch während der Show, schrieb, man teile die Aussagen nicht. "Alle Menschen sind gleich", twitterte Sat.1. 

Ein Ausschnitt aus der neuen Staffel von "Kalkofes Mattscheibe".

Viel Kritik von den Zuschauer:innen

Doch das Statement war einigen zu dürftig. "Wenn ihr was klarstellen wollt, dann schneidet ihr den Typen aber sofort aus der Sendung! Niemals darf solch ein Mensch eine Plattform auf irgend einem TV Sender bekommen", kommentierte ein Zuschauer.

Als Reaktion auf den Shitstorm folgten weitere Tweets von Sat.1. "Wir verstehen eure Entrüstung. Wir haben das lange diskutiert, aber es ist auch ein wichtiges Thema, das nicht verschwiegen werden darf – wie Katy selbst sagt", hieß es in einem Beitrag. Ein Argument, das Anredo auf Twitter widerlegt. In mehreren Tweets erklärt der Trash-TV-Experte, warum er nichts mehr zur Sendung schreiben wolle.

"Ich mag Reality-TV, ich sehe gern menschliche Konflikte, ich bin ein Voyeur – aber ich bin der Meinung, dass Sat.1 in diesem Format erneut Grenzen überschritten hat und den Shitstorm bewusst einkalkuliert, um Quote zu machen", sagt er und fügt hinzu: "Und wie im letzten Jahr fehlt die Einordnung des Senders. Weder während der Dreharbeiten, noch in der Nachbearbeitung oder via Off-Sprecher erfolgt eine Distanzierung." 

Auch Dragqueen Olivia Jones äußert sich in einem ausführlichen Beitrag auf Instagram. "Wenn Homosexuelle wie ich, Katy oder andere, sich durch Menschen wie Dich und Meinungen wie Deine 'gezwungen' fühlen, Zuneigung in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen, Angst zu haben, sich zu schämen, nur weil andere damit ein Problem haben oder das als unnatürlich brandmarken — dann sind wir bald wieder in der Steinzeit", so Jones.

Der Grat zwischen unterhaltsamen Trash-TV und menschenverachtendem Inhalt ist schmal. Erneut wurde er überschritten. 

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ls

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