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"Let's Dance" 2021 "Im Rúrik liegt die Kraft" – im Finale kam die Hammer-Überraschung

Rúrik Gíslason und Renata Lusin gewinnen die 14. Staffel "Let's Dance"
Rúrik Gíslason und Renata Lusin gewinnen die 14. Staffel "Let's Dance"
© Stefan Gregorowius / TV Now
Was hat man diesmal nicht alles gelernt: Backstage riecht es nach Mettwurst. Hinter der "Rocky Horror Puschi Show" steckt ein altes Ehepaar. Und am Ende kommt es manchmal anders, als man denkt.
Von Ingo Scheel

Wie hatte es Sylvie-Sophie Schindler angesichts der Länge und Ereignislosigkeit beim GNTM-Finale so schön ausgedrückt: Narkotisch sei es gewesen. Zäh, langweilig, spannungsarm. Narkotisch eben. Beim Blick auf den TV-Planer konnte einen zumindest im Vorfeld auch beim "Let's Dance"-Finale schon eine Art Phantom-Narkose überkommen. Von 255 Minuten war da die Rede, vier Stunden und 15 Minuten, um nach drei Monaten Dauerschwof endlich herauszufinden, wer denn sich denn nun "Wohe fu Wohe", um es mal mit Jorge zu sagen, bis zum schlussendlichen Sieg steigern konnte. Zwei gute Nachrichten vorweg: Narkotisch war es beileibe nicht. Und ganz so lang war es dann doch nicht. Nur vier Stunden.

Die Voraussetzungen für den großen Showdown wie folgt: Nicolas Puschmann & Vadim Garbuzov, Valentina Pahde & Valentin Lusin und Rúrik Gíslason & Renata Lusin hatten es bis ins Finale geschafft. Dort galt es, noch einmal drei Tänze zu absolvieren: einen Jurytanz, einen Lieblingstanz und einen Freestyle. Puschi und Vadim tanzten zum Einstieg einen Tango zu "Neruda" von Rupa & The April Fishes, solide und konzentriert, mit der Kraft der eigentlich schon Ausgeschiedenen, später dann Zurückgeholten. Jorge, der diesmal mit Pottschnitt und psychedelischer Brille wie ein Besserverdiener-Beatnik aussah, gefiel es super, Motsi, in einem herrlich knalligen Gewand, fands toll, Joachim Llambi lag irgendwo dazwischen, am Ende gab es jeweils neun Punkte von der Jury.

Valentina Pahde und Valentin Lusin holen volle 90 Punkte

Für Valentina und Valentin grenzte eine solche Note fast schon an Minderleistung. Durch Bodennebel und dramatisches Licht kreiselten sich die beiden zu einer weiteren Höchstnote, 3 x 10 ergab hier wie immer 30, der Lohn für "feine Beinarbeit" (Motsi) und "hundertprozentiges Funktionieren" (Llambi). Rúrik Gíslason und Renata Lusin tangoisierten sich schließlich durch Bowies "Let's Dance". "Eine Steigerung", befand Jorge und ergänzte so etwas wie "Ibindebessedasemal", Herr Llambi sagte einen jener Sätze, die man über Fußballer im allgemeinen nicht unbedingt regelmäßig hört – "Er denkt viel" – und Motsi war ebenfalls entsprechend angetan, das Ergebnis: 29 Punkte.

Vor das mittlere Tanzdrittel hatten die Verantwortlichen dann den Showteil gesetzt, eine etwas sämige Ehemaligen-Sause mit wechselhaftem Unterhaltungswert. Die No Angels hangelten sich durch ein Medley ihres größten Hits, im Anschluss durften die Ausgeschiedenen nochmal ran. Wobei – Sorry, Kai Ebel – 'ausgeschieden' sollte man ja nicht mehr sagen, das klänge zu sehr nach Fäkalien. Nun gut, ohne Ebels Einlassung wäre das womöglich gar nicht aufgefallen. Also, Hobbyschwofen galore. Ebel war in Gedanken schon beim Korn und hatte extra ein eigenes Glas mitgebracht. Mickie Krause hat seit seinem Ausscheiden, ähm, seit seinem, Sie wissen schon, augenscheinlich so wenig getanzt wie in seinem Leben vor "Let's Dance". Jan Hofer sah einen Moment lang so aus, als wollte er seine Tanzpartnerin Christina Luft küssen und Lola Weippert hatte aus dem Stand soviel Feuer, dass man sie eigentlich direkt nochmal zur nächsten Staffel einladen könnte. Nur mal so ein Gedanke.

Aber zurück zu den Finalisten, die jeweils noch zweimal ran mussten. Einen Aufreger gab es auch noch. Empörte Zuschauer hatten sich gemeldet und angemerkt, dass sich unter der Voting-Nummer von Rúrik die Stimme von Valentina Pahde bedanken würde. Alles nur Software-Nebenwirkungen, ein Audiofile sei falsch verlinkt worden, alle Stimmen ordnungsgemäß dort gelandet, wo sie hinsollten, so Daniel Hartwich. Eine Behauptung, an der es insbesondere mit Blick auf das Ende der Sendung wenig Zweifel gab. Rúrik und Renata zeigten sich davon jedenfalls unbeeindruckt, nahmen ihren Tanztitel "Don't Worry Be Happy" wörtlich und holten damit ebenso die Höchstwertung von 30 Punkten, wie Nicolas und Vadim mit ihrer überdrehten Sause zu Nina Hagens "Du hast den Farbfilm vergessen" und das Tandem Valentina/Valentin mit ihrem Wiener Walzer zu "What If".

Rúrik Gíslason gewinnt "Let's Dance" als Donnergott Thor

Mit mächtig Emotionen und "Jetzt tanzen wir zum allerletzten Mal"-Sentimentalität ging es in die Schlusstänze. Da hatten Nicolas und Vadim, laut Selbstbezichtigung "zusammengewachsen wie ein altes Ehepaar", ordentlich "Pfeffer im Arsch" und zogen freistilistisch ihre "Rocky Horror Puschi Show" durch. Gab Valentina Pahde eine überaus überzeugende Marilyn Monroe und Rúrik Gíslason den noch einen Tick überzeugenderen Donnergott Thor, samt Gewand, Natur-Muckis und dickem Hammer im Gepäck. Und als solcher sollte sich schließlich das Ergebnis entpuppten, das von Vorjahres-Teilnehmer Luca Hänni per Umschlag ins Studio gebracht wurde, und der von Daniel Hartwich mit den Worten "Immer dem Mettwurst-Geruch hinterher" zurück in die Requisite geschickt wurde.

"Let's Dance": Ilse DeLange nimmt Abschied

Tja, und dann fiel der Hammer, im wahrsten Sinne des Wortes. Nicolas Puschmann und Vadim Garbuzov landeten auf dem dritten Platz. Für das von Höchstnoten zu Favoritenehren emporgetragene Duo Valentina Pahde und Valentin Lusin blieb Silber. Rúrik Gíslason und Renata Lusin wurden schließlich zum Siegerpaar ausgerufen. Beim Zeus! Beim Teutates! Beim Thor! Der Sieg des Kickers kickte wirklich. Wie hatte es Daniel Hartwich so schön ausgedrückt: "Im Rúrik liegt die Kraft". Herzlichen Glückwunsch von dieser Stelle. Man sieht sich in Staffel 15. Darauf einen Mojito von Frauke Ludowig. Prost.


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