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TV-Kritik

"Der Bachelor": "Der denkt, ich bin 'ne Hohlfritte!"- Wie Kandidatin Michelle die Kuppelshow rettet

22 Frauen im Polyester-Fummel, ein Mann mit Rosen: Die neue Staffel von "Der Bachelor" hat begonnen und man hätte vor lauter Fremdscham schon nach 20 Minuten ausschalten können. Wenn da nicht Kandidatin Michelle wäre.

Wer will schon den Bachelor sehen, wenn man dessen Knaller-Oma haben kann? "Sach' ma - geht's noch?", ruft die über 80-Jährige, als ihr Enkel Daniel Völz ihr erzählt, dass er bald 22 Frauen im TV kennenlernt. Was soll man auch sonst dazu sagen? Die herrlich sympathische Bachelor-Oma steckt ihrem Immobilienmakler-Enkel jedenfalls lieber schnell einen Fuffi zu. Aus dem Jungen wird hoffentlich bald was. Leider weilt die Auftaktfolge der neuen Staffel nicht lange bei der deutschen Omi, sondern kommt schnell in die Bachelor-Villa nach Miami.

In Florida lebt Daniel Völz praktischerweise wirklich. Er hat volles Haar, lispelt nicht, schielt nicht, hat keine Kinder und ist damit deutlich unauffälliger als seine Vorgänger. Zum Glück hat er die Oma, die übrigens mit "Käpt'n Blaubär" Wolfgang Völz verheiratet ist. "Liebestechnisch seid ihr mein Vorbild", sagt der Bachelor. Und: "Alles, was brummt, alles, was schnell ist, gefällt mir!" Joah, könnte schwierig werden - aber merkt's euch, Ladys!

Der Bachelor ist sofort überfordert - vor allem von Michelle

Die sind leider so austauschbar, das selbst der Bachelor gleich zwei verwechselt. Fast alle sind sie Anfang 20, tragen falsche Wimpern und Rosen-Tattoos und wollen mal mehr, mal weniger offensichtlich ins Fernsehen. Und dann - das ist das Schöne am "Bachelor" - gibt's immer noch eine Kandidatin wie Michelle. 

Die Michelles der Show muss man einfach gern haben, weil sie auffallend authentisch sind im Meer der steifen Polyester-Damen. Unsere Michelle 2018 ist ausgebildete Kauffrau für Bürokommunikation, arbeitet in der Disco und sieht immer so aus, als hätte sie gerade zwei Flaschen Korn geext. Dabei trinkt sie kaum Alkohol, weil einmal, da hat sie Rotwein getrunken und von dem hat sie ganz viele Pusteln bekommen an den Oberarmen und am ganzen Körper, aber auch rote Augen (!) - sieht man das vielleicht immer noch? - und sie ist Funkemarieche und würde das ja gern zeigen aber geht ja nicht, wegen Kleid und so und irgendetwas hat sie jetzt vergessen, achja, sie hat seit einem halben Jahr Locken, die einfach so da waren - zack - über Nacht!

Bachelor

Bachelor Daniel Völz mit seinen Kandidatinnen. Ganz rechts Kandidatin Michelle. Die Locken hat sie übrigens erst seit einem halben Jahr.

Michelle for Dschungelcamp

"Mit Michelle ist es interessant, aber man muss sich ganz schön anstrengen, damit man da mithält", sagt der Bachelor. "Ich denk selber manchmal: 'Halt's Maul, Michelle!'", sagt Michelle. Als Zuschauer kann man da nur erschrocken vom Likör aufgucken und rufen: "Auf gar keinen Fall!" Ohne Michelle gibt's niemanden, der ehrlich stöhnt: "Der hält mich für 'ne Hohlfritte!" Niemanden, der schon nach einem Glas Wein die anderen Frauen auf den Mund küsst. Und niemanden, der den Bachelor durch schiere Atemtechnik nicht zu Wort kommen lässt. Es sind die Michelles der Show, die dem Balz-Spektakel Herz und Leben einhauchen. Und die wir im nächsten Jahr im Dschungelcamp wiedersehen - mit oder ohne Locken.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo