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Erstausstrahlung: Verbotener "Polizeiruf 110" auf MDR

Ein Mitropa-Lehrling bringt in der DDR drei Jungen um. Der Fall ist die Vorlage für eine Folge der Krimireihe "Polizeiruf 110". Doch die DDR-Machthaber verbieten den Film 1975. Der MDR zeigt den Streifen zum ersten Mal und mit synchronisiertem Ton.

Ein Krimi um den Krimi: Unter einer Kellertreppe verstauben Filmbüchsen mit brisantem Inhalt. Durch Zufall werden sie nach der Wende entdeckt, eine Kopie des Drehbuchs wird 2009 gefunden. Der brisante Inhalt: Es handelt sich um das Material für eine Folge der Krimireihe "Polizeiruf 110", die 1975 von den DDR-Oberen verboten wurde. Der Film mit dem Arbeitstitel "Am hellerlichten Tag" unter der Regie von Heinz Seibert durfte nicht gesendet werden - und alles Filmmaterial, alle Aufzeichnungen und Drehbuchexemplare sollten nach dem Willen der sozialistischen Machthaber vernichtet werden.

Durch einen Zufall entging jedoch das stumme Kameranegativ der angeordneten Zerstörung, wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtet. Der MDR strahlt die verbotene Krimifolge mit dem neuen Titel "Im Alter von" nun erstmals aus - an diesem Donnerstag (23. Juni) um 20.15 Uhr - passend zum Jubiläum, denn der "Polizeiruf 110" wird am 27. Juni 40 Jahre alt.

Die Vorlage für das Drehbuch in der DDR war eine Mordserie, die zwischen 1969 und 1971 eine der bis dahin größten Polizeiaktionen in Ostdeutschland auslöste. Ein Mitropa-Lehrling hatte drei Jungen auf brutale Weise ermordet. Der Fall selbst wurde nicht verfilmt, aber ein Verbrechen an einem Jungen - um damit die Menschen in der DDR über Sexualstraftaten aufzuklären, wie es vom MDR heißt.

Doch warum wurde der Streifen verboten? In einer Dokumentation zum Thema 40 Jahre "Polizeiruf 110", die im Anschluss an den Film im MDR (21.25 Uhr) ausgestrahlt wird, erfährt der Zuschauer die Hintergründe. Die DDR-Oberen befürchteten einen Skandal in den westlichen Medien, denn ein Journalist hatte herausgefunden, dass der tatsächliche Täter von einem Gericht zum Tode verurteilt worden war, obwohl er laut den Recherchen zum Zeitpunkt der ersten Morde nicht volljährig war.

Das Besondere an der jetzigen Version des Films unter der Regie von Hans Werner ist auch, das die ostdeutschen Schauspieler mit einer Synchronstimme versehen werden mussten - da das im Rundfunkarchiv Potsdam-Babelsberg zur Wendezeit gefundene Material ohne Ton war. So ist als Oberleutnant Peter Fuchs nicht Darsteller Peter Borgelt zu hören, sondern die Stimme von Oliver Stritzel. Der zwischenzeitlich verstorbene Schauspieler Jürgen Frohriep wird als Oberleutnant Jürgen Hübner von Andreas Schmidt-Schaller ("Soko Leipzig") synchronisiert und Major Wegner (Stanislaw Zaczyk) wird von Jaeckie Schwarz gesprochen. Er ist ansonsten in der Krimireihe selbst als Ermittler Herbert Schmücke an der Seite von Wolfgang Winkler als Herbert Schneider in Halle auf Verbrecherjagd.

Petra Buch, DPA / DPA
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