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Neue ARD-Comedyshow geplant: Bald darf auch im Ersten gelacht werden

Die Verleihung des Deutschen Comedypreises hat es kürzlich wieder gezeigt: Während andere Sender Trophäen abräumen, hat die ARD ein Humordefizit. Das soll schon bald anders werden.

Von Carsten Heidböhmer

Kurz vor der Verleihung des Deutschen Comedypreises vor zwei Wochen platzte Jurypräsident Thomas Hermanns der Kragen: "Die ARD pflegt ihren Humor nicht", kommentierte Hermanns im "Spiegel" die Tatsache, dass der Senderverbund als einzige große Anstalt für keinen Preis nominiert war. Was ihn besonders ärgerte: Es gebe genügend gute Leute im Ersten. "Die sperren sie aber weg ins Spätprogramm", kritisierte Hermanns die Malaise der ARD.

Dass die ARD ein Humordefizit hat, war den Senderverantwortlichen schon seit geraumer Zeit bekannt. Doch lange ist nichts passiert. Jetzt scheint man aber entschlossen, das Problem anzugehen: ARD-Programmdirektor Volker Herres kündigte für das Erste ein neues Humorprojekt an: "Wir werden mit jungen Talenten eine Parodie-Farbe für unser Programm pilotieren, und da werden die Zuschauer noch vor Weihnachten einen ersten Einblick in die Werkstatt bekommen können", sagte Herres in schönstem Behördendeutsch dem Branchendienst DWDL.de.

Es gibt sogar schon einen konkreten Termin: Wie stern.de aus Senderkreisen erfuhr, soll das neue Format am 20. Dezember, dem Donnerstag vor Heiligabend, getestet werden. Die Sendung wird aber nicht zur Hauptsendezeit laufen, sondern in einem "geschützten Bereich", was so viel heißt wie: etwas später am Abend.

Polit-Parodie mit jungen Talenten

Die "Parodie-Farbe" hat sogar schon einen Namen: "Das Ernste" soll nach stern.de-Informationen 45 Minuten dauern. Geplant ist eine Polit-Parodie mit jungen Talenten, die selbstironisch sein soll und dabei auch vor dem eigenen Senderverbund nicht haltmacht. Kommt der Pilot gut an, soll "Das Ernste" ab 2013 regelmäßig erscheinen.

Ursprünglich wollte die ARD eine Art "switch reloaded" inszenieren und hatte sogar schon Verhandlungen mit den "switch"-Stars Martina Hill, Max Giermann und Martin Klempnow geführt. Letztlich ist die Zusammenarbeit nicht zustandegekommen, wie Herres DWDL.de sagte, "weil die Protagonisten, die mit uns ursprünglich zusammenarbeiten wollten, zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht zur Verfügung standen".

Nun plant die ARD also, pünktlich zum Wahljahr mit einem eigenen Comedyformat zu punkten. Wie wichtig Humor ist, hat Herres inzwischen erkannt: "An Ernsthaftem fehlt es uns nicht", sagte er DWDL.de. Der andere öffentlich-rechtliche Sender hat es vorgemacht: Mit der "heute-show" hat das ZDF eine Sendung etabliert, die sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern ankommt. Etwas derartiges schwebt offenbar auch der ARD vor.