Erika Berger "Über Sex zu reden, fällt uns schwer"


Mit ihr hielt die offene Diskussion über das Intimleben der Deutschen Einzug ins Fernsehen. Im stern.de-Interview spricht Erika Berger über die immer wiederkehrenden Sex-Probleme der Deutschen und sagt, wie sie mit dem Tod ihres Mannes umgeht.

Ab Ende der achtziger Jahre sprach Erika Berger in ihrer Call-in-Show "Eine Chance für die Liebe" bei RTL über Trennungsschmerz, Partnertausch und Errektionsprobleme. 1991 lenkte sie mit der Sendung "Der flotte Dreier" die Aufmerksamkeit auf sexuelle Randgruppen, die vorher kaum Beachtung fanden. Jetzt kehrt die 68-Jährige zu ihrem Kölner Heimatsender zurück. Im RTL-Mittagsmagazin "Punkt 12" gibt sie von diesem Freitag an in der neuen Rubrik "Liebe" Tipps in Sachen Partnerschaft.

Frau Berger, glauben Sie, dass sich die Probleme der Deutschen in Sachen Sex und Partnerschaft inzwischen verändert haben?

Mit Sicherheit nicht. Die häufigsten Fragen waren damals "Warum betrügt er mich?", "Wieso krieg ich keinen Orgasmus" und "Was soll ich machen, wenn's mit der Errektion nicht klappt?". Das werden mich die Leute bald wieder fragen.

Also haben wir bis heute nichts dazugelernt?

Leider nicht. Obwohl wir glauben, in einer sexualisierten Gesellschaft zu leben, fällt es uns immer noch schwer, mit unseren Beziehungspartnern offen über Sex zu reden. Außerdem ist die nächste Generation ja inzwischen nachgewachsen. Die jungen Leute heutzutage haben genau die gleichen Probleme wie ihre Eltern.

In Ihrem neuen Buch "Lust statt Frust - Meine Wohlfühlformeln" sprechen Sie ein Thema an, über das gerade Frauen nicht gern reden - die Wechseljahre.

Ich halte das für eines der letzten Tabuthemen überhaupt. In die Wechseljahre zu kommen, hat etwas mit alt werden zu tun. Und darüber redet keiner gerne. Darum habe ich dieses Buch geschrieben. Frauen empfinden diese Phase oft als großen Einschnitt in ihr Leben. Viele kommen damit nicht klar, werden sogar depressiv. Und die Männer stehen hilflos daneben und wissen nicht, was mit ihren Partnerinnen los ist.

Auch Sie als Deutschlands bekannteste Sex-Expertin traf es damals unvorbereitet.

Ich wusste schon, dass auch ich irgendwann in die Wechseljahre komme. Aber dass es mir dann so schlecht geht und ich bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbrechen würde, hätte ich nicht geglaubt. Ich dachte immer, das passiert nur den anderen Frauen. Trotzdem hab ich die Sache dann sehr schnell in den Griff bekommen. Ich hab mir ein paar homöopathische Mittelchen verschreiben lassen und bin zu meinem Frauenarzt gegangen, mit dem ich über meine Probleme gesprochen habe. Nachdem ich dann wusste, was mit mir los ist und ich das alles meinem Mann erklärt habe, ging es mir wieder super.

Die Frauen, mit denen Sie für Ihr Buch gesprochen haben, taten sich dagegen sehr schwer. Was haben die falsch gemacht?

Bei denen haben oft die Männer nicht so mitgezogen. Ich kann mich als Frau mit meinen Wechseljahren noch so sehr auseinandersetzen. Wenn mein Partner nicht versteht, was mit mir los ist, habe ich kaum eine Chance, damit klarzukommen.

Also sind die Männer das Problem.

Um Gottes Willen, nein. So hab ich das nicht gemeint. Wir müssen unseren Männern allerdings erklären, was in uns vorgeht. Nur so können sie das verstehen. Und ganz nebenbei: Auch Männer haben ihre Wechseljahre. Bei denen heißt das Andropause.

Ihr Buch haben Sie Ihrem im April verstorbenen Mann, dem Medienmanager Richard Mahkorn gewidmet. Wie gehen Sie mit dem Verlust um?

Das ist für mich natürlich nicht leicht, aber ich habe gelernt, mich in zwei Personen zu teilen. Beruflich bin ich die taffe Frau Berger, die selbstbewusst in der Öffentlichkeit steht, oft lacht und neue Aufgeben beherzt angeht. Privat aber bin ich die Erika, deren Mann kürzlich verstorben ist und die jeden Tag an ihn denkt.

Können Sie sich vorstellen, sich noch mal neu zu verlieben?

Im Moment nicht. Um sich neu verlieben zu können, muss man Vergangenes loslassen. Und das kann ich noch nicht. Ich bin auch keine von diesen Frauen, die sich nur über den Mann an ihrer Seite definiert. Ich komme sehr gut alleine mit mir klar. Aber was die Zukunft bringt, kann man natürlich nicht wissen.

Interview: Manja Greß


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