Mit dem ersten Einsatz des frisch gebackenen "Luftretters" Tobias Limmer beginnt die zweite Staffel der hochgelobten Dokureihe "In höchster Not – Bergretter im Einsatz" (bereits in der Mediathek, nun zwei Folgen am Stück im Ersten): Zwei erschöpfte Personen stehen ungesichert unter dem Zugspitzgipfel in steilem Gelände und bitten per Notruf um Hilfe. Offensichtlich haben sie die Lage unterschätzt. Die Bergwacht Murnau muss helfen, der Hubschrauber "Christoph Murnau" wird zum Einsatz gelangen. Davor müssen die Bergsteiger aber gesichert werden, der Hubschrauber braucht Abstand, der Rotor könnte eine Lawine auslösen.
"Is' rund g'laffn!", wird Tobias zum schwierigen Einsatz später sagen. Dass dem nicht immer so ist, wird ein zweiter Einsatz zeigen. Diesmal melden sich drei Männer asiatischer Herkunft im Höllentalsteig. Sie haben sich verschätzt. Noch zwei, drei Stunden bräuchten sie bis zum Gipfelkreuz, das in Sichtweite, aber eben in weiteren 500 schwierigen Höhenmetern steht. Aus den anfänglich drei Leuten werden später sieben. Man fühlt sich da als Außenstehender ein wenig an die berühmten Himalaja-Touristenketten erinnert. Einer ist gar in eine Gletscherspalte gerutscht. Aus der Tiefe bittet er um einen Arzt. Sie alle waren schlecht vorbereitet, unterschätzten die Gefahr, wird der Bergwacht-Leitet sagen, der den in Panik geratenen Bruder des Abgerutschten besänftigen muss. Eine hochdramatische Situation!
Noch während die Bergretter einen zweiten Hubschrauber bestellen, zieht eine Schlechtwetterfront auf, schlagen Blitze ein, beginnt es zu hageln. Es gilt jetzt, gleich mehrere "Baustellen" unter schwersten Bedingungen zu meistern. Eine Pause im Fels-Unterstand wird zwingend. Den Bruder in der Gletscherspalte gilt es zu beruhigen: "Wir sind die Bergwacht. Wir holen dich!"
Kein Zweifel, die Bergretter werden auch diese Situation, die sich so plötzlich verändert hat, meistern. Der Zuschauer ist dabei immer mittendrin. Er muss (darf) die Kommandos genauso über sich ergehen lassen wie die zu Rettenden, immer unter dem Lärm des Rotors und im aufgetriebenen Schnee. Vorwürfe an die Hilfesuchenden gibt es nicht. Aber wurde die alte Regel: "Der Berg ist kein Spielzeug und auch kein Fitnessgerät" eingehalten? Hatte man die Tour gut genug vorbereitet?
Ungeachtet dessen bieten die neuen Bergretter-Folgen, nicht zu verwechseln mit der erfolgreichen Spielserie "Die Bergretter" (seit 2009 im ZDF) eine gute Ausgewogenheit zwischen attraktiver Action und Belehrung. Kommentare aus dem Off gibt es glücklicherweise nicht, die Retter kommentieren ihre Aktionen allerdings zuweilen zeitversetzt frontal in die Kamera. Sie loben ihr Teamwork und die gute Zusammenarbeit, die allerdings manchmal an ihre Grenzen kommt. Gestellt wird nichts, alles ist Realität, die sich der Betrachter allerdings mit vielfachen Fachbegriffen erkaufen muss. Starkes Fernsehen!
Neue Folgen: In höchster Not – Bergretter im Einsatz – Mo. 18.05. – ARD: 21.45 Uhr