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"Tolerance Day" auf ProSieben Cengiz erlebt sein blaues Wunder


Die viel gepredigte Toleranz gegenüber Einwanderern in Deutschland ist nicht weit gediehen. Davon weiß der türkischstämmige Komiker Murat Topal ein Lied zu singen. Für ProSieben hat er sich mit versteckter Kamera unters Volk begeben.

Speed-Dating - Frauen und Männer haben ein paar Minuten Zeit, um sich möglichst positiv zu präsentieren. Wenn es gut läuft, finden sie vielleicht das Glück ihres Lebens. Cengiz Basoglu gehört zu denen, bei denen es nicht so läuft wie erhofft.

Der bärtige Türke mit dem weißen Häkelkäppchen, an dem man den frommen Muslim erkennt, hat in der sinnesfrohen und lustorientierten Umgebung gar nichts zu suchen, zumindest wenn es nach den anderen Speed-Datern geht. Denn statt sich über ihre eigene mögliche Beziehung zu unterhalten, lästern sie ein paar Tische weiter über den Türken in Tracht.

Irgendwann lüftet Cengiz Basoglu sein Geheimnis. Dann nimmt er die Kopfbedeckung, das Gewand und den angeklebten Kinnbart ab und gibt sich als ProSieben-Kämpfer für die Toleranz zu erkennen. Aus dem tiefgläubigen Cengiz mit türkischem Akzent wird Murat Topal, auch mit leichtem Akzent, wenn auch nur mit Berliner. Aber das ist ja etwas anderes ...

Sozialexperiment mit versteckter Kamera

Topal ist für ProSieben am "Tolerance Day" in das Gewand des Muslims geschlüpft, um die Reaktion der Speed-Dater zu dokumentieren. Das Sozialexperiment mit versteckter Kamera, das ProSieben als "Dokumentation" ankündigt, ist an diesem Freitag (22.10 Uhr) unter dem Titel "Wie tolerant ist Deutschland?" zu sehen.

Ähnliches hat der Komiker und Ex-Polizist aus dem Berliner Stadtteil Neukölln auch in einem Dresdner Einkaufszentrum gemacht: Dort hat er sich als Cengiz sogar als kostenloser Kinderbetreuer angeboten. "Zwei Glatzköpfige haben mir über Augenkontakt zu verstehen gegeben, dass ich mich besser davonbegeben sollte", berichtet der 35-Jährige.

"Die Zurückhaltung oder Abneigung habe ich zum Teil sehr deutlich gespürt", erzählt Topal, der mit einer Schwäbin verheiratet ist. "Als frommer, gläubiger Muslim in typischer Bekleidung streut man schon optische Signale, die manche ängstlich oder misstrauisch werden lassen."

"ProSieben und Toleranz passen zusammen"

Die Signale, die ProSieben setzt, sind unterschiedlich. Zum einen geht es in inszenierten Doku-Soaps am Nachmittag wie "We are Family" sehr handfest und bestenfalls mäßig tolerant zu, auch in der Sendergruppe werden in Gerichts- und Psychoshows wie "Zwei bei Kallwass" auf Sat.1 die Spielräume fürs freundschaftliche Entgegenkommen sehr eingegrenzt. Auf der anderen Seite wirbt der Sender - wie jetzt - an einem kompletten Programmtag für Mitmenschlichkeit.

"ProSieben und Toleranz passen zusammen", sagt der zuständige Redakteur Christoph Steinkamp. "Wir sind ein junges Medienunternehmen, in dem Toleranz gelebt wird. Viele unserer Moderatoren haben einen Migrationshintergrund: Aiman Abdallah, Daniel Aminati, Detlef Soost, Nela Panghy-Lee oder Sara Nuru."

Das Magazin "taff" berichtet am Freitag bereits um 17 Uhr über Migranten. "Die Simpsons" werden um 18.10 Uhr auch thematisch integriert, "Galileo" macht um 19.10 Uhr den Einbürgerungstest und um 20.15 Uhr ist der Spielfilm "Die Welle" zu sehen, in dem ein Lehrer ein Sozialexperiment an einer Schule aus den Händen gleitet.

Carsten Rave/DPA DPA

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