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Monika Piel im Gespräch: "So einfach wird es nicht werden"

Mehr Geld für das Programm - dagegen hätte die neue ARD-Vorsitzende Monika Piel (59) nichts einzuwenden. Für die nächsten Jahre stehen die Zeichen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ihrer Überzeugung nach aber auf Sparen. Die WDR-Intendantin hat am 1. Januar von ihrem SWR-Kollegen Peter Boudgoust den Posten an der Spitze der ARD übernommen. Ein Interview.

Frau Piel, der Dreistufentest für die Online-Aktivitäten der ARD ist durch, das neue Gebührenmodell ist auf dem besten Weg, die abendliche ARD-Programmstruktur mit Talks und einheitlichen Sendezeiten für die "Tagesthemen" ist festgezurrt. Ist das nicht ein komfortabler Einstieg für Sie als ARD-Vorsitzende?

Monika Piel: "Es wäre schön, wenn es so wäre. Das neue Beitragsmodell wird aber noch in jedem einzelnen Landtag diskutiert und muss dort verabschiedet werden. So einfach wird es nicht werden. Jede Interessengruppe versucht die Zeit zu nutzen, um Sonderregelungen durchzusetzen, was man ja auch verstehen kann. Über die Auswirkungen des neuen Beitrags können wir noch wenig voraussagen. Es ist berechnet worden, dass bis zu zwei Millionen davon profitieren werden, auf der anderen Seite könnten durch die Umstellung auf den Rundfunkbeitrag auch mehr Gebührenzahler erfasst werden."

Also könnten unter dem Strich für die öffentlich-rechtlichen Sender auch Mehreinnahmen bei der Reform herausspringen.

Piel: "Das würden wir uns alle wünschen. Wir haben aber ausgemacht, dass durch die Umstellung der Beitragszahler auf keinen Fall stärker belastet werden soll. Sollte die Umstellung zu Mehreinnahmen führen, würde die KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) das bei der Berechnung der Beitragshöhe berücksichtigen. Wenn sich aber herausstellt, dass uns dann weniger Einnahmen zur Verfügung stehen, müssen wir noch weiter sparen. 2013 sollte es eigentlich eine Beitragsanpassung geben, das aber ist der Zeitpunkt der Umstellung auf das neue Modell. Also wird es da wohl keine geben."

Wäre es bei Mehreinnahmen nicht eher geboten, ARD und ZDF in Sektoren zu stärken, wo sie konkurrenzfähig bleiben müssen? Beispielsweise im Bereich Online? Statt die Gebühren zu senken?

Piel: "Nein, das geht nicht: Wir haben ja die Auflage, die Online- Kosten nicht um mehr als zehn Prozent steigen zu lassen. Sollte dies dennoch der Fall sein, müssen die Gremien darüber entscheiden - einfach die Kosten ausdehnen - das geht nicht."

Mehreinnahmen könnten doch auch dazu dienen, das Programm zu stärken, um wieder auf das Niveau der Vorjahre zu kommen - mehr Kreation, weniger Wiederholungen?

Piel: "Wir bestimmen solche Schritte ja nicht selber. Wir können nur den Bedarf anmelden bei der KEF. Die zwei Jahre bis zum neuen Rundfunkbeitrag werden sehr hart - der WDR spart schon jetzt pro Jahr 50 Millionen Euro, mit der Umstellung gibt es auch keine Gebührenanpassung, also werden auch ab 2013 wieder 50 Millionen gespart werden müssen."

Die ARD-Strukturen mit ihren vielen verschiedenen Anstalten sind ein Stück Pluralismus. Wenn es ums Geld geht, ist aber kein Thema tabu. Müssen die Anstalten zusammenrücken, sogar fusionieren?

Piel: "Das können nur die Ministerpräsidenten bestimmen. Wir können zum Beispiel von uns aus nicht einfach sagen: Bremen braucht keinen Sender, um einen kleinen Sender zu nennen."

Aber die ARD könnte von sich aus die Kooperationen verstärken?

