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"Wer wird Millionär?": Gottschalk räumt die Million ab

Gratulation, Thomas Gottschalk: Das TV-Urgestein hat bei Günther Jauchs Promispecial von "Wer wird Millionär?" eine Million Euro erspielt. Vor allem aber bewiesen die beiden besten Showmaster Deutschlands, dass gute Unterhaltung auch ohne Skandale und hohen Fremdschäm-Faktor auskommt.

Von Christoph Schäfer

Es gibt sie noch, die familienfreundlich-schöne Fernsehunterhaltung am Abend, die ohne Explosionen, Skandale und ein enormes Fremdschäm-Bedürfnis auskommt. Das "Wer wird Millionär?"-Prominentenspecial bewies am Donnerstagabend, dass es dazu lediglich ein gutes Konzept, einen fähigen Showmaster und authentische Gäste braucht.

Bause scheitert an Landwirtschaftsfrage

Vor allem Auswahl und Reihenfolge seiner Gäste hätte für Günther Jauch an diesem Abend nicht besser ausfallen können. Als erste Kandidatin des Abends schafft es "Bauer sucht Frau"-Moderatorin Inka Bause ins Spiel. Die 39-Jährige berlinert sich in unfassbarer Wortgeschwindigkeit durch die Runden, hält mit ihrer sympathischen Aufgeregtheit die Spannung hoch und die Zuschauer wach. Trotz ihres häufigen Kontakts zu balzenden Bauern scheitert Bause aber ausgerechnet an einer Frage aus der Landwirtschaft. Weil ihre Bauern sie "noch nie an eine Kuh rangelassen haben", weiß die RTL-Kupplerin nicht, welcher Teil der Melkmaschine am Milchvieh angebracht wird - und scheidet mit 125.000 Euro für ein Kinderhilfsprojekt aus dem Spiel.

Schnell steuert die Sendung auf ihren unterhaltsamsten Teil zu: Die "Jacob Sisters" Johanna, Rosi und Eva drängen samt ihrer drei Pudel auf die Ratefläche, schenken Jauch dicke Schmatze auf die Backe sowie drei Rosen, die sie "aus der Garderobe mitgenommen haben". Was folgt, ist eine nahezu unbeschreibliche Live-Komödie: Die drei Schwestern können sich auf nichts einigen, beschimpfen sich gegenseitig als "Heuler" und "dumme Nuss" und verraten im Eifer des Gefechts, dass sie trotz ihres hohen Alters noch "die echten Zähne tragen".

Was könnte "Urinstinkt" sein?

Mental scheint es um ihre Gesundheit nicht mehr ganz so gut zu stehen, anders ist die völlige Verwirrung der Schwestern bei der 300-Euro-Frage nicht zu erklären. Jauch will von ihnen wissen, "was im Unterbewusstsein erhalten geblieben ist":

A. Schweißtropft
B. Kackedampft
C: Pipiläuft
D: Urinstinkt

Minutenlang diskutieren die Sängerinnen, ob Kacke dampft oder Pipi läuft. Schließlich hält es Thomas Gottschalk nicht mehr aus und brüllt die richtige Antwort aus dem Hintergrund. Die Schwestern entscheiden sich: "Ja, wir nehmen Urin stinkt!". Der Saal tobt.

Weit weniger Unterhaltung liefert Franziska van Almsick, die schon vor der ersten Frage explizit um ihr Image bangt. In immer neuen Varianten bittet sie Jauch darum, sie "nicht so doof aussehen zu lassen" - und erkundigt sich dann doch beim Moderator, ob Indien zu Asien gehört. Immerhin kann die ehemalige Profi-Schwimmerin 125.000 Euro aufs RTL-Spendenkonto überweisen.

Um die Choreographie des Abends perfekt zu machen, kommt Hoffnungsträger Thomas Gottschalk zuletzt auf den Ratestuhl gegenüber Jauch. Die beiden TV-Größen kennen sich seit langem; Ende der 1980er Jahre moderierten sie nachmittags die "B3-Radioshow" auf Bayern 3.

Rund 20 Jahre später beweisen die heute wohl besten TV-Showmaster Deutschlands, dass sie ihr Handwerk nach wie vor hervorragend beherrschen. In zahlreichen witzigen Dialogen werfen sich die Moderatoren die Bälle zu oder flachsen alleine vor sich hin. Es macht Spaß zuzuhören, wenn Jauch die Frisur Gottschalks mit der Haarpracht der Jacob Sisters vergleicht oder Gottschalk Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki nachahmt, der auf den Satz "Ich bin bei Günther Jauch" doch sicher mit "Wer iszt denn dasz?" reagiert.

Ironischerweise ist es gerade der Literatur-Kritiker und Fernseh-Hasser Ranicki, der Gottschalk am Ende bei der Eine-Million-Euro-Frage rettet. Als Telefonjoker angerufen, ist er sich ganz sicher, dass es sich bei Franz Kafkas letzter Freundin nur um Dora Diamant handeln kann. Gottschalk loggt die richtige Antwort ein, räumt den Hauptgewinn ab und lässt die Sendung im Glitzerregen enden - ganz so, wie es sich für eine gute Unterhaltungssendung gehört, die auch ohne Skandale und Fremdschäm-Faktor funktioniert.