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ARD-Doku "Im Netz der Salafisten": Die unbekannten Verführer

Spätestens seit der umstrittenen Koranverteilung stehen die Salafisten im Fokus der Öffentlichkeit. Die ARD versucht in einer Dokumentation zu ergründen, welche Ziele die radikalen Muslime verfolgen.

Die Anziehungskraft durch das provokante Andere war schon immer groß. "Früher sind die jungen Leute als Punks rumgelaufen, heute tragen sie eben Häkelmützen - weil sie glauben, dass sie so etwas ganz Besonderes sind." Was flapsig klingt, ist eine sehr nüchterne, fast bittere Erkenntnis des SWR-Filmemachers Eric Beres, der zusammen mit Fritz Schmaldienst schon seit vielen Monaten intensiv das Ausbreiten der Salafisten-Szene in Deutschland beobachtet. Gerade junge Männer fühlen sich von der islamistischen Strömung, die eine sehr fundamentalistische Weltsicht predigt, angezogen. Unterschätzen sollte man die Salafisten, die kräftig für sich werben - auch in Fußgängerzonen - nicht. "Das Gefährliche ist", so Beres, "dass man ihnen ihre Gefährlichkeit nicht ansieht".

Natürlich ist der "Report Mainz"-Mitarbeiter, der sich schon lange auf das Thema Islamismus spezialisiert hat, weit davon entfernt, das öffentliche Verteilen des Korans kritisieren zu wollen. Tatsächlich seien die Textausgaben, die von erklärten Salafisten in Großstädten wie Köln angeboten werden, auch vergleichsweise harmlos. Für viel gefährlicher hält er die Machtinteressen der Gruppierungen, die derartige öffentlichkeitswirksame Aktionen steuern und immer mehr junge Menschen, darunter auch viele deutschstämmige Konvertiten, für nicht ganz klare Zwecke einspannen wollen. Eines hatten nämlich die langen Vorbereitungen zu der Dokumentation, an der Beres und Schmaldienst bereits vor über einem Jahr zu arbeiten begangen, gezeigt: "Kritischen Fragen wollen sich viele offizielle Salafisten nicht stellen", so Beres. "Und das obwohl sie sonst die Öffentlichkeit suchen."

Umarmt im Kampf gegen die Ungläubigen

Für den Film haben sie gleich mehrere Familien begleitet, in denen sich junge Männer der radikalen Islam-Strömung zugewandt haben - meist zum großen Befremden ihrer Angehörigen und Freunde. Außerdem gelang es den Autoren, einen Aussteiger - wenn auch anonymisiert - vor die Kamera zu bringen. Er soll dabei helfen, Einblicke in das Verführungspotenzial der einschlägigen Versprechungen zu geben.

Aus Sicht von Beres übt vor allem das Gemeinschaftsgefühl einen großen Sog aus. "Wenn man konvertiert, dann umarmt einen jeder", sagt er. "Für junge Männer, die auf der Suche nach Orientierung sind, kann das attraktiv sein." Außerdem, sagt Beres, vermittele der Salafismus das Gefühl, dass man sich zu einer "Gruppierung von Auserwählten" zählen dürfe. Und diese Clique trete häufig auch noch für die vermeintlich "gerechte Sache", das heißt den Kampf gegen die Ungläubigen und die Unterdrücker des Islams, ein.

Für beide Filmemacher ist ihre Dokumentation eine echte Herzensangelegenheit, die vielen Betroffenen Mut machen soll, sich perfiden Verführern zu widersetzen. Beres und Schmaldienst geht es vor allem darum, aufzuklären, woran man salafistisches Gedankengut erkennt und wie man dessen Einfluss vor allem auf junge Menschen entgegentreten kann. Das ist eine Arbeit, die noch lange nicht beendet sein wird - gerade auch wenn es im Umfeld der Ausstrahlung zu neuem Wirbel kommen könnte. "Wir bleiben an dem Thema dran", verspricht SWR-Mann Eric Beres.

"Im Netz der Salafisten" ist Montag den 16. Juli um 22.45 Uhr auf der ARD zu sehen.

ono/Bernd Hirt, Teleschau / TELESCHAU
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