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E-Mail von Till: Eine Makatsch macht noch keine Knef!

Glaubt man Heike wirklich die Hilde? Ist die Makatsch so gut wie die Knef? stern.de-Kolumnist Till Hoheneder hat die große Hildegard Knef einst noch getroffen und selbstverständlich seinen ganz eigenen Standpunkt.

Leute, mal ganz ehrlich! Selbst nach 22 Jahren im Showbiz sagt ein aufrechter Medien-Misanthrop wie ich: Es gab auch magische und berührende Momente! Nicht, dass der geneigte Leser jetzt bangend fragt: Was ist bloß mit Till los? Kriegt der alte Toleranz-Terminator jetzt etwa Kuschelkrämpfe? Hieß es nicht sonst immer: Ich bin nicht verbittert, ich find' nur alles scheiße? Hat Monsieur schon Schimmel an der Hirnpanade? Seelischen Lochfraß? Nein, nein – immer schön galama!

Einer dieser unvergesslichen Momente war meine Begegnung mit Hildegard Knef. Ich war Anfang der 90er mit meinem alten Kollegen Obel in einer ZDF-Sendung, in der auch die Knef mit der Gruppe Extrabreit auftrat. Ihre Präsenz war beeindruckend und als ich im Finale neben ihr stand, konnte ich ihre "Aura" wirklich fühlen. Ich bin später wie ein braver Schuljunge zu ihrer Garderobe gedackelt und habe mir ein Autogramm geholt. Obwohl sie erschöpft war, zögerte sie nicht einen Augenblick, stand auf vom Sofa und sagte mit dieser unglaublichen Stimme: Gerne, mein Junge! Was soll ich denn schreiben? Was für eine tolle Künstlerin, was für eine nette Geste!

Wir Deutschen gehen ja mit unseren Weltstars nicht immer pfleglich um. Manchmal sind unsere Weltstars wie Boris Becker aber auch nur noch peinliche, testikelgesteuerte Potenzamöben, die alle halbe Jahre mit Verlobungsschwüren gegen ihr eigentliches Ereignisvakuum anpoppen. Oder wir machen einen Riesenbohei um welche, die keine sind, wie z.B. der steroidschwangere Hirnbonsai Ralf Möller. Hildegard Knef aber war ein wirklicher Weltstar! Ein Weltstar, der jetzt Gott sei Dank nicht mehr erleben muss, wie eine nette Heike Makatsch in ihrer Rolle als "die Knef" mit der künstlerischen Schuhgröße 34 in den Mammutfußspuren der echten Knef versinkt. Was für ein Elend, da möchte man doch vor Verzweiflung am liebsten das doppelte des eigenen Körpergewichts in den Garten göbeln! Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich habe nichts gegen Heike Makatsch!

Aber sie hätte wissen sollen, wo ihr Talentlimit ist! Der Film wurde ja schon reichlich durch die Preview-Promo-Maschinerie georgelt und was man bisher von "Hilde Makatsch" sehen konnte, sah aus wie Plumpaquatsch meets ZDF-Montagsfilm! Vom heftigen Wunsch nach einem akustischen Storno ganz zu schweigen – die quäkende Heike-Stimme reicht für die Pupsburger Augenkiste, aber doch nicht für das Großkaliber Knef! Ich singe ja auch keine Led Zeppelin-Songs, wenn es nur für Bernhard Brink, den geplatzten Karlsson vom Dach, reicht! Wieso hat Frau Makatsch diese Rolle angenommen? Sowas ist sogar für echte Stars riskant: Auch Will Smith ist als Muhammad Ali ungefähr so gut besetzt wie Eddy Murphy als Nelson Mandela-Darsteller. Vielleicht hätte die liebe Frau Makatsch einfach warten sollen, bis das Leben der Mutter Beimer verfilmt wird - als Kurzfilm für die "Sendung mit der Maus"?

Weltstars zu spielen ist ein Himmelfahrtskommando und Jamie Foxx als Ray Charles ist eine Jahrhundertausnahme! Aber mit Frau Makatsch als Knef ist der Leidensweg schon vorgezeichnet und die Saat des Bösen gesetzt! Mir graut schon vor weiteren nationalen Gruselschockern auf SAT1-Niveau: Bernard Hoecker ist Bud Spencer in "Sie nannten ihn Mücke 2 - jetzt noch häßlicher"! Dolly Buster spielt Veronika Ferres in "An die Wand – die geilen Muttis vom Checkpoint Charlie"! Bis die Tage!