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Promo-Tour für neues Album: Zu Gast in der NDR-Talkshow: Helene schwebt, Herz bebt

Das gab's noch nie. Und wiederholt sich hoffentlich nicht. Der Lichtgestalt Helene Fischer zu Ehren widmet die NDR-Talkshow eine eigene Sendung – und erstickt an ihren eigenen Lobeshymnen.

Von Sylvie-Sophie Schindler

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Helene Fischer schwebt nicht nur über ausverkaufte Stadien, Helene Fischer schwebt auch, wenn sie Gemüse schneidet. Sagt Starkoch Alfons Schuhbeck. Es schwebt die Hand, es schwebt das Messer. Er hat's selbst gesehen, er ist Augenzeuge, es war am Weihnachtsabend. Damit wäre wieder mal bestätigt: Helene, die Lichtgestalt. Jesus war gestern, Helene ist heute. Dass sie nachts über ihren Heimatsee, den Starnberger See, wandelt, wer wollte das ernsthaft bestreiten. Die Heiligsprechung steht noch aus, und bis dahin "dreht sich meine Welt mal wieder viel zu schnell", wie Helene gleich zu Beginn der NDR-Talkshow im Country-Sound singt. Sie präsentiert Songs aus ihrem neuesten Album, bereits auf Platz Eins geschossen, das sie einfach nach sich selbst benannte und in dem, wie sie sagt "so viel von mir steckt wie noch nie zuvor". Anlass genug, dass die NDR-Talkshow in ihrer 795. Ausgabe der Sängerin eine Solo-Sendung widmet.

Das gab's noch nie. "Was können Sie denn nicht?", fragt Frank Elstner, der zu den geladenen Gästen gehört, die alle etwas Supersensationelles über Mega-Helene erzählen können. Die Fischer überlegt. Und überlegt. Dann ihre Antwort: "Da fällt mir gar nichts ein." Bescheiden ist sie, das muss man ihr lassen. Schließlich schiebt sie nach: "Ich kann nicht stricken." Beruhigend genug: Selbst in harten Wintern wird mützenlos durch die Nacht gezogen. Oho, oho. "Wenn ich eine Figur hätte wie Helene, dann wäre ich auch im Body gekommen, ach, die kann alles tragen", schwärmt Modedesigner Guido Maria Kretschmer. Schauspielerin Stephanie Stumph, die den Song "Herzbeben" für das neue Album geschrieben hat, ihr erster Versuch als Songwriterin – "um mal wieder irgendwo Anfängerin zu sein" - , gibt sich ebenfalls hymnisch: "Die ist so süß, die hat alles, was man braucht, und noch mehr." Auch Moderatorin Barbara Schöneberger ist hin und weg, ist atemlos und schwindelfrei, und beim Entrücktsein ganz vorne dabei: "Ich freue mich immer, Helene zu sehen, dann sieht man, wie gut man aussehen kann."

Zu Hause kocht der Flori, Helene Fischers "Herzblatt"

Großes Kino. So pappsüß kann nicht mal ein Rosamunde-Pilcher-Film sein wie dieser TV-Talk. Wenigstens gibt's, um der Überzuckerung entgegenzuwirken, vom Schuhbeck Alfons einen Wurstaufstrich, in den Helene, Achtung ein unperfekter Moment, fast ihr Glitzermikrofon hineinlegt. Beim Essen, sagt sie, mag sie es bodenständig. Kein Chichi, keine Molekularküche. Aber auch: "Ich habe noch nie Saumagen gegessen." Zu Hause koche oft Flori, sie nennt ihn "Herzblatt", er mache "Pastadinge" und Chili con Carne. Dass sich das Essen irre freuen muss, in Helenes Super-Magen zu landen und später in ihrem Super-Darm, das muss wohl nicht extra erwähnt werden, auch wenn weder Nudeln noch Hackfleisch hier eigens befragt werden können. Aber: Bereits vor und bei der Zubereitung, das wiederum weiß Alfons Schuhbeck, schaut Helene die Lebensmittel auf eine Weise an, wie es wohl, so ist aus seinen Worten zu schließen, Normalsterbliche nie tun. Er sagt es so, beinahe mystisch: "Ich hab's gemerkt am Auge."

Rund 400 Konflikte weltweit, 45 hochgewaltsam, darunter mindestens 20 Kriege. Kümmert nicht. Helene steht, wie auch der unspektakuläre Talk mit ihr beweist, für eine Sorglosigkeit und Schlichtheit nach der man sich in dieser hochkomplexen Welt wohl sehnt. Hartz IV macht keinen Spaß, aber, ach, wie sich die Fischer so durchs Leben singt, und es ist ja auch ein durch und durch schillernd-schönes Leben, durch das sie sich singt. Nicht leicht ist's nur immer dann, wenn sie bei ihren Auftritten in High Heels tanzen muss, wo sie doch bei den Proben so lässig in Sneakers übt. Erzählt sie. Choreograf Cale Kalay, der mit ihr gearbeitet hat, muss hier aber unbedingt loswerden: "Sie hat eine tolle Figur und kann richtig tanzen." Und wenn mal alles zuviel werden sollte, dann, so rät Andreas Michalsen, Arzt für Naturheilkunde und Bestsellerautor, dann raus in die Natur, ab zum "Waldbaden". Helene lässt durchblicken, dass sie das ja so dringend gerne täte, aber dass sie ihren Flori wohl nicht so recht dazu motivieren kann.

Ihre Eltern sind das Wichtigste im Leben

Ein Song ist ihren Eltern gewidmet, "Du hast mich stark gemacht", in der exklusiven NDR-Talkshow-Version nur mit Klavierbegleitung. Die Eltern seien, wie Fischer erzählt, bei den Konzerten meistens anwesend: "Ich kann mir nicht vorstellen meine Eltern nicht dabei zu haben. Die erden mich. Sie sind das Wichtigste in meinem Leben." Wenigstens hier: Helene Fischer wirkt berührt. Zumindest ein bisschen. Tolle Eltern, tolle Helene, tolle Show. "Wir machen nun jede Sendung exakt so wie wir das heute gemacht haben", kündigt Barbara Schöneberger an. Und Hubertus Meyer-Burckhardt schockiert mit: "In zwei Wochen sind wir wieder da – mit Helene Fischer." Klar, ein Witz. Und man kann nur hoffen, dass es nicht läuft wie bei "Täglich grüßt das Murmeltier". An einer Stelle allerdings, da hätte man gerne mehr gehört. Frank Elstner erzählte, wie er Jimi Hendrix einst das Luxemburger Nachtleben zeigte. "Das war ein einsamer Mensch", so der Moderator. Ja, doch, die gibt es, die Sänger, die tragische Figuren sind. Bei einem Helene-Fischer-Special aber heißt es: Wir müssen draußen bleiben.