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"House of Cards" und die Emmys: Die beste Serie ist übergangen worden

Plot, Schauspieler, Regisseur - "House of Cards" ist großartig. Doch die Serie ging bei den Emmys fast leer aus. Und eines bereitet den Chefs von TV-Sendern Bauchschmerzen: die Entstehungsgeschichte.

Von Ulrike Klode

Beste Serie, beste Schauspieler, bester Regisseur: "House of Cards". So hätte die Nacht der Emmy-Verleihung enden können. Und viele hätten zustimmend genickt. Denn "House of Cards" ist derzeit einfach der beste Stoff, der auf dem Markt ist: Die Geschichte eines Politikers in Washington, der nach mehr strebt und auf seinem Weg nach oben vor nichts zurückschreckt, ist so gut erzählt, dass man froh ist, nicht im Politikgeschäft zu sein. Dazu eine Schauspieler-Riege, die eine wahre Pracht ist. Und ein Regisseur, der bereits großartige Filme gemacht hat. Eine perfekte Mischung, die süchtig macht.

Die Geschichte:

Francis Underwood ist ein demokratischer Kongress-Abgeordneter, der weiß, wie das Geschäft läuft und der weiß, was er will. Er ist arrogant, aber speichelleckerisch, wenn es nötig ist. Er ist knallhart, wenn er seine Interessen durchsetzen will. Und er geht - wenn nötig - über Leichen. Schonungslos wird der Politikbetrieb geschildert. Und das Faszinierende ist: Egal, wie brutal die Handlung ist, die Geschichte ist so gut erzählt, dass man sich vorstellen kann, dass es wirklich so zugeht in Washington.

Die Schauspieler:

Kevin Spacey. Robin Wright. Muss ich mehr sagen? Doch, ich möchte mehr sagen: Dass beide alleine gut sind, weiß man. Aber sie passen auch perfekt zu einander. Robin Wright spielt Claire, die Ehefrau von Underwood. Die, die ihn antreibt. Die, die knallhart ist. Die, die für ihn Opfer bringt - bis zu einem gewissen Grad. Dann, ganz plötzlich und ganz kurz, wirft sie ihre Loyalität über den Haufen. Und erreicht ihr eigenes Ziel. Großartig, wie Kevin Spacey und Robin Wright dieses machtgeile Paar spielen. Kühl, überlegen, und doch in einigen Momenten zerbrechlich und gefühlvoll. Ergänzt wird das Duo von einer Schauspielerin, die bisher noch kaum aufgefallen ist: Kate Mara. Sie spielt eine ehrgeizige junge Journalistin, die sich auf ein gefährliches Spiel mit Francis Underwood einlässt. Kate Mara schafft es tatsächlich, sich gegen das Spiel des großartigen Spacey zu behaupten.

Der Regisseur:

David Fincher. "Fight Club", "Panic Room", "Zodiac", "The Social Network". Das spricht nun aber wirklich für sich selbst. Das sahen wohl auch die Mitglieder der Academy of Television Arts and Sciences so, die den Emmy verleihen: David Fincher hat den wichtigsten TV-Preis in der Kategorie "beste Regie" für "House of Cards" bekommen.

Gegen diese drei Punkte steht die Entstehungsgeschichte, die vielen TV-Machern Bauchschmerzen bereitet. Kurz erzählt geht sie folgendermaßen: Die Chefs des Streamingdiensts Netflix, vor mehr 15 Jahren als Video-Verleih-per-Post gegründet und mittlerweile zur wichtigsten Online-Video-Plattform aufgestiegen, wollten es mit einer eigenen Produktion versuchen. Doch die Exposés, die sie zugeschickt bekamen, überzeugten sie nicht. Da machten sie das, was eine Online-Plattform gut kann: auswerten. Wer guckt was von wem wann am liebsten? Und sie kamen zu dem Schluss: Politthriller, David Fincher, Kevin Spacey - all das kommt bei den Netflix-Kunden gut an. David Fincher und Kevin Spacey mussten angeblich nicht lange überredet werden, der Stoff war in der BBC-Serie "House of Cards" schnell gefunden. Als es um die Ausstrahlung ging, war klar: alle Folgen auf einmal. Denn auch das konnten die Netflix-Entscheider aus dem Nutzungsverhalten ihrer Kunden ablesen: Serien werden oft am Stück geschaut. So entstand die erste große Webserie und sie hatte auch noch Erfolg. Die Kritiker überschlugen sich vor Begeisterung, die Netflix-Nutzer schauten sie sich wirklich am Stück an. Ein Erfolg, der Senderchefs Angst macht. Denn auch wenn jeder sagt, dass die Zukunft des Fernsehens im Netz liege - "House of Cards" zeigt allen, dass die Zukunft bereits begonnen hat.

Wie und wo Sie "House of Cards" sehen können:

Ab 29. September zeigt Sky Atlantic die Serie erneut. Der neue Free-TV-Sender Prosieben Maxx hat angekündigt, "House of Cards" im Originalton zu senden, ein Termin ist bisher nicht bekannt. Außerdem: bei iTunes und auf DVD.

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