DSDS Eine Show findet ihre Form


Sieben junge Menschen, die gerne Superstar wären, treten am Samstagabend zur vierten DSDS-Mottoshow an - in Schale geschmissen und mit Big-Band-Unterstützung. Ein Neuzugang ist auch dabei.

Moderatorin Tooske Ragas ist eine "Käse-Tussi", Kandidat Stefan Darnstaedt eine "Heulsuse", und Kollege Nevio wirft RTL und der Jury Manipulation vor. Der Kölner Privatsender ist in seinem Element, denn die Schlagzeilen rund um die Show "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) sind nach seinem Geschmack. Auch die Publikumsresonanz auf die Castingshow mit mittlerweile rund sechs Millionen Zuschauern pro Ausgabe stimmt den Sender zufrieden. "Das straffe Konzept mit dem neuen Moderatorenpaar Tooske Ragas und Marco Schreyl und der veränderten Jury ist ein Grund für den Erfolg", sagt RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger.

Gerade hatten die Kandidaten eine Woche Zeit, sich von diesem straffen Konzept zu erholen und Heimaturlaub zu machen. In der letzten Woche pausierte DSDS, gegen den ZDF-Quotengaranten "Wetten dass…?" wollte RTL nicht antreten. An diesem Samstag heißt das Motto "Big Band", die Kandidaten werden sich in Schale werfen und sich mit der Unterstützung einer 21-köpfigen Big Band an Swing-Klassikern versuchen. Besonders der für den freiwillig ausgeschiedenen Stephan nachgerückte Didi Knobloch freut sich auf die Show. Obwohl er erst seit der letzten Sendung mit dabei ist und viel weniger "Übung" als die anderen Kandidaten hat, ist der Fahrlehrer guten Mutes, denn Big Band sei sein Ding, sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer.

Überlegungen für eine vierte Staffel

Schon vor der nächsten Runde an diesem Samstag mit sieben verbliebenen Kandidaten werden daher beim Sender vorsichtige Überlegungen angestellt, wann denn die vierte Staffel über die Bühne gehen könnte. Sänger mahnt aber zur Zurückhaltung. "Das Format braucht eine Pause, und daran müssen wir uns halten", sagt er. "Allein die Vorbereitungen zur neuen Staffel erfordern mindestens sechs Monate Zeit." Die Begehrlichkeiten lassen aber den Druck auf Sänger steigen.

Die Musikindustrie braucht neue Talente und Produktionen und ist dabei auf die Promotionsmaschine Fernsehen angewiesen. Die Werbeindustrie benötigt neue Impulse und will massenattraktive, auf die jüngeren Menschen ausgerichtete Programme. Die Telefonfirma will möglichst viele "Calls" bei den Abstimmungen. Der Lizenzgeber, die FremantleMedia aus England, hat die Rechte bereits in 32 Länder verkauft. Und der Sender RTL will den Abstand zum näher gerückten Konkurrenten Sat.1 vergrößern.

Schützenhilfe vom Boulevard

Nicht nur die Medien scharen sich von Samstag zu Samstag im Kölner Coloneum um die jungen "Superstars", die von einer Solokarriere im launischen Musikgeschäft träumen. Auch die Fans, die vor drei Jahren bei der ersten Staffel mit Daniel Küblböck und Alexander Klaws zu Tausenden nach Köln pilgerten, rücken jetzt wieder an, um ihren neuen Idolen wie Nevio, Vanessa, Mike Leon, Anna-Maria, Daniel, Didi und Tobias an Ort und Stelle zu huldigen. Die Enttäuschung nach der zweiten Staffel, als das Interesse deutlich geringer war, scheint verflogen.

Stark flankiert wurde die Show vor allem durch die "Bild"-Zeitung, die kaum einen Tag nicht über das TV-Ereignis berichtete: Denn was im TV Quoten bringt, beschert einem Boulevardblatt auch Leser. So wurde die "Heulsuse" Stefan, mittlerweile freiwillig ausgeschieden, auf die Seite eins gehievt. Auch der angeblich größte Wunsch von Nachrück-Kandidat Didi Knobloch - eine Geschlechtsumwandlung - war dem Boulevardblatt mehrere Titelseiten wert. Die "Bild am Sonntag" verbreitete die Vorwürfe von Geheimfavorit Nevio Passaro, die Show sei manipuliert, die Jury und der Sender stellten sich schützend vor Kandidaten, die nicht einmal eine Stimme hätten. Und die Gerüchteküche brodelt weiter: Kandidat Tobias verließ seine Freundin und auch die 17-jährige Anna-Maria ist frisch getrennt. Aber nein, zusammen seinen die beiden nicht. Gefundenes Fressen für die "Bild"-Zeitung.

Weltweites Geschäft

Auch im Internet finden sich viele Foren, in denen sich die Fans ausweinen können - besonders nach dem Ausscheiden von Lena, Carolina und Dascha. "Es kann, darf und soll viel diskutiert werden", sagt Tom Sänger. "Denn die Sendung kann nur im Gespräch bleiben, wenn sie polarisiert und starke Charaktere hervorbringt." Darauf hat RTL bereits vor dem Start geachtet. Denn bewerben konnten sich Talente mit 30 als Höchstalter, also ältere als bei den ersten beiden Staffeln.

RTL vermeldet auf jeden Fall gute Werbebuchungen. Die Preise für den 30-Sekunden-Spot steigen im Februar von 54.000 auf 61.000 Euro. Auch die Zahl der Anrufe und SMS beim Telefonvoting entspricht den hochgesteckten Erwartungen. Zahlen wurden bislang nicht veröffentlicht. In den USA wurden allein in der vierten Staffel von "American Idol" 500 Millionen Anrufe gezählt. Auch in China, das nicht von demokratischen Strukturen geprägt ist, wird per SMS abgestimmt. 200 Millionen TV-Zuschauer zittern ständig mit. Im Frühjahr folgt Land Nummer 33, das seinen "Superstar" sucht: Brasilien.

Carsten Rave/DPA DPA

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