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TV-Dokumentation: Bei ihm wohnte Michael Jackson in Hamburg: Anton Schleiter äußert sich zu Missbrauchsvorwürfen

Vier Tage lang wohnte Michael Jackson 2006 bei ihm: Anton Schleiter lernte den Popstar als Kind kennen. Jetzt äußerte sich der Hamburger erstmals zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Jackson – und verteidigt seinen verstorbenen Freund.

Michael Jackson 2006 bei seinem Besuch in Hamburg. Im Hintergrund Anton Schleiter, in dessen Haus im Stadtteil Niendorf der Sänger wohnte.

Michael Jackson 2006 bei seinem Besuch in Hamburg. Im Hintergrund Anton Schleiter, in dessen Haus im Stadtteil Niendorf der Sänger wohnte.

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Der Garstedter Weg im Hamburger Stadtteil Niendorf ist eine unscheinbare Adresse. Geklinkerte Einfamilienhäuser, gepflegte Vorgärten – eine typische Wohnsiedlung. Gut bürgerlich zwar, doch einen Popstar würde hier niemand vermuten. Ausgerechnet Michael Jackson war hier 2004 und 2006 zu Gast. Er besuchte Anton Schleiter, den er 1995 bei "Wetten, dass ..?" kennengelernt hatte. Damals war Anton zwölf Jahre alt. Jackson und die Schleiters verband eine Freundschaft. Jetzt spricht der inzwischen 34-jährige Sohn der Familie erstmals über die Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Popstar.

"Er hat mich nicht ein Mal falsch angefasst. Er war wie der liebste Onkel, den man sich vorstellen kann", sagt Anton Schleiter in der TV-Dokumentation "Akte. Spezial: Michael Jackson - Auf der Suche nach der Wahrheit", die der Sender Sat1 am Montagabend ausstrahlte. Jahrelang hatte er zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Jackson geschwiegen – aus Respekt zu seinem Freund, wie er betont. Doch der im vergangenen Jahr veröffentlichte Film "Leaving Neverland", in dem mehrere Personen schwere Anschuldigungen gegen Jackson erheben, habe ihn dazu bewogen, zehn Jahre nach Jacksons Tod das Wort zu ergreifen.

Familie Schleiter hält Vorwürfe gegen Michael Jackson für erfunden

"Für uns ist das so absurd. Das ist Fiction. Das ist echt schäbig", sagt Familie Schleiter über "Leaving Neverland". Sie hätten Jackson als liebevollen, freundlichen und hilfsbereiten Menschen kennengelernt - und nicht als das Monster, als dass er in vielen Berichten mittlerweile dargestellt werde. "Wir waren froh und glücklich, einen so guten Freund zu haben - ein Familienmitglied", sagt Anton Schleiter.

Neben der Hamburger Familie kommen unter anderem Jacksons Schwester La Toya und seine Nichte Brandi zu Wort. Sie üben scharfe Kritik an "Leaving Neverland"-Macher Dan Reed. Er habe unsauber recherchiert. Viele der Aussagen im Film ließen sich widerlegen, zum Beispiel die von Wade Robson, der in der Doku als eine Art Kronzeuge auftritt. Der hatte behauptet, als Kind von Michael Jackson im ersten Stock des Vergnügungspark-Bahnhofs der Neverland-Ranch missbraucht worden zu sein. Dabei sei das Gebäude erst ein Jahr nachdem Wade da gewesen sei fertiggestellt worden.

"Leaving Neverland": Das ist der Trailer zur Doku über die Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson

TV-Dokumentation liefert wenig neue Fakten

"Akte. Spezial: Michael Jackson - Auf der Suche nach der Wahrheit" ist eine posthume Verteidigung des Popstars – und damit der Gegenentwurf zu "Leaving Neverland". Mit dem ehemaligen Staatsanwalt Ron Zonen, der im Prozess gegen Jackson 2006 dabei war, kommt nur eine Person zu Wort, die nach wie vor an den Missbrauchsvorwürfen gegen Jackson festhält. Doch anstatt seine Aussagen anhand eines Faktenchecks zu überprüfen, werden sie durch andere Zeugen relativiert. Die Doku möchte an die Unschuld Jacksons glauben. Der Erkenntnisgewinn für die Zuschauer ist deshalb gering.

mai