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Merkel und Co. in "South Park": Die Deutschen - humorlos und brutal

Die Kultserie "South Park" nimmt sich Merkels Land vor. Ergebnis: Die Deutschen sind humorlos und brutal. Kommen wir aus der Klischeefalle jemals raus - mit dieser Kanzlerin?

Von Sophie Albers

Eine Kanzlerin Merkel mit Knarre treibt Cartman und seine Schulkameraden in der Turnhalle zusammen. Der Versuch, die Deutschen mit dem "saftigen Juden" Kyle zu beruhigen, schlägt fehl. Ein kaum erkennbarer Präsident Wulff erzählt schlechte Witze und fordert Neuwahlen. Die "South Park"-Folge "Funnybot", die am Sonntag im deutschen Fernsehen Premiere feiert, hat Deutschland im Visier und verbrät, was die Klischeeschublade hergibt. Vor allem aber das Image der Deutschen, humorlos zu sein.

Schon nach ihrer Erstausstrahlung in Amerika war die Reaktion der deutschen Fans auf "Funnybot" gespalten: Das reichte von "Versteh ich den Witz der Folge nicht, weil ich ein unlustiger Deutscher bin?" über "Ich werd mir diese Folge nicht ansehen, weil es meinen Stolz verletzt" bis zu "Beste Folge aller Zeiten!".

Und der Witz der Folge geht so: Auslöser für die Invasion der Deutschen in "South Park" sind die ersten Comedy-Awards der Schule. Die Deutschen werden in der Kategorie "Die unlustigsten Menschen der Welt" ausgezeichnet. Das quittiert ein wutschnaubender Präsident mit der Ankündigung, dass der Vergeltungsschlag gegen die Schüler "schnell und brutal" erfolgen werde. So landet die deutsche Kanzlerin, deren schlecht gelauntes Gesicht spätestens seit der Eurokrise auch einem Großteil des amerikanischen Publikums bekannt sein dürfte, wird sie doch derzeit in der "Newsweek"als gefühlloses Monster porträtiert, samt Gefolge in der Schule und präsentiert nach derber Einschüchterung die deutsche Lösung des Problems: den XJ-212 Funnybot. Ein technisches Wunderwerk, ein Komiker-Roboter mit perfektem Timing, der die Kinder nach einer Schrecksekunde tatsächlich mit Witzen unter der Gürtel- und Geschmackslinie zum Kichern bringt. Bald darauf schon steigt die sprechende Maschine, die stark an den zerstörungswütigen Dalek aus "Dr. Who" erinnert, zum "besten Komiker der ganzen Welt" auf und macht alle anderen Witzereißer arbeitslos. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Deutschen haben erstmal erfolgreich ihr Humorlos-Klischee eliminiert.

Letzter Platz im Humor-Ranking

Eine Frage, die sich - bei allem Respekt vor der Klischeewalze der "South Park"-Macher - stellt: Kann ein Land sein Image eigentlich jemals loswerden? Und wenn ja, wie? Gerade erst im vergangenen Juni hat Deutschland im internationalen Humor-Ranking des britischen sozialen Netzwerks Badoo den letzten Platz belegt.

"Grundsätzlich kann man jedes einmal gelernte Klischee loswerden", sagt Ernst Primosch, Deutschlandchef von Hill&Knowlton, eine der führenden PR-Firmen der Welt, die nicht nur Konzerne, sondern auch Regierungen berät. "Entlernen in der Markenführung", nennt er das. Das betreffe ebenso Länder. Und er verrät auch, wie das geht: "1. Der oder die Betroffene ist sich des Klischees bewusst. 2. Man möchte sich tatsächlich ändern. 3. Je stärker das Klischee, desto stärker und nachhaltiger muss eine kommunikative Maßnahme sein." Das könne allerdings Jahrzehnte dauern.

Humorlos, überkorrekt, lebensunfoh

"Nach wie vor halten uns andere Länder für recht humorlos, überkorrekt und potenziell lebensunfroh. Um ein solches Image zu ändern, bedarf es schon einiges", sagt Primoschs Branchenkollegin Astrid von Rudloff, Deutschlandchefin der PR-Größe Weber Shandwick. "Nehmen wir beispielsweise die Fußball-WM 2006: Diese vielen lachenden und feiernden Menschen bei Sonnenschein haben mit Sicherheit für ein erstes Aufbrechen des über Jahrzehnte zementierten Griesgram-Images gesorgt. Aber das allein wird nicht reichen", sagt sie übereinstimmend mit ihrem Kollegen.

Eine Wandlung vom Saulus zu Paulus schließt von Rudloff gar aus, da "jede kleinere und erst recht größere Krise zu einem erheblichen Rückschlag führen kann. Das konnte man an den Reaktionen der Griechen auf Angela Merkel sehen. Da denkt dann wieder jeder: 'So sind sie eben!'."

"Wie unangenehm", sagt Funnybot.

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