Eva Herman Die Antifeministin


"Das Eva-Prinzip" spaltete 2006 die Nation: Sie habe viel Zuspruch bekommen, erklärte Eva Herman nach der Veröffentlichung ihres Plädoyers für die Rückkehr der Frauen an den Herd. Aber auch die Entrüstung war groß. Die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer nannte das Buch eine "Suada zwischen Mutterkreuz und Steinzeitkeule". Ihr neues Buch kostete Eva Herman ihren Job beim NDR.

Umfragen zufolge hielt die Mehrheit der Deutschen Hermans Thesen für überholt. Das hielt die Fernsehmoderatorin nicht davon ab, ein weiteres Buch zu schreiben - was sie jetzt letztlich ihren Job beim NDR kostete.

"Frau Herman steht es frei, ihren ’Mutterkreuzzug’ fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren", erklärte NDR-Programmdirektor Volker Herres. Der Sender beendete "mit sofortiger Wirkung" die Zusammenarbeit mit der 48-Jährigen, die 1988 vom Bayerischen Rundfunk in den Norden gewechselt war und mehr als 16 Jahre lang zum Stamm-Sprecherteam der "Tagesschau" gehörte.

Vielleicht stießen ihre Thesen auch deshalb auf so viel Kritik, weil ihr eigenes Leben so ganz anders aussieht. Herman war lange Zeit der Inbegriff einer Karrierefrau: Nach der Schule absolvierte die gebürtige Emdenerin auf Wunsch der Mutter eine Lehre als Hotelkauffrau und machte dann von 1986 bis 1988 eine journalistische Ausbildung beim BR. Zugleich ließ sie sich dort als Sprecherin ausbilden. Drei Ehen scheiterten, seit Dezember 2005 ist sie mit dem Hamburger Hotelier Michael Bischoff verheiratet.

Der zehnjährige Sohn Sam stammt aus ihrer dritten Ehe - am liebsten hätte sie fünf Kinder gehabt und einen Mann, der das Geld verdient, damit sie zu Hause hätte bleiben können, sagte sie im vergangenen Jahr in einem Interview. Schon vor der Veröffentlichung des "Eva-Prinzips" hatte die Moderatorin, die 2003 zur beliebtesten Nachrichtensprecherin Deutschlands gewählt wurde, mehrere Bücher geschrieben, darunter zwei Romane und einen Ratgeber über das Stillen.

Ihre Abrechnung mit dem Feminismus erschien zunächst in der Zeitschrift "Cicero", bevor sie als Buch auf den Markt kam. Die Emanzipation habe die Frauen zwischen widersprüchlichen Rollenanforderungen zerrieben und für die Mutterrolle unbrauchbar gemacht, schreibt sie darin. "Weder in der Karriere noch in der Küche ist die Frau voll handlungsfähig." Wegen "fehlender Bemutterung" würden bei fast der Hälfte aller Kinder in Deutschland in vorschulischen Untersuchungen deutliche Defizite wie motorische oder sprachliche Störungen festgestellt.

Das Glück, ein Baby zu bekommen

Die Anführerinnen der Emanzipation hätten schon damals nicht gewusst, "was das Glück bedeutet, ein Baby zu bekommen, einen liebenden Mann an der Seite zu haben und ... etwas zu erschaffen, was man den Familiensegen nennt", schreibt Herman. "Es ist die Frau, die in der Wahrnehmung ihres Schöpfungsauftrags die Familie zusammenhalten kann."

Angesichts der Kritik, die diese Thesen hervorriefen, nahm Herman eine Auszeit bei der "Tagesschau", kündigte aber an, zurückkehren zu wollen. Ihre letzte Sendung war am 24. August 2006. Die NDR-Talkshow "Herman und Tietjen" moderierte sie zunächst weiter. Der Sender habe ihr klargemacht, dass sie ihre Arbeit als Talk-Moderatorin und als Buchautorin klar trennen müsse, erklärte der NDR. Es sei aber immer wieder zu Vermischungen gekommen. So habe Herman am Rande der Internationalen Funkausstellung in Berlin die Kirchen zu einer stärkeren Präsenz in Talk-Shows aufgefordert, um zum "Auftrag von Mann und Frau" Stellung zu nehmen. Deswegen - vor allem aber wegen ihrer Äußerungen zur Wertschätzung von Müttern während der NS-Zeit, verlor der NDR schließlich die Geduld und entließ die langjährige Mitarbeiterin.

Susanne Gabriel/AP AP

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