"Die Toten Hosen – Das letzte Album"
Die Toten Hosen lassen den Hamster leben – die ARD ist ja schließlich da

  • von Kai-Oliver Derks
Sie schrieben hierzulande Musikgeschichte, von links: Breiti, Andi, Campino, Vom Ritchie und Kuddel.
Sie schrieben hierzulande Musikgeschichte, von links: Breiti, Andi, Campino, Vom Ritchie und Kuddel.
© SWR / Donata Wenders

Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren
Kurz vor dem Erscheinen des letzten Albums der Toten Hosen zeigt das Erste zu später Stunde einen dokumentarischen Blick in den Maschinenraum der Band. Filmemacher Eric Friedler begleitete Frontmann Campino und die anderen über zwei Jahre hinweg.

Zeitsprung ins Jahr 1983. Helmut Kohl ist vor einigen wenigen Wochen zum Kanzler gewählt worden, nachdem die CDU/CSU bei der Bundestagswahl 48,8 Prozent der Stimmen erhielt. Larry Holmes ist Boxweltmeister, die erste Swatch wird verkauft, Jane Fonda macht Aerobic vor Millionen und verdient damit Unsummen. Kim Jong-un wird geboren, und Louis de Funès stirbt. In Köln steigt der Rheinpegel auf 9,90 Meter, und weite Teile der Altstadt werden überflutet. So war das 1983. Damals antworteten die Jugend und die Musik hierzulande auf die allgemeine Lage entweder mit knallbuntem NDW-Irrsinn samt Minirock. Oder mit Punk-Rock.

Ein Band, die sich Die Toten Hosen nennt, ist in dieser Zeit zusammen im Studio, und Frontmann Campino singt für ihr Album eins Textzeilen wie diese: "Sie hat mich bei Vati und Mami verpetzt. Dafür hab ich ihren Hamster zerfetzt." Und diese hier: "Korn, Bier, Schnaps und Wein. Und wir hören unsere Leber schreien." Ein Vollrausch in Stereo.

Nun, 43 Jahre später, veröffentlichen die Hosen ihr letztes Album. Mit "Trink aus, wir müssen gehen" schließe sich ein Kreis, sagen sie. Das Album erscheint am 29. Mai, und erst dann wird man erfahren, ob es auch das Publikum so empfindet. Mit großer Sicherheit darf angenommen werden: Hamster werden heute nicht mehr getötet. Aber gefeiert wird noch, nur dass man vermutlich deutlich früher umfällt als damals.

Sehr anders ist heute auch: Die Hosen baten die ARD zu sich herein bei ganz intimen Bandmomenten. Damals hätte man die Senderfuzzis hinausgepöbelt. Namentlich war nun der preisgekrönte Filmemacher Eric Friedler dabei, mit dem die Band schon früher zusammenarbeitete und der sagt: "Wer in Deutschland lebt, kommt an den Toten Hosen nicht vorbei. Gleichgültig, ob man ihre Musik mag oder nicht." Es sei wie bei Forrest Gump, der bei jeder Situation im Weißen Haus dabei war. "So siehst du auch in jeder Dekade der BRD die Toten Hosen."

"Das ungeschminkte Porträt der ikonischen Kultgruppe"

Über zwei Jahre hinweg begleitete er die Band bei der Entstehung ihres letzten Albums. Versprochen wird – wohlgemerkt seitens des Hosen-Labels – "das ungeschminkte Porträt der ikonischen Kultgruppe in ihrer vielleicht schwierigsten Zeit. Noch nie hat die Band zugelassen, so intensiv im Studio beobachtet zu werden. Entstanden sind einzigartige Momente voller Kreativität, Emotion, Freundschaft und Rock'n'Roll." Klingt wie ein ebenso verbrauchter wie großspuriger PR-Slogan. Und ein bisschen fragt man sich, warum die Band zum Ende ihrer Karriere solcherlei private Einblicke überhaupt zulässt.

Ab 20. Mai ist der 90-minütige Dokumentarfilm in der ARD-Mediathek zu sehen. Am Abend zuvor wird er zudem in ausgewählten deutschen Kinos gezeigt. Im Ersten läuft er zu später Stunde nach dem Ende des Pokalfinales in Berlin, bei dem ausgerechnet die Münchner Bayern nach dem Titel greifen.

Die Toten Hosen – Das letzte Album – Sa. 23.05. – ARD: 23.25 Uhr

TELESCHAU

PRODUKTE & TIPPS