"Germany's next Topmodel" Aufstand im Heidi-Land


Was macht eine richtige Persönlichkeit aus? Das Styling natürlich. Also bekamen die Topmodels in der fünften Folge eine neue Frisur verpasst. Eine Kandidatin probte den Aufstand und knickte ein. Eine andere sorgte für einen Eklat und musste gehen.
Von Mark Stöhr

Wir haben ein neues Idol. Es ist 1,74 Zentimeter groß und kommt aus Uelzen. Name: Sarina. Traumberuf: Model. Das ist nicht so überraschend. Viel überraschender war der Satz, der ihr gestern durch ihre Biberzähne schlüpfte: "Ich weiß nicht, ob ich intelligent bin, aber doof bin ich nicht." Keinesfalls. In ihr blondes Köpfchen passen einfach nicht so viele Gedanken rein. Und die wenigen, die drin sind, stolpern übereinander und schnüren sich gegenseitig die Luft ab.

Man kennt das Phänomen aus vollen Bussen, wenn es regnet oder kurz nach Feierabend. Manchmal ist Sarina sehr, sehr müde. Vor allem, wenn sie so komplizierte Sachen gefragt wird wie: Was ist eine Muse? Bluse, okay - aber Muse? Alles sehr, sehr verwirrend. Am Ende ist die Muse nur erfunden, um sie zu ärgern. Mal darüber nachdenken - bloß wie?

Fünfte Folge "Germany's next Topmodel", zweite Woche Los Angeles. Die falschen Klunker mussten runter, Persönlichkeit war das Stichwort. Übersetzt in die Modelsprache heißt das: "Bitte keine Extensions!" So viele Tränen wurden zum letzten Mal bei der Heimkehr der deutschen Kriegsgefangenen vergossen. Klums Friseure verpassten den verbliebenen 14 Kandidatinnen einen neuen Haarschnitt. Aus Tussen sollten Typen werden.

Der Widerstand war teilweise erheblich. Larissa, der Neuzugang aus Österreich, weigerte sich trotzig, ihren Kopf in die Stylisten-Hände zu geben. Ihr Argument: Sie sei keine Puppe und ihr Körper gehöre immer noch ihr. Das sind ganz ungewohnte Töne im Heidi-Land, wo traditionell vordemokratische Regeln herrschen. Die Klum reagierte auf die Provokation mit der gebotenen Härte und drohte mit dem sofortigen Entzug der Aufenthaltsgenehmigung. "Miss Austria" (Klum) knickte ein und weiß nun bis ans Ende ihrer Tage, was für sie das Beste ist. So wie die anderen Mädchen auch: Maria mit ihrem roten Playmobilhelm, Jessica als tschechische Prostituierte und Tamara als Boris Becker.

"Seid Ihr happy?"

Und Sarina? Die sah immer noch so aus wie vorher, als der Vorhang vor dem Spiegel "entlüftet" (Klum) wurde. Die Sache mit der Persönlichkeit wollte ihr ohnehin nicht so recht einleuchten.

Denn jeder behauptete etwas anderes. Für Boris Entrup, den Make-up-Artist, der wie ein Fahrradkurier aussieht und zum Feinschliff in die Models-Villa gekommen war ("Hey, lauter neue Looks! Seid Ihr happy?"), hat Persönlichkeit mit der Schminke zu tun. Sein Credo: "Man muss neu definieren, wer man überhaupt ist." Mit der richtigen Grundierung und dem einen oder anderen Highlighter unterm Auge.

Für Rolf Scheider ist es hingegen die Kleidung, die die Persönlichkeit ausmacht. Er schickte die Nachwuchsmodels in zwei Luxusboutiquen, wo sie sich innerhalb einer halben Stunde eine passende Garderobe zusammenstellen mussten. Ira kam mit einem Mantel wieder raus und sah nach Scheiders Urteil aus, "als würdest du zur Gartenarbeit gehen". Stefanie traf es noch härter: Die bezeichnete er als "Flönz". So heißt in Köln eine Blutwurst.

Fall für den Psychologen

Und Sarina? Die sah immer noch so aus wie vorher, als sie über den Laufsteg schlurfte. "Ich habe von Mode nicht so Ahnung", sagte sie. Macht nichts. Vielleicht ist Persönlichkeit ja doch mehr als die richtige Wahl der Klunker und Klamotten.

Tessa ist eine Persönlichkeit, ohne Frage. Eine ziemlich gestörte sogar. Wie ein tollwütiger Büffel trampelte sie durch die Folge, brach dauernd in hysterisches Lachen aus und heulte im nächsten Augenblick ganze Bäche. Ein Fall für den Psychologen. Die Jury störten beim "Ballon Shooting" aber vor allem ihre schmutzigen Füße. Die Klum in ihrer Lieblingsrolle als Gouvernante: "Wenn ich zu einem Job gehe, habe ich mir die Beine rasiert, die Haare gewaschen und die Hände und Füße schön gemacht." Auf alles andere steht im Heidi-Land die Höchststrafe.

Der Kritik folgte der Eklat. Nach der abschließenden Beurteilungsrunde zeigte Tessa den Mittelfinger. Sie hielt sich für unbeobachtet. Heidi Gouvernante II: "Du warst wieder aggressiv und hast wieder kein gutes Benehmen gezeigt." Das böse Mädchen ist raus. Eine kleine Sensation.

Und Sarina? Die darf mit nach Las Vegas fliegen. Zumindest was Muße bedeutet, weiß sie ganz genau: mal so richtig auschillen.


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