ARD zeigt schwedische Krimi-Verfilmung Inspektor Barbarotti fischt im Düsteren


Eigentlich fischt Gunnar Barbarotti lieber, als dass er kleinen oder großen Fischen hinterherjagt. Aber es hilft nichts: Schließlich ist Barbarotti Inspektor - und wieder einmal geht es um Mord und Totschlag im Krimi-Land Schweden. Die ARD zeigt am Donnerstagabend die erste Verfilmung von Håkan Nessers Romanreihe.

Inspektor Barbarotti, Schwede mit italienischem Vater, hätte die Welt lieber ohne Verbrechen. Nicht weil er ein so edler Mensch ist. Aber dann hätte er es bequemer, könnte öfter fischen gehen oder verträumten Gedanken nachhängen. Aber die Verhältnisse sind nicht so. Gerade sind wieder zwei Menschen verschwunden, Mord liegt in der Luft. Seufzend macht sich Barbarotti auf den Weg: "Einer, der nicht klüger ist als der Zuschauer", wie ihn sein Darsteller Sylvester Groth charakterisiert. Mit ihm betritt ein etwas anderer Typ die deutsche Krimi-Szene.

Håkan Nesser, mit seinen in 20 Sprachen übersetzten, zwei Millionen Mal verkauften Romanen Schwedens erfolgreichster Krimi- Autor neben Henning Mankell, hat ihn ersonnen und damit seinen endgültig in Pension geschickten Dauer-Kommissar van Veeteren abgelöst. Vier Bücher um Barbarotti sind schon geschrieben, die Filmrechte erwarb die Produzentin Katharina Trebitsch. Die erste Verfilmung ist an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) in der ARD zu sehen: "Håkan Nessers Inspektor Barbarotti - Mensch ohne Hund".

Die Geschichte spielt in Schweden. Gedreht wurde in Norwegen. "Schweden war mir einfach zu lieblich, zu sehr Pippi-Langstrumpf- Land", sagt Regisseur Jörg Grünler. "Ich brauchte das Archaische, das Düstere." So düster wie diese Story um eine nach außen hin kreuzbrave Lehrerfamilie, wo hinter solider Fassade gar nichts stimmt. Der Sohn tritt in einer peinlichen TV-Show auf. Der Enkel meint schwul zu sein, und die nette Tante, obgleich mit einem notorisch herrschsüchtigen Haustyrannen verheiratet, will ihm handgreiflich das Gegenteil beweisen. Eine Typengalerie, auf deren Besetzung Grünler viel Sorgfalt verwendet hat: "Ich wollte keine gängigen Gesichter."

So spielt hier denn Vadim Glowna den alten Lehrer, Johanna Christine Gehlen die hilfswillige Tante. Der Flame Filip Peters ist ihr schillernder Ehemann. Sie alle betrachtet Sylvester Groth als Barbarotti mit abwartender Neugier, bis er endlich zupackt, um gleich danach wieder zum Fischen starten zu können. Dazwischen plaudert er ein wenig mit dem lieben Gott, mit dem er mal so was wie einen Vertrag geschlossen hat, und zeichnet einen wohlwollenden Strich in seinem Tagebuch, wenn der alte Herr dort oben seine Sache ganz gut gemacht hat.

Sylvester Groth, sonst mehr auf der anderen Seite als Täter eingesetzt, genoss diesen ersten Ausflug ins Kommissarsfach, wenn er sich auch für künftige Barbarotti-Filme "etwas mehr Aktivität" wünscht. Ob es dazu kommen wird oder es bei diesem einmaligen Auftritt bleibt, entscheidet die Quote, nicht unproblematisch beim Sendetermin am Vortag zur Fußball-Weltmeisterschaft. Danach wird man sehen, ob der liebe Gott einen weiteren wohlwollenden Strich in Barbarottis Tagebuch verdient.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker