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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 12 : Peterchens Blutbad – und Leila macht das Licht aus

"Keiner vermisst Gisele", vermeldete Bastian Yotta. Nicht das einzige Mal, dass der Miracle Mentor schief gewickelt war. Ohne den Oppermannschen Betriebston ist es arg ruhig im Lager. Ein bisschen Beef gab es dennoch.

Von Ingo Scheel

Peter Orloff mit einer Art Hundeleck-Schutz in einem Tümpel im Dschungelcamp

Ein Anblick für die Ewigkeit, wie Peter Orloff mit einer Art Hundeleck-Schutz, einem Kratzrichter um den Hals, durch den Tümpel im Dschungelcamp schwamm

Der geneigte 14-Tages-Urlauber kennt das Syndrom: In der ersten Woche lässt sich alles noch ausgesprochen langsam an. Die bevorstehende Zeit, dem bräsigen Erholen, Abliegen, Auftanken gewidmet, scheint luxuriös endlos vor einem zu liegen. Wat, so lange noch? Herrlisch. Anfang der zweiten Woche ein kurzes Innehalten, dass das Bergfest unbemerkt gefeiert wurde, und gerade als man sich vom Schock der Endlichkeit dieser ganzen Chill-Chose erholt hat, da steht man schon wieder mit dem nachlässig gepackten Trolley an der Rezeption, schiebt den Schlüssel über den Tresen und checkt aus.

Im Dschungelcamp läuft es genau anders herum: In der ersten Woche Rasanz, Rage, Rabaukentum, dann das Bergfest und zu Beginn der zweiten Woche ein latent ernüchtertes "Wat, so lange noch?". Das Problem, das klassische: Wer die vergangenen drei, vier Tage anderweitig beschäftigt war, sah die Reihen am Lagerfeuer an entscheidenden Stellen gelichtet. Sibylle hätte man gern noch ein wenig beim Resozialisationsversuch zugeschaut, Tommi wäre noch für einen handfesten Skandal gut gewesen, Domenico hätte sich weiter um den kunstbehaarten Kopf und den dazugehörigen Kragen geredet und in Sachen Gisele hatte man doch fast schon so eine Art umgekehrtes Stockholm-Syndrom entwickelt: Wenn man zwangsweise viel Zeit mit Leuten verbringt, nachts, allein, im Dunkeln, fühlt man irgendwann selbst für die größte Nervensäge eine Prise Sympathie.

Woher kennt man eigentlich Evelyn Burdecki?

Bastian Yotta philosophiert über Evelyn

Nun denn, nützt alles nichts, sind ja nun mal raus, die Damen und Herren. Muss man also mit dem klarkommen, was vom Lager übrigblieb. Und ein paar schicke Szenen gab es ja dennoch. Wie Bastian Yotta da, mit dem schönsten weißen 'M' auf dem Oberteil seit Peter Lorre, über das viele Trallalla seiner Nachbarin Evelyn philosophierte, für die er doch bislang immer Mentor und Coach gewesen war und sie nun doch auch gern mal schweigen dürfe, denn das sei ja Gold, atmete noch ein wenig von der Klasse der ersten Woche. 

Dschungelcamp 2019, Tag 12: Peter Orloff macht sich frei
Dschungelcamp 2019

Solo für Peter Orloff: Am zwölften Tag im Dschungelcamp darf der Schlagersänger um das Essen seiner Mitbewohner spielen. In "Graus am See", so der Titel der Prüfung, muss Orloff insgesamt acht Sterne finden - in der Umkleidekabine, in Schließfächern, in der Dusche und schließlich im See.

Gerade mit Blick auf das Ausgangsmaterial: Da hatte ja der Miracle Mentor im Nachtsichtgerät-Talk die Evelyn beiseite geschoben und ihr anheim gestellt, sie möge die Klappe halten. Worte, die selbst ein hart durchbachelorisiertes Reality-Riot-Girl wie Evchen aus der Balance brachten. Ihre Analyse im Dschungeltelefon von schmerzhafter Klarsicht unterminiert: "So etwas passiert ja nicht einfach so. Das muss man als Mann schon in sich haben", das pfiffige Fazit. Irgendwann wurde die Konfro dann halbherzig aus dem Weg geräumt, sprachen sich Mentorman und Wondergirl im Gebüsch aus.

'Value for Money' bot auch der frisch versöhnte Wurst-Imperator, dessen Management da draußen vor Schreck möglicherweise der zarte Saitling aus der Hand gerutscht ist, denn es kündigt sich Unheil an, das Chris schon mal anmoderierte: "Ich liefere hier so ab und dann wirste so gefickt. Ich performe hier und was ist? Die sollen mich alle am Arsch lecken!", seine Tirade, dazu die Drohung, draußen direkt bei seiner Haus-PR vorstellig zu werden. Ganz klar wurden seine Beweggründe nicht, Töpperwien sieht im künstlichen Licht der Nachtsicht-Kamera nicht nur aus wie eine verwirrte Omi, er schwadroniert auch ähnlich.

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Leila Lowfire wurde das Flämmchen abgedreht 

Stichwort Omi: Peter Orloff heimste den Titel des ersten Ü40-Absolventen einer Action-Prüfung im Dschungel ein und machte klar, warum Dr. Bob da in den vergangenen Jahren zu strenger Auslese neigte. Selbst für einen Expendables-Adepten wie Orloff erwies sich das alles als beinah zu heftig. Ein Anblick für die Ewigkeit, wie Orloff mit einer Art Hundeleck-Schutz, einem Kratzrichter um den Hals, durch den Tümpel schwamm wie Prinz Philip am Warmbadetag. Zudem hatte er sich die Hände an den überaus fest installierten Sternen blutig geschraubt und kehrte, die Gelenke mullumwickelt wie der Hauptdarsteller der Passionsspiele von Oberammergau, mit drei von acht Gelblingen ins Camp zurück. 

Der Rest ist relativ schnell abgewickelt: Gisela war kaum einen halben Kilometer vom Camp entfernt, da rülpste sie sich auf der Ladefläche des Jeeps bereits ein Burger-Derivat zwischen die Kiemen und durfte zum Nachtisch auch noch einen Koala verspeisen, Verzeihung, einen Koala streicheln. Doreens Fixierung auf das Liebesrevival mit ihrem Ex Tobias dürfte spätestens in der nächsten Folge Dr. Bob auf den Plan rufen. Chris’ Brille saß schief und erinnert in ihrer klassischen Form fast ein wenig an das Modell von Kreml-Polit Mathias Rust und Sandras "Präsenz" ist von so papierner Flüchtigkeit, es würde nicht verwundern, wenn sie schon vor drei Tagen irgendwo im Knick kollabiert ist und seitdem noch nicht wieder aufgestanden wäre. Am Ende erwischte es eine, die sich in den zwölf Tagen an der Restglut ihres Ruhms ebenfalls nur mühsam wärmen konnte: Leila Lowfire wurde das Flämmchen abgedreht. 

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