Piel: "Wir setzen auf die Wege, die mein Vorgänger Peter Boudgoust eingeleitet hat. Wir haben sehr viele Projekte im strukturellen Bereich, wo wir die Zusammenarbeit ausbauen. Dazu gehören zum Beispiel gemeinsame Anschaffungen. Selbst Versicherungen werden gemeinsam abgeschlossen. Das gleiche gilt für Telekommunikationsverträge, neue Kameras, Ü-Wagen, technische Systeme, für viele Investitionen."

Wie wäre es denn mit ARD-weiten einheitlichen Abteilungen - zum Beispiel einem Justiziariat für alle?

Piel: "Das Justiziariat vielleicht gerade nicht. Aber auf vielen Feldern kann gespart werden, denn eins ist klar: In die Programmetats wollen wir nicht gehen. NDR, WDR, SWR kooperieren in vielen Bereichen schon jetzt sehr stark, ARD-weit geht das in diesem Umfang aber nicht. Bestimmte Verwaltungsabläufe, Technikeinheiten wie SAP- Anwendungen gliedern wir ab 1. Januar aus, das werden wir auch mit Produktions-IT machen. Und auch im redaktionellen Bereich müssen wir verstärkt Schwerpunkte bilden."

Wie wäre es mit einer gemeinsamen ARD-Showredaktion?

Piel: "Bei der Show kann ich mir das sogar vorstellen, insgesamt bei Schwerpunktprogrammen, die nicht in einem regelmäßigen Rhythmus im TV zu sehen sind. Diesen bereits eingeschlagenen Weg werde ich fortführen."

Der Druck, auf Werbung zu verzichten, steigt. Wären Sie dazu bereit?

Piel: "Ich hätte nichts dagegen, wenn im Gegenzug die fehlenden Einnahmen durch den Werbeausfall über eine Beitragsanhebung ausgeglichen würden. Das kann man aber ehrlich gesagt - im Sinne der Gebührenzahler - auch nicht wünschen. Denn trotz bereits rückläufiger Werbeerlöse müsste der Beitrag um mehr als einen Euro steigen - das ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wir wurden ja per Rundfunkstaatsvertrag einst gezwungen, Werbung einzuführen, um die Gebühren niedrig zu halten."

Würde der Euro, den Sie nicht mehr durch Werbung einnehmen, der privaten Senderlandschaft zu Gute kommen?

Piel: "Nein, die Privaten haben ein anderes Publikum."

Das Werberahmenprogramm im Ersten ist quotenschwach. Wie sieht es in zwei Jahren aus? Bekommt es wieder mehr Relevanz?

Piel: "Wir haben eine neue Vorabendkoordination. Uns liegen schöne Vorschläge vor. Zum Beispiel wollen wir mehr regionale Krimikomödien bieten. So wie "Mord mit Aussicht". Mit diesen Kurzkrimikomödien haben wir die ältere wie die jüngere Zielgruppe im Visier. Es gibt auch Überlegungen über Lizenzkäufe, die kosten aber mehr Geld. Der Vorabend soll stärker mit dem Programm zuvor verwoben werden. Die Krimikomödien werden zudem den entsprechenden Repertoire-Stoff haben, um dann auch in den dritten Programmen laufen zu können."

Günther Jauch ist für das Informationsprogramm geholt worden - wird er vielleicht eines Tages auch eine ARD-Show moderieren?

Piel: "Wenn wir das bezahlen können, kann ich mir auch eine Show mit ihm vorstellen. Aber 90 Prozent seiner Einnahmen bezieht Jauch von RTL. In dieser Größenordnung zu zahlen, dazu sehe ich uns nicht in der Lage."

Müsste er dann nicht komplett zur ARD wechseln? Denn bei der ARD gilt doch: Programmprägende Persönlichkeiten dürfen nicht woanders eingesetzt werden?

Piel: "Im Moment ist wichtig: Er macht künftig keine Information mehr für RTL, sondern ausschließlich bei uns. Vor drei, vier Jahren habe ich diese Ausschließlichkeit auch im Unterhaltungsbereich für unabdingbar gehalten, sehe das aber jetzt anders. Es gibt Wanderer zwischen den Systemen. Die Aufweichung findet schon im Internet statt, das die Unterscheidungsmerkmale aufhebt. Die Marken sind jetzt einzelne Menschen, weniger die Sender. Das gilt für die Unterhaltung, wohlgemerkt. In der Information sehe ich das anders."

