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Serienclub: "Narcos": Der Aufstieg und Fall des Kokain-Fürsten Pablo Escobar

Die Netflix-Serie "Narcos folgt mit dokumentarischer Sorgfalt dem Aufstieg des Drogen-Fürsten Pablo Escobar. Ein fesselndes Drama, das zugleich eine lehrreiche Geschichtsstunde ist.

Von Hannes Roß

Wagner Moura und Juan Pablo Raba sitzen mit Klamotten im Stile der 70er auf einer Terrasse.

Der Brasilianer Wagner Moura (l.) spielt in "Narcos" den legendären Drogenbaron Pablo Escobar, der kolumbianische Schauspieler Juan Pablo Raba seinen Gefährten Gustavo

Natürlich ist man ein wenig irritiert, als einem der Erzähler aus dem Off am Anfang von "Narcos" erst einmal erklärt, dass es damals, in den Siebziger Jahren, noch keine Handys gab und auch keine Computer. Ach so, war das wirklich so? Es ist der große Bogen, den die Serie "Narcos" für den Zuschauer spannt, denn was in der Folge erzählt wird, mag für viele Menschen heute wirklich wie ein Märchen klingen.

Erzählt wird die Lebensgeschichte, der Aufstieg und Fall, des legendären Kokain-Fürsten Pablo Escobar, jenem Mann also, der in Siebziger Jahren so reich wurde, dass er irgendwann sein Geld nicht mehr zählte, sondern nur noch wog. Es war so viel davon da, dass er es in den Wäldern vergraben musste. Eine Zeitlang war Escobar, der Sohn eines Viehhändlers, der einer reichsten Männer der Welt, Platz sieben auf der Forbes-Liste, geschätztes Vermögen drei Milliarden Dollar. Während Escobar öffentlich als Wohltäter für die Armen auftrat und sogar anstrebte der neue Präsident von Kolumbien zu werden, starben auf seine Anweisungen hunderte Menschen, die seinen Drogengeschäften im Weg standen.

Genügend Stoff für eine zweite Staffel

Die Magie der Serie "Narcos" liegt in ihrer soghaften, fast dokumentarischen Schilderung dieses Aufstiegs eines Mannes, der es gewohnt war, sich alles kaufen zu können. Gespielt wird Escobar von Wagner Moura, einem brasilianischen Schauspieler, der den Drogenbaron nicht als cholerischen Tyrannen in der Tradition von Tony Montana in "Scarface" spielt, sondern als kühl agierenden Geschäftsmann, dessen Hunger nach Macht und Einfluss nur von seiner Angst verraten zu werden, übertrumpft wird. Auf der Gegenseite ist der DEA-Agent Steve Murphy, gespielt von Body Holbrock, aus dessen Perspektive die hilflosen Versuche der USA geschildert werden, dem durchtriebenen Escobar das Handwerk zu legen.

Es mag eine Weile dauern, bis die Serie "Narcos" ihren Rhythmus findet, immer wieder streuen die Macher dokumentarische Fernsehaufnahmen von Escobar ein, so dass sich Fiktion und Realität mischen. Man spürt oft die Anstrengung der Macher, hier Zeitgeschichte so gut wie möglich zu fiktionalisieren, ohne das Tempo und den Faden zu verlieren. Bei "Marco Polo", einer anderen Netflix-Serie, floppte dieser Versuch grandios. Doch über das schillernde Leben Pablo Escobar könnte man wohl gut noch eine zweite Staffel machen. Die Gerüchte für eine zweite Staffel sind deshalb schon vor dem Start der ersten Folge im Umlauf.


"Narcos", alle Folgen, ab 28.8. auf Netflix

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