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Serienclub: "Engrenages": Alles hängt mit allem zusammen

Sie brauchen noch einen Serientipp für einen verregneten Sommertag? Wie wär's mit der französischen Polizei- und Justizreihe "Engrenages"? Die ist seit zehn Jahren ein Welterfolg, nur hier hat’s kaum jemand mitbekommen.

Von Bernd Teichmann

Die Serie "Engrenages" wurde von Canal+ in 70 Länder verkauft- ein Welterfolg.

Die Serie "Engrenages" wurde von Canal+ in 70 Länder verkauft- ein Welterfolg.

Los ging es damals ziemlich unappetitlich. In einem Pariser Müllcontainer wird eine nackte, schrecklich zugerichtete Frauenleiche aufgefunden. Eine zweite wird später an einem Fleischerhaken im Kühlhaus hängen. Zwischendurch wurde die Widerstandsfähigkeit unserer Magennerven mit fast schon lachhaft explizitem Herumgepule an toten Körpern in der Pathologie getestet. In der 1. Staffel von "Engrenages" schien permanent die Befürchtung ihrer Schöpfer mitzuschwingen, nicht brutalstmöglich realistisch genug zu sein. Keine Grausamkeit wurde ausgespart, um uns einzutrichtern, dass die Welt die Hölle ist, der Mensch ein Tier, und alle, ob dies - oder jenseits des Gesetzes, Teil dieses verrotteten Systems sind. In der Folgezeit wurde der Splatter-Faktor dann etwas heruntergefahren, denn billige Effekte zur Authentizitäts-Steigerung braucht diese herausragende französische Serie nicht.

Im Zentrum der Reihe steht eine Ermittlungseinheit des 2. Pariser Polizeireviers unter Leitung der hartgesottenen Cpt. Laure Berthaud (grandios verkörpert von Caroline Proust), ein arbeitswütiger, manischer Terrier mit demoliertem Privatleben und ausgeprägtem Beißreflex, wenn es um Loyalität innerhalb ihrer Truppe geht. Ihre Fälle bearbeitet der aufstrebende, smarte Staatsanwalt Pierre Clément (Grégory Fitoussi), der mit steigender Zahl der Folgen eine wechselvolle Beziehung zur unberechenbaren rothaarigen Anwältin Joséphine Karlsson (Audrey Fleurot) entwickelt. Als graue Eminenz kommt dann noch der vogelgesichtige Richter François Roban (Philippe Duclos) ins Spiel, der wie ein gütiger, besonnener Vater über die einzelnen Fälle entscheidet. Und auch der einzige zu sein scheint, dessen Handeln und Entscheidungen nicht von persönlichen Interessen geleitet sind. 

Korruption, Kungeleien, Vertuschungsversuche

Mädchen- und Drogenhandel, Serienmorde, Terrorismus – in jeder der bislang fünf Staffeln (eine sechste ist in Vorbereitung) wird ein Hauptfall behandelt, dessen Fallout in die Verästelungen des Polizei- und Justizapparates eindringt. Verkettung oder Verzahnung bedeutet "Engrenages" ins Deutsche übersetzt, alles hängt irgendwie mit allem zusammen. Korruption, Kungeleien, Vertuschungsversuche und Intrigen prägen das Tagesgeschäft, das souverän zwischen mühseliger Ermittlungsroutine, Krimi-Action und juristischer Sisyphusarbeit wechselnd dargestellt wird.

Seit Ausstrahlung der 1. Staffel Ende 2005 in ihrer Heimat ist "Engrenages" zum Welterfolg herangewachsen und steht exemplarisch für die neue Blüte französischer Serien wie "Les revenenants" ("The Returned"), "Braquo" oder "Un village français". Bis heute wurde die Produktion des Bezahlsenders Canal+ in 70 Länder verkauft. Auch in Deutschland wurde sie ausgestrahlt. Kaum beachtet auf Eins Festival. 

In England unter dem Titel "Spiral" auf DVD erhältlich. Die Staffeln 1 – 4 gibt es einzeln oder in einer Box, die 5. Staffel ist jüngst erschienen. Französisch mit englischen Untertiteln

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