"IN VERTIGO – OG Keemo und Funkvater Frank"
OG Keemo: Auch der Gangsterrapper ist nur ein Mensch

  • von Friederike Hilz
Die Filmemacher Tuan Lam und Julia Krampe begleiten OG Keemo (links) und sein Kumpel und Produzent Funkvater Frank über ein Jahr lang bei der Albumproduktion.
Die Filmemacher Tuan Lam und Julia Krampe begleiten OG Keemo (links) und sein Kumpel und Produzent Funkvater Frank über ein Jahr lang bei der Albumproduktion.
© ZDF / Maïscha Souaga

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Für viele zählt OG Keemo zu den besten Rappern Deutschlands. Doch den Mann dahinter, Karim Joel Martin, den kennen nur wenige. In einer vierteiligen ZDF-Dokuserie tauchen zwei Filmemacher tief in sein Leben abseits der Bühne ein.

"Trenn dein'n Körper von dei'm Geist", rappt der Mann mit den Tattoos und dem Vollbart ins Mikrofon. Er schwitzt, die Menge tobt. Auf der Bühne, da ist er OG Keemo, der Rap-Star, der Gangster. In seinen Texten geht es um Frauen, Geld und Verbrechen, aber auch um die Dunkelheit in ihm selbst. Doch wenn OG Keemo das Mikrofon zur Seite legt und die kugelsichere Weste auszieht, dann ist er Karim Joel Martin, der beschaulich und zurückgezogen lebt und gerne seine Ruhe hat, der sich um seinen kleinen Sohn sorgt und der mit sich selbst und seiner Vergangenheit zu kämpfen hat. In vier Folgen blickt die Dokuserie "IN VERTIGO – OG Keemo und Funkvater Frank" (ab Sonntag, 14. Juni, in der ZDF-Mediathek) hinter die Fassade des Rappers, dem auf der Musikstreaming-Plattform Spotify über eine Million Menschen monatlich zuhören.

Funkvater Frank ist Dominic "Franky" D'Amato. Der Mannheimer Produzent ist nicht nur untrennbar mit OG Keemo verbunden – sie begannen ihre Karrieren gemeinsam in einem Kellerzimmer -, sondern auch mit Karim Joel Martin. Die beiden sind seit ihrer oft turbulenten Jugend befreundet. Die Filmemacher Tuan Lam und Julia Krampe begleiteten sie über eineinhalb Jahre lang bei der Produktion des nächsten OG-Keemo-Albums: "Franky", der voller Tatendrang Beats produziert, und Karim, der weiß, "ich muss abliefern", aber die richtigen Worte nicht findet. Leute, die ihn nach neuer Musik fragen, "nerven mich", sagt er. Und: "Mental sind meine Kapazitäten ausgeschöpft." Aber für die Kunst muss man eben dahin schauen, "wo es wehtut", erklärt sein Kumpel.

OG Keemo lässt hinter seine Mauern blicken

Über eben jene Erfahrungen, die ihn verletzt haben, spricht Karim Joel Martin in der Dokuserie erstaunlich offen: Da sind der frühe Krebstod seiner Mutter und seine Depression und Suizidgedanken, die komplizierte Beziehung zu seinem Vater und seine kriminelle Jugend. Einiges davon thematisierte der heute 33-Jährige bereits in früheren Songs: "Ich träume von roten Blüten, während ich in mei'm Hochbett lieg' / Denn Mama geht's nicht gut in diesen Zeiten / Baba geht's nicht besser, zum Verstecken ist die Bude viel zu klein / Deswegen halt' ich meiner Schwester die Ohren zu, wenn sie streiten", rappt OG Keemo beispielsweise im Song "Nebel" (2019).

Doch für das nächste Album braucht es eine "neue Herangehensweise", glaubt er – das Vatersein hat seinen Blick aufs Leben verändert. Im Laufe der eineinhalb Jahre, in denen die Filmemacher ihn begleiten, taucht Karim Joel Martin deshalb tief in seine eigene Geschichte ein – auch, wenn es ihm vor der Kamera nicht immer leicht fällt. Während er sich dabei manchmal in seinem Pulli oder T-Shirt zu verkriechen scheint, ist der 33-Jährige in Telefongesprächen um einiges offener. Archivmaterial und Animationen, die auf seinen eigenen Zeichnungen basieren, untermalen die Erzählungen des Rappers, seiner Freunde und seiner Familie.

Und so lassen sich OG Keemos Texte voller Metaphern und Kunstfiguren am Ende der vier Folgen ein bisschen besser verstehen. Denn man beginnt zu begreifen, wer der Mensch ist, der sie zu Papier brachte. Doch bei aller Ehrlichkeit und Offenheit – die letzten schützenden Mauern lässt OG Keemo auch in dieser Dokumentation stehen.

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