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"Wetten, dass ..?" in Freiburg: Lanz zwischen Quotenhimmel und Kritikerhölle

Eigentlich müsste Markus Lanz vor seiner dritten "Wetten, dass ..?"-Show ganz entspannt sein, liefert er doch bislang hervorragende Quoten. Wären da nur nicht die TV-Kritiker.

Von Carsten Heidböhmer

Die Nervosität dürfte sich ein bisschen gelegt haben, wenn Markus Lanz am Samstagabend zum dritten Mal die Zuschauer bei "Wetten, dass ..?" begrüßen wird. So langsam kehrt Routine ein. Dafür macht der Moderator eine Erfahrung, die viele Fernsehmacher bereits vor ihm schmerzhaft erleiden mussten: Publikumsgunst und Kritikerzuspruch fallen nicht immer zusammen. Auf der einen Seite konnte Lanz in seiner neuen Rolle als Moderator von Europas größter Fernsehshow die Quotenerwartungen bislang locker erfüllen - mit beiden Sendungen knackte er die Zehn-Millionen-Marke. Das Publikum scheint den Südtiroler vorbehaltlos als Nachfolger von Thomas Gottschalk akzeptiert zu haben.

Einfacher wird die Aufgabe für ihn dadurch jedoch nicht. Denn bei einem großen Teil der Fernsehkritiker stößt Lanz auf herzliche Ablehnung. Viel Journalisten ließen kein gutes Haar an seiner Leistung. Auch bei stern.de überwog die Kritik. Doch das Ausmaß, in dem Lanz von einigen Medien angegangen wurde, verwundert. Bisweilen konnte man den Eindruck gewinnen, gegen Lanz werde ein regelrechtes Kesseltreiben veranstaltet. Als Tom Hanks im Rahmen eines langen "Bild"-Gesprächs über seinen neuen Film "Cloud Atlas" ein paar abfällige Bemerkungen über Lanz fallen ließ, war dies tagelang das bestimmende Themen vieler Medien - ganz so, als sei die Aussage eines US-Schauspielers bedeutender als Millionen zufriedener Fernsehzuschauer.

Die anhaltende Kritik scheint auch den Moderator nicht ganz kalt zu lassen: "Wenn ich dann Kritiken lese, habe ich manchmal den Eindruck, es ging in der Sendung tatsächlich um Leben und Tod", sagte Lanz in einem Interview mit dem People-Magazin "Gala". Immerhin hat er bei der Dauerkritik seinen Humor nicht verloren: "Doch am nächsten Morgen stelle ich zu meinem eigenen Erstaunen immer wieder fest, dass ich überlebt habe", so Lanz.

Cindy als Weihnachtsengel

Immerhin gibt der Moderator vor seinem dritten Einsatz aus Freiburg zu, noch nicht die endgültige Form gefunden zu haben. Und so wird weiter experimentiert: Auf die überwiegend von deutschsprachigen Gästen geprägte erste Sendung folgten im zweiten Versuch internationale Topstars wie Robbie Williams, Halle Berry und eben Tom Hanks. Jetzt sprechen die Wettpaten diesmal ausschließlich deutsch. So sollen Maria Furtwängler, Helene Fischer, Nena, Heino Ferch, Florian David Fitz, Olaf Schubert und Karl Dall auf dem Sofa platznehmen.

Dafür verströhmen die Showacts jede Menge internationales Flair: Neben den Fantastischen Vier geben auch die US-Stars Pink, Rihanna und Alicia Keys sowie der chinesische Pianist Lang Lang musikalische Kostproben. Unterstützt wird Markus Lanz - wie bereits in der ersten Sendung - von der Komikerin Cindy aus Marzahn. "Wir haben den schönsten Weihnachtsengel der Welt gesucht. Mit Cindy haben wir ihn gefunden." Ob sie dauerhaft seine Assistentin werde, lässt er jedoch offen. "Wir haben uns da nicht festgelegt. In dieser Sendung ist sie dabei. Danach schauen wir weiter", so Lanz.

Ärger um Martin Kaymer

Ärger gab es im Vorfeld um den Golfprofi Martin Kaymer, der eigentlich als Wettpate vorgesehen war. Doch dann hat es sich der Sender wohl anders überlegt - sehr zum Ärger Kaymers, der den Vorgang auf seiner Internetseite öffentlich machte: "Leider wurde mir (…) vom Sender mitgeteilt, dass dies nun nicht mehr möglich sei, da sich das ZDF entschieden hat für einen Film Promotion zu machen und den Hauptdarsteller als Wettpaten einzuladen". Der Sportler sollte stattdessen in anderer Funktion eingebunden werden: "Das ZDF hat mir zwar angeboten, als Ersatz für den Couchplatz mit einem Kurzauftritt bei einer Wette zu 'helfen', aber ich (...) stehe in der Regel zu meinem Wort und erwarte das dann auch von anderen", schreibt Kaymer, und nennt "diese Vorgehensweise so kurz vor der Show etwas befremdlich."

Abgesehen von dieser kleinen Missstimmung dürfen die Zuschauer aber wieder einiges erwarten: So wird Markus Lanz seine Wettschuld einlösen - er muss nackte Haut zeigen und mit der Tanzcombo Chippendales auftreten. Eine Aufgabe, die ihm einiges Kopfzerbrechen bereitet: "Es wird ein Elend", kündigte der Moderator in der "Gala" an. "Mein Körper ist ein fließender Übergang von Not nach Elend."

Nach der Erfahrung der ersten beiden Sendungen muss Lanz jedoch befürchten, dass einige Kritiker genau das resümieren werden: "fließender Übergang von Not nach Elend."