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Dschungelcamp, Tag 3: Psychoklinik unter Palmen

Beruhigend: Unsere Dschungelcamp-Promis sind auch nur von Selbstzweifeln zerfressen wie wir alle. Beunruhigend: Der wirre David hat seinen geistigen Tiefpunkt noch lange nicht erreicht.

Von Simone Deckner

Sophia Wollersheim im Dschungelcamp

Ist im Dschungelcamp mächtig genervt von David Ortega: Sophia Wollersheim

Eigentlich hätte nur noch so ein Ticker gefehlt, wie er bei N-TV immer am unteren Bildband nervt: +++ Eil: Dschungelcamper beichten schockierende Details aus ihrem Privatleben +++ Eil: Sophia Wollersheim: "Ich war früher dick und wurde gemobbt" +++ Eil: Gunter Gabriel: "Mein Leben ist eine Katastrophe" +++ Eil: Menderes: Gestörtes Verhältnis zum verstorbenen Vater +++ Doppel-Eil: Thorsten Legat: "Mein Vater war Alkoholiker, schlug, tyrannisierte und missbrauchte mich" +++

Es gab keinen Ticker. Aber die Dschungelcamp-Beichten vom gestrigen Tag 3 stehen da jetzt so im Raum herum. Man kann sich als Zuschauer aussuchen, wie sehr man sich schämt, weil man insgeheim ja genau wegen solch intimer Beichten eingeschaltet hat. Oder man bekennt sich ("Krasser als jede Konfro!") doch offen zu seinem Chips-auf-dem-Sofa-Voyeurismus.

Oder man heißt Rolf Zacher und wacht für die entscheidende halbe Minute aus dem selbst verordneten Dös-Delirium auf und zieht sich den an die Brust, nachdem der vor Millionen Dschungelcamp-Zuschauern gesagt hatte, dass sein versoffener Vater die Familie geschlagen, tyrannisiert und ihn missbraucht hat. "Der eigene Vater?", wie Menderes ungläubig fragt. Ein Stiernacken nickt. 

Dschungelcamp: Ehrlich oder doch inszeniert?

Ist das noch Unterhaltung oder schon krankenversicherungspflichtig? Haben die Promis, die sich am Lagerfeuer von ihren dunklen Geheimnissen erzählen, die Kameras um sie herum wirklich vergessen? Oder ist diese Selbstentblößung, wie Kritiker sagen, auch nur ein geplanter Teil der Inszenierung? Und: Wollen wir das wirklich so genau wissen?

Dass den Gabriel morgens die düsteren Gedanken quälen. Dass er sein Leben für eine Katastrophe hält, vieles bereut. Dass er vor lauter Schiss, auch noch den Rest an die Wand zu fahren, irgendwelchen Astrologen Geld in den Rachen wirft, damit die ihm sagen, was er als nächstes tun soll. Dass die Frau, die alles an sich hat größer und glatter machen lassen, dies nur tat, weil sie früher so sehr unter Minderwertigkeitskomplexen litt. Weil sie dick war und sich hässlich fühlte. Und heute angesprochen auf ihre unnatürlichen Über-Möpse sagt: "Das ist eine Schutzfassade". Prof. Dr. Gunter-Gabriel: "Hattest du denn niemanden, der dich aufgebaut hat?" Sophia sagt "Nein."

Die reinste Nervenklinik unter Palmen! Auf jeder zweiten Pritsche ein gebrochener Mann, den ein gefühlloser Vater verkorkst hat. Oder eine getunte Barbie, die nie gelernt hat, sich selbst zu akzeptieren und die Liebe nur in der Bewunderung von außen sucht. Irgendwie beruhigend: Unsere Dschungelcamp-Promis sind auch nur von zerfressen.


Die Dinosaurier sind selber Schuld

Da ist man schon dankbar für einen selbstbewussten Simpleton wie den Spanier . Zu allem muss er etwas sagen. Er weiß halt bloß nicht, wie. Seine billige Ausrede "die Produkte Bohnen und Reise machen einen schon durcheinander" lassen wir jetzt mal nicht gelten. An Tag 3 beschäftigte sich der Soap-Mime eingehend mit der Tierwelt.

Hier ein kurzer Auszug: Tauben kennt man als Waldtiere - Vögel sind mir eher unsympathisch - Die Dinosaurier müssen ja ziemlich viel Scheiße gebaut haben, sonst wären sie nicht vernichtet worden - Es gibt Brückentiere, so wie es ja auch Brückenfarben gibt, so, wie im Regenbogen.

Dschungelcamp, Tag 3: Verstörende Geständnisse am Lagerfeuer
Sophia oben mit

Sophia ist genervt: "Da kommt nur Müll raus bei dem. Soviel Müll. Da frage ich mich, wie hat der überhaupt überlebt in seinem Leben?“ Frau Wollersheim über Daniel Ortega, Dschungel-Flitzpiepe.

Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de.

David Ortega: Mimose statt Macho

Der dümmste Dschungelcamp-David ever durfte dann endlich auch mal in die gehen. Im engen, dunklen Sarg (einem Mausoleum nachempfunden) war es dann aber ganz schnell vorbei mit dicker Hose und der Kraft der angeblich "vier Cojones". Vor lauter Panik sonderte der ehemalige Big-Brother-Insasse sein verbales Ratatouille lauter und hektischer als je zuvor ab. Hier aus nervenschonden Gründen erneut nur ein kurzer Auszug: "Aaah! Das sind Ratten. Ich hatte noch nie mit Ratten zu tun. Scheiße! Ich habe ja noch keine Erfahrungen mit Ratten gesammelt. Hallo Ratte, sei lieb, ja? Au, die Ratte hat mich gerade gebissen, ich schwör! Was ist das? Spinnen?! Oh, Alter, ich schwör, Spinnen ..." und so weiter und so fort.

Merke: Vorsicht bei vermeintlich rattenscharfen Typen! Da Ortegas Gegnerin (zum wiederholten Male im Recall: die Fürstin der Finsternis) in der "Fischsuppe" aber keinen Stern mehr greifen konnte, holte sich Ortega den Sieg trotz maximaler Mimosenhaftigkeit.

Und was lernen wir aus diese Teil der Geschichte? Menschen sind überall eben auch nur Menschen. Der gefühllose Mann ist kein Erfolgsmodell. Eben sowenig wie der überschwängliche Vielredner. Meditieren hilft wirklich und, ach ja: Menderes wird Dschungelkönig.


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