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Kritik an Bambi-Verleihung: Bushido - ein Vorbild?

Seine Texte sind oft frauen- und schwulenfeindlich, dennoch soll Rapper Bushido mit dem Bambi für Integration ausgezeichnet werden. Anders als der Burda-Verlag sehen Kritiker den Deutsch-Tunesier jedoch nicht als Vorbild. Die Preisverleihung sorgt schon jetzt für Wirbel.

Mit seinen Preisträgern bei der Bambi-Verleihung hat der Burda-Konzern schon so manches Mal für Stirnrunzeln gesorgt. Etwa 2007, als der Schauspieler und begeisterte Scientologe Tom Cruise gefeiert wurde und "FAZ"-Mitherausgeber Frank Schirrmacher ihm nach einer devot anmutenden Laudatio den Mut-Bambi überreichte. Nun wird vor der 63. Verleihung am Donnerstag in Wiesbaden wieder Kritik an der Auswahl der Preisträger laut.

Der Rapper Bushido soll in diesem Jahr einen Bambi für Integration erhalten. Der 33-jährige Deutsch-Tunesier leiste einen "wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln", hatte Burda erklärt. Er sei nicht nur ein "Gesprächspartner und Ratgeber für Politiker" und "ein willkommener Gast in Talkshows" sondern auch ein "Beispiel für gelungene Integration". Bushido, so heißt es weiter in der Begründung, setze sich ein gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft.

Voll des Lobes ist man in München für den Berliner Skandal-Rapper. Politiker und Verbände kritisieren den Bambi-Preis in der Sparte Integration für Bushido jedoch stark. Grünen-Chefin Claudia Roth schreibt in einer Mitteilung auf ihrer Homepage: "Frauenfeindlichkeit und Homophobie sind nicht preiswürdig." Dass ein Musiker, der seit Jahren mit ebensolchen Texten auffällt, gewürdigt wird, hält sie für mehr als verwunderlich. Die Preisverleihung an Bushido ist ihrer Meinung nach eher seinem kommerziellen Erfolg, denn seinem Engagement geschuldet. "Bushido ist sicher kein Beispiel für gelungene Integration, sondern eine äußerst erfolgreiche Kunstfigur, die auf dem Rücken von Minderheiten große Kasse macht," so Roth. "Dass er dabei Frauen nur als 'Schlampen' bezeichnet und Botschaften wie 'Schwuchteln verkloppen' rappt, scheint den Burda-Verlag nicht zu stören."

Auch Terre des femmes ist erbost

Die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes hat sich mit einem öffentlichen Brief an die Jury der Bambi-Verleihung gewandt und kritisiert ebenfalls die Entscheidung. "Wie kann ein Mann, der derart menschenverachtend über Frauen schreibt, als Vorbild für Integration gelten?" fragt Geschäftsführerin Christa Stolle. Weiter zitiert sie eine Textpassage aus Bushidos Song "Mit dem Schwanz in der Hand": "Dein Silikon gehört mir und meiner Crew, du willst von uns, dass wir dich auf Händen tragen? Mit der Rechten werd ich wichsen, mit der Linken dich schlagen...". Stolle wirft den Verantwortlichen vor, mit dieser Preisverleihung eine frauenfeindliche Einstellungen zu unterstützen und drängt darauf, die Nominierung zu überdenken.

Der Münchner Burda-Verlag vergibt jedes Jahr den Bambi, einen der bedeutendsten deutschen Medienpreise. In Wiesbaden werden neben Bushido auch Popsängerin Lady Gaga, Teenie-Star Justin Bieber oder Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt erwartet.

kmi