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Dokudrama "George" in der ARD Götz George spielt seinen Vater Heinrich


Eine große Herausforderung für Götz George: In dem Film "George" verkörpert der Schauspieler seinen eigenen Vater. Doch das Dokudrama stößt bereits im Vorfeld der Ausstrahlung auf Kritik.

Es ist Götz Georges persönlichster, wohl aber auch sein schwierigster Film: In dem Dokudrama "George" spielt der "Schimanski"-Star seinen berühmten Vater Heinrich (1893-1946), der wegen seiner Karriere in der Hitler-Zeit bis heute als Mitläufer der Nazis gilt.

Zahlreiche Angebote zu einem solchen Projekt hatte Götz George in der Vergangenheit ausgeschlagen. Das Konzept des Dokumentarfilmers Joachim A. Lang war für ihn dann aber so überzeugend, dass er sich auf das Abenteuer mit dem Vater einließ. "Ich habe das Beste getan, um ihm gerecht zu werden", sagte George kürzlich bei einer Vorabpremiere in Berlin.

Die Dokumentation läuft als Hommage anlässlich seines 75. Geburtstag an diesem Mittwoch (21.45 Uhr), einen Tag nach dem Geburtstag, in der ARD. Arte zeigte ihn bereits am Montag - 800.000 Zuschauer schalteten ihn ein, eine respektable Quote für den Kultursender.

Schwierigste Rolle für Götz George

Götz George personifiziert sein schwergewichtiges Vater-Vorbild in den Spielszenen, aufgepolstert mit "Fatman" und Schminke. Daneben gehört er aber zusammen mit seinem älteren Bruder Jan auch zu den wichtigen Zeitzeugen. Und lässt sich in Making-of-Szenen überraschend offen bei der persönlichen Suche nach dem abwesenden Vater zusehen. "Vielleicht hat er mir den Atem gegeben, weiterzumachen und ihm keine Schande zu bringen", sagt er einmal.

Heinrich George, einer der größten Schauspieler des 20. Jahrhunderts, war 1946 mit 52 Jahren völlig entkräftet im sowjetischen Lager Sachsenhausen gestorben - Götz war gerade acht. Der Film geht der umstrittenen Rolle des Vaters in der Nazi-Zeit vor allem mit Hilfe eines (nachgespielten) Verhörs nach, das ein sowjetischer Oberleutnant (Samuel Finzi) mit ihm führte.

Es macht sprachlos, mit welcher Naivität George selbst nach dem Zusammenbruch des Regimes seine Rolle noch sieht. Der einstige Linke und KPD-Sympathisant hatte sich von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels zum Intendanten des Schillertheaters küren lassen, half dort allerdings auch vielen Juden. Er spielte die Hauptrollen in Veit Harlans antisemitischem Hetzfilm "Jud Süß" und im Durchhaltefilm "Kolberg" und ließ sich bei öffentlichen Auftritten der Nazi-Größen als Vorzeigeschauspieler präsentieren.

Film wurde mehrfach kritisiert

Damit sei er mitverantwortlich für den NS-Völkermord an den Juden, wirft ihm der Sowjetleutnant im Verhör vor. "Nee, nee, mein Lieber! Ich bin nur für mich selbst verantwortlich", antwortet er einmal. Oder: "Ach Kinder, ich wollte einfach arbeiten, so einfach ist das." Bei einem Fest im Schillertheater, als in der Nähe schon die Synagoge brennt, nennt er Hitler einen "kleinen Schwadronierer" und den Antisemitismus "Pipifax", der bald vorbei sei.

Im Vorfeld der Ausstrahlung ist der Film bereits kritisiert worden. Filmproduzent Artur Brauner, 94, der den Holocaust überlebte, schrieb im Nachrichtenmagazin "Focus", er sei "nachhaltig verärgert". George sei in der Nazi-Zeit nicht "wehrlos" gewesen. "Er war dem Regime zu Diensten, das den größten Massenmord aller Zeiten befohlen hat."

"Unsere Vereinbarung war von Anfang an, dass die Biografie nicht geschönt wird", sagt der vielfach ausgezeichnete Regisseur Lang ("Jud Süß - ein Film als Verbrechen?") in seinem Begleittext. Er hat jahrelang international recherchiert und zahlreiche bisher unbekannte Quellen aufgetan. Sogar die persönlichen Briefe der Mutter stellten die George-Brüder zur Verfügung.

Frage um Schuld und Verantwortung

Dennoch kommt die eigentliche Schlüsselfrage - die nach Schuld und Verantwortung - in den materialreichen 114 Minuten seltsam kurz. Vor allem die Söhne sind bemüht, Erklärungen für das immer noch Unverständliche zu finden. "Vielleicht wollte er uns schützen, vielleicht wollte er seinen Job retten", sagt Jan. Und Götz zieht den Schluss: "Er wurde benutzt, und er ließ sich benutzen." Bewusst habe er eine offene Form gewählt, so der Regisseur, damit sich der Zuschauer selbst ein Urteil bilden könne.

Auch der Ausstrahlungstermin - mitten im Sommer - stieß nicht überall auf Gegenliebe. George selbst hätte ihn lieber rund um den 9. Oktober, den Geburtstag seines Vaters, im TV gesehen. Die Programmierung zu Götz Georges 75. Geburtstag verschaffe dem Film jedoch mehr Aufmerksamkeit, sagte ARD-Programmdirektor Volker Herres im "Tagesspiegel" - dem heutigen Publikum sei Götz George näher als sein Vater.

ds/Nada Weigelt, DPA DPA

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