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Neue US-SciFi-Serie "Eureka": Tür an Tür mit den Einsteins

Auch nach "Lost" bleibt der so genannte Mystery Montag auf ProSieben geheimnisvoll: "Eureka", die neue SciFi-Serie von Andrew Crosby und Jaime Paglia beamt die Zuschauer in eine fantastische Welt zwischen Dürrenmatts "Die Physiker" und David Lynchs "Twin Peaks".

Von Katharina Miklis

Komplexe Serien haben es nicht immer leicht im deutschen TV-Programm zu bestehen. In Sachen Anspruch und Scharfsinn werden die Zuschauer viel zu oft maßlos unterschätzt und Serien viel zu schnell abgesetzt. Würde man auch dieser, zugegeben etwas durchgeknallten, neuen US-Serie nicht die Chance geben, sich zu beweisen - es wäre fatal. Die liebenswerten Charaktere, der nerdige Humor und die abgefahrenen wissenschaftlichen Experimente des skurrilen Sci-Fi-Formats "Eureka" sind zwar gewöhnungsbedürftig - aber absolut sehenswert.

Ein Zufall will es so, dass US-Marshall Jack Carter (Colin Ferguson) mit seiner Tochter Zoe (Jordan Hinson) nach einer Autopanne in der idyllischen Kleinstadt Eureka landet. Es dauert nicht lange, da merkt Carter, dass in dem Städtchen, das nicht in der Landkarte verzeichnet ist, nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Während er darauf wartet, dass sein Auto repariert wird, passieren um ihn herum mysteriöse Dinge.

"Ich bin ein Oppenheimer, die Einsteins wohnen in der Vierten"

Schon die Begegnung mit dem ersten Eurekaner sollte Carter stutzig machen. "Ich bin ein Oppenheimer, die Einsteins wohnen in der Vierten", sagt der kleine Pöks auf dem Fahrrad, den Carter nach dem Weg fragt. Auf der Straße malt ein anderer Junge im Grundschulalter komplizierte mathematische Formeln auf die Straße und erklärt Carter das Archimedische Prinzip. Die Solarautos fahrenden Eurekaner unterhalten sich am Straßenrand über Fresnelsche Formeln, Gauß'sche Einheiten und photoelektrische Effekte. Ansonsten wird die Stadt von einem mysteriösen Schweigen umhüllt.

Erst als Carter Allison Blake kennenlernt, bekommt alles einen Sinn. Allison ist eine Vertreterin des Amerikanischen Verteidigungsministeriums und weiht ihn in das bestgehütete Geheimnis des Landes ein: Präsident Trumann hatte nach Ende des zweiten Weltkriegs mit Hilfe von Albert Einstein und anderen Genies den Plan geschmiedet, die wissenschaftliche Elite des Landes in einem streng geheimen Wohnprojekt im Nordwesten von den USA anzusiedeln. Gemeinsam sollten dort die intelligentesten Köpfe der Nation an geheimen Projekten für die Regierung arbeiten - und somit den technologischen Fortschritt des Landes sichern und vorantreiben.

"Das hier ist nicht 'Sex and the City' und Sie sind nicht Mr. Big"

Marshall Jack Carter ist schwer beeindruckt von der toughen Allison Blake und man merkt schon in der Pilotfolge von "Eureka", dass hier noch einige Funken sprühen werden. Auch wenn Blake Carter erstmal in seine Schranken weißt: "Das hier ist nicht 'Sex and the City' und Sie sind nicht Mr. Big!". Als Carter in letzter Sekunde eine nukleare Katastrophe verhindern kann - die Zeit droht sich aufzulösen - wird er von den Bewohnern Eurekas zum Sheriff der Kleinstadt ernannt. Das dürfte für den coolen Carter in den nächsten Folgen eine Menge Arbeit bedeuten. Das ohne Zweifel hyperintelligente Dorf versinkt im Chaos, das die Genies selbst ausgelöst haben. Hunde werden weggebeamt, schwarze Löcher tun sich auf und drohen die Welt zu verschlingen, Campingwagen verbrutzeln, Weltzerstörungsmaschinen werden getestet, Kühe vereisen und überhaupt: Es knallt und pufft und surrt an jeder Ecke.

Noch vor dem Frühstück werden Heilmittel für tödliche Krankheiten erfunden und Atombömbchen entwickelt. Dabei lernt man nach und nach nahezu jeden Bewohner von Eureka kennen, die dem Zuschauer ungewöhnlich schnell ans Herz wachsen. An oberster Stelle steht der Nobelpreisträger Warren King. Niemand könnte diesen arroganten Firmen-Chef besser spielen als Greg Germann ("Ally McBeal"). Er ist prädestiniert für die Rolle des liebenswerten Arschlochs.

Einziger Normalo unter lauter Irren

Als einziger "normaler" Mensch zwischen all den skurrilen Genies und verwirrten Professoren versucht Carter sein Leben in Eureka in einigermaßen geregelten Bahnen zu halten. Aber in Eureka weiß man nie, welcher irrer Wissenschaftler als nächstes in seinem Hobbyraum die Welt aus den Fugen zu werfen droht.

Für den US-Sender SciFi Channel war die erste Staffel von "Eureka" der erfolgreichste Serienstart seines 14-jährigen Bestehens. Die zweite Staffel löste in den USA einen wahren SciFi-Hype aus. Eine Fortsetzung ist bereits in Planung. Einziger Haken an der ganzen Geschichte: Bei "Eureka" geht es sprachlich zu, wie auf einem Fachkongress. Da die Serie in den USA für den Spartenkanal produziert wurde, setzte man ein gewisses Vorwissen der Zuschauer voraus. Wer also schon zu Schulzeiten in naturwissenschaftlichen Fächern immer abschreiben musste, könnte auch bei diesem skurrilen SciFi-Spaß öfter mal den Faden verlieren. Aber wie schon Archimedes, der Namensgeber der Serie, sagte: "Es gibt Dinge, die den meisten Menschen unglaublich erscheinen, die nicht Mathematik studiert haben." Und unglaublich ist "Eureka". Unglaublich gut.

"Eureka - Die geheime Stadt", ab jetzt jeden Montag um 21.10 Uhr bei ProSieben

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