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Jürgen von der Lippe "Gottschalk ablösen - Ich weiß nicht, ob das ein Traum ist"


Am Freitagabend ist Jürgen von der Lippes neue Show "Ich liebe Deutschland" auf Sat.1 gestartet. Zuvor sprach der Moderator im Interview über die Gottschalk-Nachfolge, den schweren Stand am Samstagabend und Moderatoren über 40.

Jürgen von der Lippe ist ein alter Hase im TV-Geschäft: Mit "Geld oder Liebe" moderierte der 63-Jährige in der ARD bis 2001 eine der letzten großen Samstagabendshows; jetzt kommt er am Freitagabend mit der Sat.1-Show "Ich liebe Deutschland" auf die große Fernsehbühne zurück. Die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..?" reize ihn überhaupt nicht, sagt er im Interview mit der Nachrichtenagentur DPA.

Herr von der Lippe, wäre die Nachfolge bei "Wetten, dass..?" etwas für Sie?

Von der Lippe: "Das habe ich doch schon einmal abgelehnt, warum sollte ich das jetzt machen wollen? "Wetten, dass..?" hat seinen Zenit überschritten. Jetzt, nachdem man wirklich vorsichtig sein muss, geht die Quote auch drastisch runter. Das ist jetzt einfach nicht mehr richtig spannend. Gottschalk abzulösen - Ich weiß nicht, ob das ein Traum ist."

Also eine schwierige Aufgabe, egal wer das übernimmt?

Von der Lippe: "Ich denke, dass das ein Problem werden kann für jemand Junges, der das übernimmt. Weil da nach oben keine Luft ist. Ich denke, das wird sich quotenmäßig jetzt nach unten entwickeln. Was aber auch normal ist, das war so lange das unangefochtene Flaggschiff der deutschen großkalibrigen Unterhaltung. Dass das jetzt den Weg allen Irdischen geht, ist doch normal."

Aber ist das nicht das Ziel jedes TV-Entertainers, DIE große Samstagabendunterhaltung...?

Von der Lippe: "DIE Samstagabendshow gibt es ja sowieso seit vielen Jahren nicht mehr. Den Samstag als Tag mit der potenziell höchsten Quote, den hat ja Günther Jauch abgeschafft. Er hat gezeigt, dass an jedem normalen Wochentag acht oder neun Millionen Zuschauer zu holen sind."

Nun sind Sie als 63-Jähriger freitagabends beim eher gesetzten Sender Sat.1 dran. Wie steht es denn da mit den Quoten in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen?

Von der Lippe: "Von den Zielgruppen müssen wir uns verabschieden. Man muss umdenken, was die Wertschätzung älterer Zuschauer angeht, denn wir werden bald in der Überzahl sein. Da sitzt das Geld und sie sind eben nicht markentreu, sie sind beeinflussbar und neugierig. Die Werbeindustrie denkt da in alten Kategorien."

Das geht mit Ihnen ja genau in die Richtung: Lippe (63) löst Kai Pflaume (44) ab...

Von der Lippe: "Sat.1 holt ja gerade bewährte Kräfte zurück: Ingolf Lück (53), Ulla Kock am Brink (50). Das zeigt vielleicht, dass gerade ein Umdenken stattfindet. Man sieht ja bei Ulla Kock am Brink: Wenn die Show stimmt, dann kann man auch eine Moderatorin einsetzen, die gerade die 20 hinter sich gelassen hat - so wie ich ja auch."

Wen wollen Sie denn mit "Ich liebe Deutschland" erreichen?

Von der Lippe: "Ich habe für meine Sat.1-Show schon alle Zuschauer im Kopf - genau wie bei meinem Bühnenprogramm. Da sitzen ja drei Generationen. In den Rateteams sitzt ja auch 20plus, 30plus und 40plus - und der Opa moderiert das Ganze."

Warum nochmal eine große Show mit 63?

Von der Lippe: "Fernsehen ist mein Nebenjob, die Bühne ist das Eigentliche. Ich würde kaputtgehen, wenn ich nicht auf die Bühne könnte. Aber wenn man im Fernsehen ein reizvolles Angebot bekommt und man Sportsmann ist, dann nimmt man das an. Weil es spannend ist und Spaß macht. Da ist eine Wahnsinnsstimmung im Publikum, weil jeder gewinnen kann. Ich will die Halle rocken."

Was lieben Sie persönlich an Deutschland?

Von der Lippe: "Eine hohe Brauereidichte, eine gute medizinische Versorgung und kurze Wege zum nächsten Krankenhaus - das sind ja Dinge, die in meinem Alter eine Rolle spielen. Nein, ehrlich: Was ich an Deutschland am meisten liebe, ist die deutsche Sprache. Dass es das Deutsche ist, ist ein Zufall, das hätte ja auch Urdu sein können. Aber das ist nun mal meine Muttersprache, die ich zu meinem Instrument des Berufs gemacht habe."

Patrick T. Neumann, DPA DPA

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