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ESC-Geburtstagsshow: BBC schneidet Buhrufe für Russland raus

Buhrufe für Russland: Beim Konzert zum 60. Jubiläum des ESC wurde der russische Ex-Sieger Dima Bilan mit Pfiffen empfangen. Ein Vorgeschmack darauf, was die russische Teilnehmerin in Wien erwartet?

Von Jens Maier

Dima Bilan bei seinem Auftritt im Apollo Theater in London. Die Show soll im Mai auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Dima Bilan bei seinem Auftritt im Apollo Theater in London. Die Show soll im Mai auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Die Liedzeile hätte passender nicht sein können: "Selbst wenn Donner und Sturm beginnen, stehe ich fest wie ein Baum im Wind", sang Dima Bilan. Denn fest stehen, das musste er angesichts des Sturms an Buhrufen, mit denen er empfangen wurde. Dabei hatte sich der bislang erste und einzige russische Sieger des Eurovision Song Contest sein Geburtstagsständchen sicherlich anders vorgestellt.

Sind Buhrufe gegen die russischen Teilnehmer beim ESC unanständig?

Der Sänger trat in der vergangenen Woche neben zahlreichen ehemaligen ESC-Gewinnern bei der Geburtstagsshow zum 60-jährigen Jubiläum des Musikwettbewerbs "Eurovision's Greates Hits" in London auf. Der ESC-Gewinner von 2008 gab seinen Siegertitel "Believe" und "Never let you go", mit dem er 2006 Zweiter wurde, zum Besten. Während Nicole, Johnny Logan und Conchita Wurst von den 4000 Zuschauern begeistert empfangen wurden, gab es für Dima Bilan ein Pfeifkonzert. Und das, bevor er auch nur einen Ton gesungen hatte.

Es darf vermutet werden, dass die Buhrufe im altehrwürdigen Apollo Theater nicht ihm persönlich galten, sondern dem Land, das er vertritt. Die Zuschauer im Saal scheinen ihrem Unmut über die Politik des russischen Präsidenten Luft gemacht zu haben. Gesetze gegen Homosexuelle, Ukraine-Konflikt und Krim-Annexion - da hatte sich offenbar einiges angestaut.

Sind Buhrufe zulässig oder nicht?

Buhrufe gegen Russland sind beim ESC kein neues Phänomen. Bereits im vergangenen Jahr in Kopenhagen wurden die Tolmatschowa-Schwestern wenig freundlich empfangen. Buhrufe beim Auftritt und bei der Punktewertung waren auch in der Fernsehübertragung zu hören.

Die Buhrufe sind unter ESC-Fans umstritten. In vielen Kommentaren auf Facebook bestehen einige darauf, dass der Wettbewerb eine unpolitische Show sei, in der nur die Musik zu bewerten ist. "Da steht ja nicht Putin auf der Bühne", sagen Fans. Doch angesichts der kriegerischen Auseinandersetzung in der Ostukraine kann es nur schwer gelingen, den russischen Beitrag losgelöst von der Politik Russlands zu sehen.

BBC lässt Auftritt Bilans zwei Mal drehen

Dem britischen Fernsehsender BBC schienen die Buhrufe unterdessen so peinlich gewesen zu sein, dass der Auftritt von Dimal Bilan für die TV-Ausstrahlung noch einmal gedreht wurde. Wie ein Sprecher der BBC bestätigte, wurde die Begrüßung des Sängers wiederholt. Zuvor hatte Moderator Graham Norton das Publikum aufgefordert, nicht zu buhen. "Ihr könnt in Wien buhen, ihr könnt zuhause buhen, aber nicht hier", soll er nach einem Bericht der Tageszeitung "The Independet" gesagt haben. In der Aufzeichnung, die am vergangenen Freitag im britischen Fernsehen gezeigt wurde, war dann von den Buhrufen nichts mehr zu hören.

Eine derartige Manipulation wird in Wien nicht möglich sein. Das Finale des Eurovision Song Contest werden die rund 140 Millionen Fernsehzuschauer weltweit live zu sehen bekommen. Und damit auch eventuelle Buhrufe gegen die diesjährige russische Teilnehmerin Polina Gagarina. Die 27-Jährige wird die Ballade "A Million Voices" zum Besten geben. "Wir sind das Volk der Menschheit, verschieden und doch gleich. Wir glauben an einen Traum. Beten für Frieden und Heilung", heißt es darin. Ob das Publikum ihr die Rolle als Friedensengel abnehmen wird? Schwer vorstellbar.