Totenfrau 2
Alpen-Noir mit vielen Leichen: Anna Maria Mühe setzt als Bestatterin ihren Rachefeldzug fort

  • von Andreas Fischer
Mit dem Zählen der Leichen kommt man kaum hinterher, auch wenn Blum (Anna Maria Mühe) diesmal nicht für alle verantwortlich ist.
Mit dem Zählen der Leichen kommt man kaum hinterher, auch wenn Blum (Anna Maria Mühe) diesmal nicht für alle verantwortlich ist.
© ORF/Mona Film/Barry Films/Philipp Brozsek

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Ihre Leichen holen sie ein: Anna Maria Mühe rast in der zweiten Staffel des Alpen-Noir "Totenfrau" erneut in einen Abgrund männlicher Perversionen und lässt ihren Rachefeldzug an Fahrt aufnehmen.

Plötzlich sind die Toten wieder da: Eigentlich hatte Blum (Anna Maria Mühe) die Überreste ihres Rachefeldzugs ordentlich verräumt. Doch zu Beginn der zweiten Staffel der Alpen-Noir-Serie "Totenfrau" fördert eine Exhumierung Leichenteile zutage, die die Bestatterin in Bedrängnis bringen. Ruhe ist ihr in der Koproduktion von ORF und Netflix, wo die Fortsetzung vor einem Jahr ihre Premiere feierte, jedenfalls nicht gegönnt. Das Erste zeigt alle sechs Folgen von Staffel 2 nun als Free-TV-Premiere zur Primetime am Samstagabend.

Zur Erinnerung: In der großartigen ersten Staffel (komplett zu sehen am Vortag, Freitag, 1. Mai, ab 20.15 Uhr, ARD) hatten Blum und ihr (mehr als liebevoller) Mitarbeiter Reza (Yousef Sweid) auf der Suche nach dem Mörder ihres Mannes die Mitglieder eines Snuffporn-Rings in einem Tiroler Bergdorf nacheinander unter die Erde gebracht. Allerdings waren viel mehr Männer an den grausamen Verbrechen beteiligt, als angenommen. Es sind Männer von Einfluss darunter, die durch Videoaufnahmen erpressbar sind. Erpressbar wiederum von Männern, denen jedes Mittel recht ist, eigene Geschäftsinteressen durchzusetzen.

Ungebremster Höllentrip

Mit dem Zählen der Leichen kommt man kaum hinterher, auch wenn es diesmal nicht Blum ist, die für alle verantwortlich ist: "Totenfrau", erneut atemberaubend düster bebildert, nimmt in der zweiten Staffel deutlich Fahrt auf. Es ist ein ungebremster Höllentrip in die Abgründe sexueller Perversion und Abhängigkeiten, in die der örtliche Polizeichef Danzberger (Robert Palfrader) genauso verstrickt ist, wie die umtriebige Geschäftsfrau Johanna Schönborn (Michou Friesz).

Die Handlung ist freilich einmal mehr vorhersehbar, und statt innerer Logik stehen viel zu häufig Zufälle im Drehbuch. Ist die Lage auch noch so ausweglos: Immer kommt irgendwer zufällig vorbei, um entweder eine Heldin zu retten oder einem Schurken den Weg freizuschießen. Es muss irgendwie weitergehen, und darauf kann man sich verlassen. Spannend ist das nur bedingt.

Bis zur Erschöpfung

Uneingeschränkt fesselnd sind hingegen die Frauenfiguren. Widerborstig, unerbittlich und mit der Kraft der Verzweiflung versuchen sie, inmitten all der verderbten Männer ihre Würde zu bewahren. Vor allem Blum natürlich, die Jägerin und Gejagte zugleich ist. Sie muss ihre Tochter Nela (Emilia Pieske) aus den Fängen des brutalen Geschäftsmannes Badal Sarkissian (Peter Kurth) und seiner Schwester Tamar (Sabine Timoteo) retten, wird dabei aber von der Ermittlerin Wallner (Britta Hammelstein) verfolgt, die ihr die früheren Morde nachweisen will.

Es ist ein doppeltes Katz- und Mausspiel, in dem sich die beiden bis zur Erschöpfung gegenüberstehen. Sie kämpfen gegeneinander für das, was ihnen jeweils am wichtigsten ist. Aber eigentlich sind sie als Schwestern im Geiste zu einem Miteinander gezwungen, um sich in einer Welt zu behaupten, die von Männern zu einer Hölle auf Erden gemacht wird.

Die ersten vier Episoden zeigt das Erste ab 20.15 Uhr am Stück. Danach folgen die "Tagesthemen" und das "Wort zum Sonntag", anschließend ab 23.25 Uhr die finalen beiden Folgen der zweiten "Totenfrau"-Staffel. In der Mediathek abrufbar sind alle Folgen ab Freitag, 1. Mai, bis Sonntag, 31. Mai.

Totenfrau 2 – Sa. 02.05. – ARD: 20.15 Uhr

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