Ihr Vorgänger Peter Boudgoust hat einen ARD-Jugendsender ins Spiel gebracht. Ein guter Vorschlag?

Piel: "Das ist seine Meinung, ich sehe das etwas anders. Wir brauchen Programm für jüngeres Publikum - realistischerweise ab 30. Die Jugend ist so heterogen, sie interessiert sich für Angebote, die mit dem öffentlich-rechtlichen Profil kaum zusammenzubringen sind. Wir haben gar nicht so viele jüngere Stoffe in anderen Programmen - es müsste für einen solchen "Jugendkanal" fast alles neu produziert werden. Bisher haben wir es noch nicht ganz geschafft, unseren Kanal Einsfestival deutlich zu verjüngen. Ich leite in der ARD die AG "Junges Publikum, wir werden demnächst weitere Sitzungen zu diesem Thema haben. Es sieht so aus, dass wir mit Einsfestival ein ähnlich jüngeres Publikum erreichen wie ZDFneo, nur dass wir weniger Geld reinstecken. Es passiert aber auch einiges in den dritten Programmen, wobei man sagen muss: Diese Chance hat das ZDF nicht, also investieren sie bei ZDFneo. Wir im WDR denken zum Beispiel über eine Talkshow für Jüngere in Einsfestival nach."

Wie weit kann die ARD bei Sportrechten mitbieten? Gibt es eine Schmerzgrenze?

Piel: "Es gibt Schmerzgrenzen. Und es hat sich schon Einiges getan. Im Sportrechte-Etat 2011/2012 haben wir 20 Millionen Euro gestrichen. Wir müssen uns von bestimmten Rechten verabschieden. Es gibt derzeit Verhandlungen wegen der Leichtathletik-WM 2012 - so wie es aussieht, werden wir sie nicht ausstrahlen. Wir sind bereit, zu verzichten. Das ist nicht nur Taktik. Anfang des Jahres werden wir uns zudem über die Tour de France unterhalten und entscheiden, ob wir dabei bleiben oder nicht."

Können Sie sich in dieser Beziehung ein Rechtesharing vorstellen - wie bei der Fußball-WM mit RTL?

Piel: "Man muss so verhandeln, dass man bestimmte Ereignisse sublizenzieren darf. Und das kommt durchaus infrage."

Noch einmal zum viel diskutierten Online-Bereich: Springer-Chef Mathias Döpfner hat vorgeschlagen, dass auch die Öffentlich- Rechtlichen ihre Apps zu Bezahl-Apps machen sollen, um Chancengleichheit zu gewähren. Stößt er bei Ihnen Türen auf?

Piel: "Ich gehe gern durch offene Türen und hoffe auf vernünftige Lösungen. Ich meine - und das ist meine Meinung, nicht abgestimmt in der ARD -, wenn ausnahmslos alle anderen Apps kostenpflichtig sind, dann können unsere das auch sein. Ich kann unseren Gebührenzahlern nicht erklären, warum sie für eine "Tagesschau"-App oder "Sportschau"-App zahlen müssen, aber bei RTL und n-tv oder im kommerziellen Sport-Angebot nicht. 100 Sport-Apps sind derzeit kostenlos, wie sollen wir dem Gebührenzahler erklären, bei uns zahlen zu müssen? Aber wenn die Verleger sich zu einer gemeinsamen Strategie aufraffen und alle Apps kostenpflichtig anbieten, dann würde ich mich in der ARD dafür einsetzen, dass wir mitziehen. Aber die "Tagesschau"-App wird auf dem iPhone kostenfrei bleiben, weil der Inhalt eh im Netz ist, es sich also nicht um neue Inhalte, sondern um die Nutzung eines neuen Verbreitungswegs handelt. Wenn alle anderen Anwendungen Geld kosten, dann kosten auch unsere etwas."

Carsten Rave und Jürgen Hein, DPA / DPA
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo