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Joko und Klaas bei "Wetten, dass.. ?": Lanz trifft auf seine möglichen Nachfolger

Gelangweilt von Markus Lanz? Heute abend sollten Sie trotzdem "Wetten, dass..?" einschalten. Denn auf dem Gästesofa sitzen zwei, die es vielleicht besser können.

Von Jens Wiesner

Die alte Stute "Wetten, dass..?" ist bockig. Ihr früherer Herr, der wusste noch, wie man die Lady zu behandeln hatte. Fütterte sie mit Gummibärchen, wenn ihr Magen knurrte, gab ihr dann und wann einen beruhigenden Klaps auf den Hintern. Doch seit anderteinhalb Jahren hat die Stute einen neuen Reiter. Und der behandelt sie wie ein junges Rodeopferd. Haut ihr die Sporen in die Seiten, treibt sie an zum Galopp, obwohl sie doch nur traben will.

Gottschalk und "Wetten, dass..?", das war eine Symbiose. Beide altbacken und ein wenig aus der Zeit gefallen, aber irgendwie sympathisch. Wie der verrückte Onkel, der alle paar Monate zum Besuch vorbeischneit. Ein unterhaltsames Kerlchen, dem man die alten Zoten und Herrenwitze nachsieht, weil er am nächsten Tag wieder weg ist. Eine Type, über die wir lästern, sobald die Tür ins Schloss gefallen ist. Doch so sehr wir uns auch über den verrückten Onkel aufregen, ein kleiner Teil von uns bewundert ihn - für seine Verve, gesellschaftlichen Konventionen die Nase zu drehen. Für seinen Mut, in einer Welt, die allzeit, allerorts Perfektion und Political Correctness verlangt, über die Stränge zu schlagen.

Nie endende Probezeit

Markus Lanz ist der Anti-Gottschalk. Wenn heute Abend die Showtüren zur zwölften "Wetten, dass..?"-Ausgabe nach Gottschalk aufschwingen, tritt ein Mann hinaus, der den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts aus allen Poren schwitzt. Lanz ist ein strebsames Kerlchen, immer gut vorbereitet, drahtig, ein Funktionier-Mensch erster Güte. Was ihm an Leichtigkeit fehlt, versucht er mit Fleiß und Ausdauer wieder wettzumachen. Doch Krampf und leichte Unterhaltung vertragen sich nicht. Und noch viel weniger gefällt es uns, von einem ach-so-perfekten Menschen den Spiegel vorgehalten zu bekommen.

Und doch muss man einen gewissen Respekt zollen für die Hartnäckigkeit, mit der sich Lanz an einen Job klammert, der es in seiner Beliebtheit locker mit dem eines Drogenpolizisten in Mexiko aufnehmen kann. Von allen Seiten prasseln Kritikerschelten auf ihn ein, im Internet laufen Online-Petitionen für seinen Rauswurf. Von den zahllosen persönlichen Beleidigungen ganz zu schweigen. Eineinhalb Jahre Dauermobbing für einen Job, dessen Probezeit nie zu enden scheint: Auch nach elf Ausgaben "Wetten, dass..?" mit Markus Lanz wird Fernsehdeutschland heute Abend wieder hinschauen, als wäre es seine erste. Es ist schon seltsam, wie sehr ein Mann, der angeblich keine Ecken und Kanten hat, polarisiert.

Anarchie von außen dringend gesucht

Die Chancen, dass Lanz mit der zwölften Ausgabe das Ruder rumreißt, stehen schlecht. Zwar nehmen mit Musiker Pharrell Williams ("Happy") und US-Schauspielerin Hilary Swank zwei Hochkaräter auf dem Sofa Platz, doch werden die wohl fix zurück in ihre Heimat jetten. Seit der Geschichte mit Tom Hanks und der Katzenmütze hat die Mainzer Sendung ein Geschmäckle in den Staaten bekommen. Ansonsten geben sich die üblichen Verdächtigen und Selbstpromo-Volk die Ehre: Udo Jürgens wirbt für seine anstehende Tour, Sternekoch Christian Rach kommt mit einer neuen ZDF-Show im Gepäck, Christoph Maria Herbst stellt seinen "Stromberg"-Kinofilm vor. Außerdem dabei: ARD-Nachrichtenfrau Judith Rakers und Sänger Adel Tawil.

Spannend könnte die Show trotzdem noch werden. Mit Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf hat das ZDF zwei Wildcards ins Studio geholt, die sich sicher nicht mit einem ruhigen Sofaplatz zufrieden geben werden. Schließlich waren die für ihre anarchischen Aktionen bekannten Nachwuchsmoderatoren selbst einmal als Gottschalks Nachfolger im Gespräch. Doch bekanntermaßen bekam das ZDF Angst vor der eigenen Courage und setzte stattdessen auf den Nachlassverwalter Lanz. Im Direktvergleich können die beiden heute beweisen, ob die Entscheidung richtig war. Und wer weiß? Vielleicht bekommen sie ja bald doch noch eine zweite Chance?

Denn allen Unkenrufen zum Trotz wird "Wetten, dass..?" auch die Ära Lanz überstehen. Allein die Tatsache, wie heftig die Emotionen beim Thema noch immer hochkochen, zeigt, dass die Deutschen noch längst nicht abgeschlossen haben mit dem alten Schlachtross der ZDF-Unterhaltung. Das konnte uns nicht einmal Wolfgang Lippert vermiesen. Und gegen den strahlt selbst ein Lanz.

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