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Emmys 2014: Heißer Serien-Scheiß? Nicht bei den Emmys!

Ja, das TV in den USA hat Großartiges zu bieten. Die Emmy-Verleihung gehört aber nicht dazu. Bewährtes wurde belohnt, Mut bestraft. Die Nacht war eine Enttäuschung - nicht nur für Matthew McConaughey.

Von Ulrike Klode

Die Emmy-Entscheidungen in zwei Wörtern? Mutlos und langweilig. Die TV-Landschaft in den USA ist vielfältig, spannend, hat immer wieder absolute Überraschungsknaller zu bieten. Doch die Verleihung der Preise in dieser Landschaft gibt das nicht wieder. Nein, hier schreibt nicht mein enttäuschtes Fan-Herz, das für "True Detective" schlägt. Hier schreibt meine objektive Seite, die die Entwicklung im Serien-Markt seit Jahren beobachtet. Natürlich sind "Breaking Bad" und "Modern Family" sehr gute Serien (von beiden ist übrigens auch mein Fan-Herz begeistert), aber in den Kategorien "beste TV-Serie" und "beste Comedy" hätten andere die Auszeichnung verdient: "True Detective" und "Orange Is The New Black".

Sie sind beide überragend - ungewöhnliche Charaktere, eine andere Art des Erzählens, dazu gute Drehbücher -, doch beide haben eins gemeinsam: Sie stehen für etwas Neues. "True Detective" wurde von einem einzigen Autor geschrieben, von nur einem Regisseur gefilmt - ungewöhnlich in einer Branche, die bei Serien auf Autorenteams mit einem Chefautor setzt, einer Branche, in der es ganz normal ist, dass jede Folge einer Serie von einem anderen Regisseur gedreht wird. Und "Orange Is The New Black" läuft nicht auf einem TV-Sender, sondern ist auf Netflix abrufbar.

Netflix wird ignoriert

Statt Mut zu belohnen herrscht bei den Emmys Langeweile. "Breaking Bad" bekommt den zweiten Emmy für dieselbe Staffel - die letzte Staffel war aufgeteilt und wurde mit Pause gesendet, weshalb sie in zwei Emmy-Jahren lief. Geschicktes Timing von den Produzenten - ein billiger Trick, der auch noch belohnt wurde. Die Comedy "Modern Family" hat nun schon den fünften Emmy in Folge bekommen. Vor fünf Jahren war sie zweifellos der heiße Scheiß, eine Mockumentary, die das amerikanische Vorstadtleben parodiert. Doch das ist sie längst nicht mehr - denn seit zwei Jahren ist der heiße Scheiß "Orange Is The New Black" - was die Mitglieder der Academy of Television Arts and Sciences, die den Emmy vergeben, offensichtlich ignoriert haben. Bei den Primetime-Emmys geht die Serie leer aus. Es ist mittlerweile auffällig, dass der Emmy nicht an Netflix-Produktionen geht: 2013 wurde "House of Cards" übergangen, 2014 "Orange Is The New Black".

Und noch eine Chance wurde verpasst: Zu den Oscars aufzuschließen. Hätte Matthew McConaughey den Emmy als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in "True Detective" bekommen, wäre es das erste Mal in der Geschichte der TV- und Film-Industrie gewesen, dass ein Schauspieler den Oscar und den Emmy im selben Jahr bekommt.

Ach, was für eine ärgerliche Preisverleihung das doch war. Aber hey! Ich ärgere mich doch lieber über eine schlechte Preisverleihung, die die Realität der spannenden Serien-Landschaft nicht wiedergibt, als über eine langweilige Serien-Landschaft.

Eine vollständige Liste mit allen Emmy-Gewinnern finden Sie auf der Seite emmys.com.

Hier können Sie der Autorin auf Twitter folgen: @FrauClodette.

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