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Integrationspreis für Berliner Rapper: Eine Frage noch zum Bambi an Bushido ...

Natürlich kann man fragen, ob Bushidos Texte Bambi-würdig sind. Aber ist es nicht so, dass es nicht um seine Musik sondern um seine Herkunft ging? Die allerdings ist noch viel weniger preiswürdig.

Von Sophie Albers

Hat Bushido den Bambi verdient?

Man mag von Rapmusik und ihren deutschen Aushängeschildern halten, was man mag. Natürlich ist die Kritik vieler Menschen und stellvertretend von Peter Plate berechtigt, dass ein Bambi als Ehrung für eine Showgröße, deren Erfolg als Musiker darauf fußt, andere Menschen zu degradieren, fragwürdig ist. Dass Bushidos Hass-Rap mittlerweile auf Veranstaltungen wie der Bambi-Verleihung angekommen ist, ist allein Zeichen dafür, dass der Mainstream passend macht, was nicht passt. Schließlich ist jeder käuflich.

Eine Frage, die man sich jedoch auch stellen sollte, ist bisher außen vor geblieben: Warum bekommt ein in Deutschland geborener, von einer deutschen Mutter und an deutschen Gymnasien erzogener Mann, der hier wählt und Steuern zahlt einen Preis für gelungene Integration?

Dass Bushido ist, wer er ist, hat weniger mit seinem tunesischen Vater zu tun - der genauso wenig anwesend war wie Bushidos Interesse an seines Vaters Land -, als mit der Gesellschaft, in der er aufgewachsen ist. Und vor allem den urdeutschen Tugenden Fleiß und Disziplin. Doch weil Anis Mohamed Youssef Ferchichi nun mal wie ein Araber aussieht, wird er wie ein Araber behandelt. Was in Deutschland, das sich jahrzehntelang vehement dagegen gewehrt hat, als Einwanderungsland bezeichnet zu werden, die größtmögliche Verkrampfung bedeutet. Da hilft der Deutsch-Leistungskurs genauso wenig wie Bushidos wiederholte Hinweise, dass er im Herzen ein deutscher Spießer sei.

In diesem Sinne bedeutet der Integrations-Bambi eine Diskriminierung aus eben jenen Gründen, die für die Diskriminierung im Alltag sorgt - nur darf sie diesmal Anzug tragen.

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